Kevin Devine – Instigator (2016, Big Scary Monsters/Procrastinate! Music Traitors)

kevin-devine-instigatorDass Singer/Songwriter auf ihren Musikwerken in Bandstärke in Erscheinung treten, ist nicht ungewöhnlich. Bei Kevin Devine vielleicht noch weniger als bei etwaigen Kollegen. Denn als ehemaliger Frontmann von MIRACLE OF ’86 weiß der New Yorker um die Kraft des Kollektivs. Vor allem, wenn statt traditionellem Klampfenbardentum der Rock ins Visier genommen wird. Nicht allein vor diesem Hintergrund ist „Instigator“ ein großartiges Album. Doch die große Qualität setzt deutlich früher an. Beim Cover etwa, das den Wrestling-Triumph eines halbnackten Jungen vor dem Weihnachtsbaum zeigt.

Der Zusammenhang scheint zunächst marginal. Doch er ist da. Denn es geht um persönliche Einblicke, umrahmt von textlicher Erhabenheit. Musikalisch blickt „Instigator“ auf die klassischen Wurzeln des Indie-Rock und schwelgt in eine Zeit zurück, als Emo noch nicht als Schimpfwort durchging. Dazu kommt ein zarter Anklang an den Alternative. In den Sinn steigen wiederholt die frühen WEEZER, die dem Rock immer auch ein Stück Power-Pop unterhoben. Überraschen mag es daher nicht, dass die Platte außerhalb Europas über Procrastinate! Music Traitors erscheint, dem Label von BRAND NEW.

Die 11 Stücke fungieren als Spiegelfläche intimer Emotionen. Neben dem reduzierten „Freddie Gray Blues“, in dem Kevin Devine den von Polizisten getöteten Namenspaten adressiert und versucht, Antworten zu geben, sticht „No History“ hervor. Der Song widmet sich dem 11. September 2001, der bis zu den Anschlägen auf das World Trade Center wirkte wie ein ganz normaler Tag. Doch dann kamen die Explosionen, die Rauchsäulen, die Sirenen. Die klare, nur selten erhobene Stimme, findet ihre Entsprechung in den reichhaltigen Melodien, die stimmungsvoll vom knarzenden Bass oder kurzen Temposteigerungen heimgesucht werden. „Instigator“ ist ein Hochgenuss, in jeder Silbe, in jeder Sekunde. Dafür einfach mal ein großes Danke!

Wertung: (8,5 / 10)

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