Karate Tiger 2 (HK/USA 1987)

Was waren das noch für herrliche Zeiten, als in loser Folge Karate-Actioner in die Videotheken gespült und unter der Marke „Karate Tiger“ zusammengewürfelt wurden? Verleiher Ascot bediente sich bei der „Kickboxer“-Reihe, inhalierte Titel wie „Best of the Best“, „To Be the Best“ oder „King of the Kickboxers“ und bewies einzig beim Auftakt der konstruierten Reihe Kontinuität. Der nämlich brachte dem deutschen Publikum die voneinander unabhängigen ersten beiden „No Retreat, No Surrender“-Teile näher (aus dem dritten wurde „Kickboxer 2 – Blutsbrüder“). In dessen Erstling debütierte Jean-Claude Van Damme, der auch im Folgeteil den Fiesling geben sollte. Allerdings scheiterte sein Engagement ebenso wie die von Van Dammes heroischem „No Retreat…“-Opponenten Kurt McKinney.

An ihrer statt wurden Loren Avedon („Tigerkralle III“) und Matthias Hues (wirkte auch in „Karate Tiger 8“ mit, der eigentlich den Titel „Fists of Iron“ trägt) verpflichtet. Der in Waltrop geborene Hues wurde als schurkischer Van-Damme-Ersatz ohne jede Schauspielerfahrung direkt aus dem legendären Gold’s Gym-Fitnessstudio in Los Angeles geworben; der Startschuss für eine bemerkenswerte B-Film-Karriere. Die Hauptrolle bekleidet allerdings Avedon, der als charmanter Tausendsassa Scott nach Bangkok reist, um seine Verlobte Sulin (Patra Wanthivanond) zu treffen. Nach einem romantischen Abendessen mit Tigerhoden und Affenhirnsuppe wird die Holde in Scotts billiger Absteige jedoch entführt und verschafft dem originären Zusatztitel „Raging Thunder“ Raum zur inhaltlichen Entfaltung.

Dass Scott in Kampfkünsten geschult ist, zeigt vorangestellt seine Suche nach Freund Mac (Max Thayer, „Martial Law II“). Die führt ihn in eine Kickbox-Schule, wo er auf die schlagkräftige Terry (Cynthia Rothrock, „Yes, Madam!“) trifft und gleich einen Zufalls-Opponenten durch den Ring prügeln darf. Wer über solch körperliche Vorzüge verfügt, kann es auch mit einer Bande Kidnappern aufnehmen! Allerdings erweist sich deren Motiv als politische Einflussnahme auf Sulins Vater. Nötig ist dieser erzählerische Antrieb lediglich, um die in Kambodscha ansässigen Schuldigen militärisch aufzublasen; natürlich samt russischer Beteiligung. Hier kommt im zunehmenden Verlauf auch Hues‘ Sowjet-Oberst Yuri zum Tragen. Der Weg zum stark bemannten, mit Krokodil-Bassin bestückten Camp ist jedoch weit und so gilt es für Scott zunächst, der Polizei unter Einbindung munterer Motorrad-Stunts zu entwischen und Mac als Komplizen zu akquirieren.

Das Drehbuch, u. a. verfasst von Keith W. Strandberg (schrieb neben dem Vorgänger auch besagten „King of the Kickboxers“), pocht gerade in der Herleitung beständig auf Kurzweil. Dazu trägt in der hiesigen Fassung auch die Synchronisation bei, die in ihren besten Momenten Rainer-Brandt-Niveau erreicht. Beispiele gefällig?

Scott zum Tuk-Tuk-Fahrer: „Fahren sie langsam, ich hab’s eilig!“

Scott zu Terry: „Du redest mit dem Alten, als wär er dein Scheuerlappen.“

Hotel-Zuhälter: „Möchten Sie vielleicht zu einer schönen Lady?“
Scott: „Ich hab schon alle Krankheiten, die man braucht.“

Mac beim Blick auf die gefesselten Mönche: „Das nennt man erzwungene Meditation.“

Im Mittelteil zieht sich die Handlung, ohne den grundlegenden Unterhaltungswert zu minimieren. Nur nach Sinnhaftigkeit sollte bei diesem herrlich bestussten Videotheken-Gold nicht gefahndet werden. Das zeigt sich vor allem, wenn die beschwerliche Reise Richtung Soldatenlager bewältigt ist und die US-Helden das Camp in bester MacGyver-Manier mit Sprengfallen und mechanischer MG-Unterstützung versehen. Der daraus resultierende Budenzauber lässt die Gegnerschaft blind in den Tod rennen, was zu adäquaten Benzinexplosionen (selbst bei Granatwürfen!) samt brennend umherfliegender Dummy-Unterkörper führt. Das ist alles so überzogen, dass der Showdown von „Phantom Kommando“ (1985) daneben glatt realitätsnah erscheint.

Punkten kann der vom bewährten Corey Yuen (inszenierte neben dem Erstling auch Klassiker wie „Above the Law“) gedrehte Streifen vorrangig bei den Martial-Arts-Sequenzen. Die pfeilschnelle Rothrock stiehlt dem Kollegen Avedon dabei mitunter die Schau. Doch auch er weiß seine Qualitäten – einschließlich sporadischer Mimikentgleisungen – sehenswert zu präsentieren. Nach objektiven Gesichtspunkten lässt sich ein Film wie „Karate Tiger 2“ unmöglich bewerten. Wer ihn früher liebte, wird sich auch heute noch packen lassen. Der Rest darf über zweckfremden Säusel-Pop, die Ausweidung einer Schlange zur Zubereitung regionaler Getränkespezialitäten und anderen Nonsens gern in Kopfschütteln verfallen. Daher greift auch in diesem Falle das verklärende Fazit: Solche Filme werden heute nicht mehr gemacht. Schade eigentlich.     

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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