Karate Tiger 5 – König der Kickboxer (USA 1991)

kingofkickboxersEin Problem bei der Betrachtung amerikanisch-asiatischer Martial-Arts-Movies der B-Kategorie eröffnet sich zumeist aus der erschreckend einfallslosen Arbeitsweise deutscher Titelgeber. Beste Beispiele dafür bilden die durchaus beliebten wie erfolgreichen Teile der „Karate Tiger”- und „Kickboxer”-Serie. Jedoch bedarf es aufgrund mancher Überschneidung im Gefüge der beiden Reihen erhöhten Erklärungsaufwands. „Kickboxer” aus dem Jahre 1989 beispielsweise, in dem sich die belgische Wuchtbrumme Jean-Claude Van Damme die Ehre gab, markiert zugleich den dritten Teil der „Karate Tiger”-Auswucherungen.

Nach dem hölzernen Belgien-Bub übernahm übrigens Sasha Mitchell das Zepter des Hauptdarstellers in den „Kickboxer”-Streifen, zumindest in den Teilen zwei, drei und vier, während „Kickboxer 3 – The Art of War” in unseren Breitengraden gleichzeitig als „Karate Tiger 6″ in die Videotheken stolperte. Doch gehen wir zurück zum Ursprung: In den Jahren 1986 und 1987 inszenierte Regisseur Cory Yuen die ersten beiden Teile der „No Retreat, No Surrender”-Trilogie, welche hierzulande den Auftakt der „Karate Tiger”-Keilereien bildeten, die es bis zum Jahre 1995 auf stolze neun Teile brachten. Bis 1994 brachte es „Kickboxer” dagegen „nur” auf schlappe fünf Folgen. Part vier von „Karate Tiger” ist übrigens der Beginn der „Best of the Best”-Trilogie, bei der neben Eric Roberts und Chris Penn auch das deutsche Schwarzenegger-Retortenprodukt und TV-Aushilfs-„Conan” Ralph Möller zum Zuge kommt. Jedoch soll an dieser Stelle Hauptaugenmerk auf „Karate Tiger 5″ gelegt werden, im Original mit „King of the Kickboxers” betitelt.

Der von Lucas Lowe grobschlächtig und gewohnt gruselig in Szene gesetzte Prügel-Film beginnt im Thailand des Jahres 1980. Dort wird der Amerikaner Sean durch klaren K.O. landesweiter Kickbox-Champion. Bevor die Siegesfeier jedoch steigen kann, wird er vom brockigen Kampfkoloss Khan (Tae-Bo-Erfinder Billy Blanks) vor den Augen seines jüngeren Bruders Jake regelrecht abgeschlachtet. Zehn Jahre später ist Jake (Loren Avedon) einer der besten Undercover-Agenten New Yorks. Von Interpol erhält Jake den Auftrag, in Bangkok eine illegal operierende Filmcrew zu unterwandern, die vor laufenden Kameras Menschen zu Tode prügelt. Doch erscheinen Jakes Kampfkünste unausgereift und im Hinblick auf einen siegreichen Ausgang des Falles kaum hilfreich. So unterzieht er sich einem beinharten Trainingsgang durch den Einsiedler und Martial-Arts-Meister Prang (Keith Cook). Und eine gute Vorbereitung auf das finale Scharmützel scheint bitter nötig, denn als Jake eine Chance erhält, in einem jener Snuff-Filme mitzuwirken, verkörpert kein geringerer als die schwarze Kampfmaschine Khan sein Gegenüber in diesem Fight auf Leben und Tod.

Üblicherweise und wie nicht anders zu erwarten dient dieses Nichts an Alibi-Story, versehen mit den obligatorischen Dünnsinns-Dialogen, lediglich als Aufhänger für die zahlreichen Action-Sequenzen. Jene sind verhältnismäßig anständig und temporeich geraten, in der Hauptsache wohl der eher asiatischen Machart zuzuschreiben, die neben einer Vielzahl an artistischen Sprüngen auch die typischen und irgendwie liebgewonnenen Sabber-Fontänen aus den Mäulern gepeinigter Kämpfer zum Einsatz bringt. Lucas Lowe, dessen Filmographie neben diesem Machwerk lediglich die Fortsetzung „American Shaolin – King of the Kickboxers 2″ enthält, hat mit dem Erstling einen routinierten Karate-Actioner geschaffen, der durch seine passabel ausstaffierten Kampfszenarien immerhin im oberen Bereich dieser Genre-gemässen Trash-Kloake treibt. Und wie es sich für anständigen Müll geziemt, darf natürlich auch der unfreiwillige Humor nicht zu kurz kommen.

Dafür sorgen indes die gänzlich unterirdischen darstellerischen Leistungen, allen voran jene „denkwürdige” Performance von Hauptdarsteller Loren Avedon („Kick-Bboxer 2 – Blutsbrüder”), die die Herzen eingefleischter Trash-Fans sicherlich um ein vielfaches höher schlagen lassen und die unter anderem den fast legendären Gesichtsausdruck-tiefer-Verzweiflung-mit integriertem-Nacken-Stirn-Greifer-und-bis-zur-Spastik-aufgerissenem-Schlund bereit hält! Aber auch die übrigen Akteure genießen ihr Bad in der stürmischen See des zweifelhaften Filmruhms sichtlich, so unter anderem Keith Cook („China O´Brien””), Commercial-Hampelkasper Billy Blanks („TC 2000″), Richard Jaeckel („Grizzly”), Don Stroud („Sinola”) und Sherrie Rose („Martial Law 2″), die im Film den leichtbekleideten Part von Avedons Geliebter mimt und deren schauspielerische Ausdruckskraft in der Hauptsache darin besteht, beizeiten ihre Titten durchs Bild wackeln zu lassen.

So ist hier alles B, Machart, Regisseur und Darsteller, die bösen Buben mit der obligatorischen Vokuhila-Frisur ebenso wie die seltsamerweise am Schluss im Stile einer Atombombe explodierende Bambuskuppel. „King of the Kickboxers” ist letztendlich ganz unterhaltsamer Trash, seinerzeit wie beinahe alles in dieser Richtung erwartungsvoll und begeistert einverleibt, heutzutage mit grinsendem Kopfschütteln begleitet und vollkommen zu Recht verspottet.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

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