Kick-Boxer 2 – Blutsbrüder (HK/USA 1990)

kickboxerbloodbrothersFrüher hießen (gefühlt) sämtliche Martial-Arts-Filme „Karate Tiger“. Oder „Kickboxer“. Manchmal auch in anderer Schreibweise „Kick-Boxer“. So könnte „Kick-Boxer 2 – Blutsbrüder“ auch ein Teil jener hierzulande während der Achtziger und frühen Neunziger immens populären „Karate Tiger“-Reihe sein. Schließlich hatten die einzelnen Filme wenig bis gar nichts miteinander zu tun. Außer natürlich den kampfsportlerischen Überbau. Kontinuität ward lediglich bei den ersten beiden Filmen gegeben, die im Rest der Welt „No Retreat, No Surrender“ heißen – und trotzdem in keinerlei Zusammenhang zueinander stehen.

Besagter „Kick-Boxer 2“ ist zwar der dritte Part der „No Retreat, No Surrender“-Serie, steht mit seinem dusseligen deutschen Titel aber zwischen den Stühlen von „Karate Tiger“ und „Kickboxer“, dessen erster Teil hierzulande übrigens zu „Karate Tiger 3“ wurde. Einen „Kick-Boxer“, dem „No Retreat, No Surrender 3: Blood Brothers“ hätte auf verwunschenen Pfaden folgen können, ist jedenfalls nicht überliefert. So muss Part zwei dieser weiteren nicht-existenten Fortsetzungsfolge für sich allein bestehen. Qualitativ allerdings bleibt grundlegend alles beim Alten.

Und das Plotgerüst dieses lachhaft doofen B-Movies lässt Trash-Afficionados wie selbstverständlich den Kniefall proben. Was nämlich unter der Regie von Lucas Lowe, der auch den als „Karate Tiger 5“ vertriebenen „King of the Kickboxers“ (auch bekannt als „No Retreat, No Surrender 4“) drehte, zusammenwächst, ist die hirnrissige Essenz amerikanischen Hurra-Patriotismus (das Skript schrieb wie bei den beiden Vorgängern Keith W. Strandberg) und dem bewährt krausen Hong Kong-Mix aus ansprechend inszenierten – in der deutschen Fassung bis heute unsinnigerweise stark gekürzten – Fights und (unfreiwilliger) Komik. Für letztere sorgen vor allem die Schauspieler, deren kollektiv grimassierende Mimik-Verweigerung wahrlich zum Schreien ist.

In zarter Anlehnung an shakespear’sche Tragödien handelt der Streifen von den ungleichen – jedoch beide in Kampfeskünsten bewanderten – Brüdern Will (spielte bereits im direkten Vorgänger: Loren Avedon) und Casey (Keith Vitali, „American Kickboxer“). Während der jüngere Will ein Freigeist mit störanfälligem VW-Käfer ist, folgte Casey dem Vorbild von Vater John Alexander (Joseph Campanella, „Stahl-Justiz“) und stellte sich als Geheimagent in den Dienst der CIA. Als der Herr Papa vom fiesen Terroristen Franco (Rion Hunter, „Cage Fighter“) ermordet wird, bricht Will endgültig mit Casey und schickt sich an, den Tod des Vaters zu rächen.

Während er Francos Bande infiltriert, die in einem schummrigen Lagerhaus ein Mordkomplott gegen US-Präsident George Bush sr. schmiedet, verbündet sich James Bond-Ersatz Casey (inklusive Klinge in der Schuhsohle) mit der Ex-Geliebten Maria (unglaublich mies: Wanda Acuna, „Steinzeit Junior“), ehedem selbst Teil des Terrornetzwerks. Bis zum rasanten Finale im Flugzeughangar gibt es für die Brüder reichlich Gelegenheit sich akrobatisch auszuzeichnen. Zusammenraufen müssen sie sich aber natürlich auch noch. Denn Kraftmeier Franco und seinem bärtigen Gesindel kann natürlich mit nur vereinten Kräften Einhalt geboten werden. Unterm Strich also Familienversöhnung mit Handkante – herrlich dumm und so schlecht, dass es längst wieder Spaß macht.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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