Karate Tiger (HK/USA 1985)

karatetigerAls sich Tom Stillwell (Timothy D. Baker, „Blackbelt”) weigert seine Karateschule mit einer Bande brutaler Gangster zu teilen, schlägt ihn der grimmige Scherge Ivan (Jean-Claude Van Damme) zum Krüppel. Mit Sack und Pack zieht Tom in eine andere Stadt und kehrt dem Kampfsport den Rücken. Sein Sohn Jason (Kurt McKinney, „Sworn to Justice“) jedoch ist völlig vernarrt in die Martial-Arts und trainiert emsig in der heimischen Garage. Dessen erklärtes Vorbild ist Bruce Lee. Gerecht wird Jason der Legende seines Idols allerdings nicht, wird der arrogante Prahlhans doch allerorten gehörig vermöbelt. Bevorzugt von Dean (Dale Jacoby, „Ring of Fire“), seinem ärgsten Konkurrenten um die Gunst der drallen Kelly (Kathie Sileno).

Deren Bruder Ian (Ron Pohnel) betreibt selbst eine Schule für Karate und Kickboxen, was alsbald die bekannten Gangster auf den Plan ruft. Weil Jason in der Zwischenzeit nicht länger den Prellbock spielen möchte, heult er sich am Grab von Bruce Lee die Äuglein aus dem Kopf. Und siehe da, der Geist des großen Meisters schaut tatsächlich mal für eine Trainingsstunde in der Garage seines Fans vorbei. Dort funktioniert Bruce Lee (Kim Tai Chong, „Fist of Death“) den fleißigen Teilzeitschüler zur gestählten Kampfmaschine um und entschwindet wieder ins gleißende Licht des Nachlebens. Jason wiederum lässt nach vollzogener Manneswerdung die Fäuste sprechen – und trifft im Ring schließlich auf Ivan.

Am Beginn einer Weltkarriere stand „Karate Tiger“. Der im Original mit „No Retreat, No Surrender“ betitelte Streifen ebnete nicht nur der langlebigsten Filmreihe der deutschen Videohistorie den Weg, sondern führte auch den damals 25-jährigen Belgier Jean-Claude Van Damme in den Orkus des Actionfachs ein. Das keiner der bis 1996 veröffentlichten zehn Teile der Serie wirklich „Karate Tiger“ heißt, stört heute eigentlich niemanden mehr. Bei deren Auftakt blieb ohnehin nur der schlagkräftige Kurzauftritt Van Dammes haften. Und die agile Entdeckung sollte ihren Wurzeln treu bleiben – und mit „Karate Tiger 3“ zu seinen vom deutschen Verleiher Ascot erdachten Wurzeln zurückkehren.

In Hongkong war die Mär der ´Rival Schools´ längst ein alter Hut, als Corey Yuen das Prinzip für den US-Markt aufkochte. Yuen, der sich in seiner Heimat als Regisseur, Produzent, Darsteller und Action-Choreograph etablieren konnte, zählt zu den geschäftigsten Vertretern seiner Zunft. Mehr als 30 Filme entstanden seit den frühen Achtzigern unter seiner Leitung, in mehr als 50 wirkte er mit. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen „Saviour of the Soul“, „Fong Sai Yuk“, „So Close“ und die Luc Besson-Produktion „The Transporter“. Bei „No Retreat, No Surrender“ schrieb Corey Yuen auch am Drehbuch mit.

Um der aufgestauten Spannung gleich vorweg zu greifen: Jason bekommt das Mädchen, Vater Einsicht und Van Damme hübsch blödsinnig die Fresse poliert. Der spätere Action-Star spielt in seinem Debüt eine denkbar kleine Rolle. Zu Beginn und Ende schaut er mal kurz vorbei und mit der Ausstrahlung eines Pfundes Steckrüben dröge in die Kamera. Dabei schärft der Film nicht nur die Sinne gegen Russen, sondern auch gegen fettleibige Teenager. Der daneben aufbegehrende Plot ist so simpel wie die Dramaturgie, das schauspielerische Kontingent so zurechnungsfähig wie die Abschlussklasse nach dem Kollektivbesäufnis.

Bei all dem herrlichen Nonsens kommt unfreiwilliger Humor natürlich nicht zu kurz. Sei es das stets selbstklebende Bruce Lee-Poster, der auf Michael Jackson gebürstete schwarze Sidekick oder die deutsche Synchronisation – für Trash-Fans wird bei „Karate Tiger“ gleich beidhändig aus den Vollen geschöpft. Textliche Einfalt des Schlages „Komm mir nicht in die Quere Fatzke“ oder „Hörst du das Fatzke? Sie weiß wer der Beste ist.“ ist da bloß der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein. Absolutes Highlight ist jedoch der verhinderte Bruce Lee-Ersatz. Zwar wirkte Kim Tai Chong an der Seite des Meisters selbst in „Game of Death“ mit, zum Doppelgänger des verstorbenen Kult-Stars macht ihn das noch lange nicht.

„Karate Tiger“ ist eine krude Mischung aus Coming-of-Age-Film und Martial-Arts-Spektakel. Die finalen Kampfszenen sind gut choreographiert und mit Tempo inszeniert, der Rest ist künstlerisches Schweigen im Walde. Spaß macht der muntere Unfug trotzdem – und sei es einzig aufgrund seiner überbordenden Lächerlichkeit. Mit Philosophien aus dem Glückskeks und Handlungssegmenten, die jeder Vorabend-Soap die Schamesröte ins Gesicht treiben würden, unterhält der grobe Schabernack auf ganzer Linie. Und eine passende Moral von der Geschicht´ serviert der Streifen gleich dazu: Flenne lang genug am Grab deines größten Idols und alles wird sich zum guten wenden. Wessen Leben dies keine neuen Perspektiven ermöglicht, der hat eindeutig selber Schuld!

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

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