Kickboxer 2 – Der Champ kehrt zurück (USA 1991)

kickboxer2Wir erinnern uns: In „Kickboxer“ rächte Jean-Claude Van Damme seinen Bruder, der im Ring vom brutalen Hünen Tong Po zum Krüppel geschlagen wurde. Der Film kam an, feierte in Deutschland aber als dritter Teil der imaginär ausufernden „Karate Tiger“-Reihe seine Veröffentlichung. Für eine Fortsetzung stand Van Damme nicht mehr zur Verfügung, also wurde seine Figur aus der Geschichte gemeuchelt. Übrig blieb der bis dato unerwähnte dritte Bruder, David Sloan, in dessen Rolle es Sasha Mitchell („Class of 1999 II“) immerhin auf drei Einsätze brachte.

Deren erster, schlicht „Kickboxer 2“ überschrieben, firmiert in hiesigen Breiten unter seinem Originaltitel, wohingegen Teil drei als „Karate Tiger 6“ in die Videotheken stürmte. Der finale, wenn auch offen gebliebene letzte Part mit Mitchells Beteiligung durfte Zuschauern dann wieder als „Kickboxer IV“ Rätsel aufgeben. Die Einführung jenes David Sloan, der der ermordeten Verwandtschaft über ausgeblichene Fotografien gedenken darf, wurde Trash-Regent Albert Pyun („Cyborg“) übertragen. Der inszenierte trotz seines schlechten Rufs ordentlich, nahezu geradlinig, behängte den Plot aber mit einer Extraportion Kitsch.

Zu verantworten hat die David S. Goyer, der als Drehbuchautor mit „Blade“ oder „Batman Begins“ später größeres Geschick bewies. Durch seine Feder wird der rechtschaffende David, der sich in seinem stets von der Pleite bedrohten (Kick-)Boxschuppen rührend um Straßenkinder kümmert, vom zwielichtigen Mciah (Peter Boyle, „Taxi Driver“) bedrängt. Dessen unlauter operierendem Verband versagt er den Zuspruch und kloppt Champion Vargas (Matthias Hues, „TC 2000“) medienwirksam aus dem Anzug. Zum Dank bekommt er dafür seine Schule niedergebrannt und wird auch noch schwer verletzt.

Mentale und körperliche Aufbauarbeit leistet Meister Xian (Dennis Chan, „God of Gamblers“), der schon Davids Brüder unterrichtete. Seine Hilfe ist (zwischen der obligatorischen 80´s-Gedächtnis-Montage – in nachdenklicher und in Trainings-Manier!) bitter nötig, brennt der Superkämpfer Tong Po (Michel Qissi, „Bloodsport“) doch auf eine Konfrontation im Ring. Wem das der Konflikte noch nicht genug sind, der kann sich ergänzend an Davids Schüler Brian (Vince Murdocco, „Ring of Fire“) ergötzen, der es unbedingt nach ganz oben schaffen will und dafür sogar den Verheißungen Mciahs erliegt. Ganz zu schweigen davon, dass Tong Po der Mörder von Davids Brüdern ist.

Sieht man einmal wohlwollend von der übertriebenen dramaturgischen Ausschmückung ab (zwischen manchen Szenenwechseln fehlt nur noch das finale Thema der „Lindenstraße“), bleibt ein ansprechend besetztes – mit von der Partie sind auch John Diehl („Stargate“) und Cary Hiroyuki Tagawa („Showdown in Little Tokyo“) – und handwerklich solide umgesetztes Prügel-Drama. Die effektiven Kampfszenen sind nicht die Sahnestücke des Genres, aber hübsch blutig und mit vielen Zeitlupen in Szene gesetzt. Die bierernst aufgezogene Geschichte ist wie üblich ein Sammelbecken stumpfer Klischees, wirkt furchtbar banal und dennoch unterhaltsam. Eine Art verfilmter Arzt-Roman im Kickbox-Milieu.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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