Kein Mittel gegen Liebe (USA 2011)

kein-mittel-gegen-liebeBei einer jungen Frau wird Krebs diagnostiziert. Als die Therapie nicht anschlägt, verweigert sie sich alternativen Behandlungsmethoden, verliebt sich in den sie behandelnden Arzt und stirbt. So traurig ist bisweilen das Leben. Oder eben sein kalkuliert doofer Hollywood-Spiegel. Ein Paradebeispiel dafür ist die Schmonzetten-Trivialität „Kein Mittel gegen Liebe“, die die Tragödie eines frühen Siech-Tods in allzu glatt polierter Inszenierung mit verkrampftem Witz und deplatziertem Kitsch überzieht.

In der Hauptrolle müht sich Abonnement-Schnuckelchen Kate Hudson („Bride Wars“) um Charaktertiefe. Aber ihre Darbietung bleibt ebenso unglaubwürdig wie die aufgeschminkte Ausmergelung der von ihr verkörperten Marley Corbett. Die ist erfolgreiche Werberin, gute Freundin und selbstbewusst genug, um sich dem Beziehungskarussell durch flüchtige Affären zu entziehen. Dass in ihrem Leben etwas fehlen könnte, spürt sie erst mit der Schock-Diagnose durch den jungen Arzt Julian Goldstein (Gael García Bernal, „Die Reise des jungen Che“).

In ihn verliebt sich Marley zögerlich. Ihre Freunde (ohne den obligatorischen homosexuellen Kumpan geht es auch hier nicht) geben Halt, zusätzlichen Trost spendet Mutter Beverly (Kathy Bates, „Blind Side“). Angespannt bleibt das Verhältnis zum emotional schwerfälligen Vater (Treat Williams, „127 Hours“). Zum zentralen Thema wird aber nicht der Umgang mit dem Tod, sondern der mit der Liebe. Soll sich die unheilbar Erkrankte nun ihren Gefühlen hingeben? Der in einer (Narkose-)Vision kumpelhaft erteilte Ratschlag Gottes (Whoopie Goldberg, „Kaffee, Milch & Zucker“) lässt eigentlich kaum Zweifel offen.

Der Klischees und Plattheiten sind es schlussendlich (und am aufgesetzt munteren Schlusspunkt) einfach zu viele. Die soliden Darsteller – darunter auch der kleinwüchsige Peter Dinklage („Game of Thrones“) in amüsantem Nebenpart – allein können die dramaturgische Unausgewogenheit nicht kompensieren. Ob „Kein Mittel gegen Liebe“ nun Drama, Romanze oder Komödie sein will, bleibt vage. Von allem etwas, aber nichts richtig ist auch diesmal das falsche Rezept. Dabei bewies Regisseurin Nicole Kassell mit dem eindringlichen Pädophilen-Drama „The Woodsman“, dass sie mehr kann als das stumpfe Abzählen abgeschmackter Klischees.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

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