Kalter Hauch – The Mechanik (USA 1973)

kalterhauchCharles Bronson drückt wieder ab. Anfangs ist es der Auslöser einer Fotokamera. Bald darauf wieder der Abzug einer Feuerwaffe. Viele Worte verliert er darüber nicht, lässt vorrangig die Gesichtszüge sprechen – stoisch, konzentriert, fokussiert. Er spielt den Mietmörder Arthur Bishop, ein Mann, präzise wie ein Uhrwerk. Nicht umsonst heißt der Film im Original „The Mechanic“. Der deutsche Verleih machte daraus „Kalter Hauch“. Gedreht hat ihn Michael Winner, unter dem Bronson später in drei „Death Wish“-Teilen Selbstjustiz predigte.

Auftragskiller Bishop unterscheidet sich nur unwesentlich von jenen Rollen, mit denen der Schauspieler später zur Eigenparodie im B-Actionsegment wurde. In den frühen Siebzigern aber war das noch neu, gerade bezogen auf die akribische Kaltblütigkeit, mit der dieser Antiheld Menschenleben beendet. Die ersten 15 Minuten geht er fast wortlos seiner Profession nach, observiert das nächste Opfer und bereitet den als Unfall getarnten Mord mit Fantasie und Einfallsreichtum vor. Danach soll er einen alten Freund umlegen, was ihn weder zögern noch hadern lässt. Es geht ums Geschäft, da sind Emotionen fehl am Platze.

Schauspielerisch bleibt der Film auf das Nötigste beschränkt. In die Tiefe geht es kaum, dafür pocht Winner zu sehr auf eine temporeiche Abhandlung des Plots. Dennoch schleichen sich Szenen ein, die in ihrer Stärke überraschen. Wie der Besuch Bishops bei einer scheinbaren Geliebten (Bronsons Gattin Jill Ireland, „Der Mordanschlag“), deren Sehnsucht ein Rollenspiel bleibt. Der Sex wird bezahlt, er geht seiner Wege. Als ihm nach einem plötzlichen Kollaps Angstzustände attestiert werden, vergegenwärtigen sich die Folgen des Alters. Der Killer benötigt einen Partner, einen Gehilfen. Er findet ihn in Steve („Airwolf“-Pilot Jan-Michael Vincent), dem verzogenen Sohn jenes kurz zuvor beseitigten Gefährten.

„The Mechanic“ wird seinem Titel gerecht. Der kühle Thriller entwickelt sich mit kalkulierter Routine, was wenig Überraschungen zulässt, da der sadistische Steve am Ende zwangsläufig zum Widersacher des seltsam heroisch aufgezogenen Bishop wird. Unter der Oberfläche aber offenbart der angestaubte Streifen ein Zeitgeistportrait der desorientierten Hippie-Generation. Erst im Schlussdrittel hält peppige Schlaghosen-Action Einzug, die in ihrer zeitgemäßen Inszenierung über ausreichend Retro-Charme verfügt. Seinem einst glänzenden Ruf hält der sehenswerte Film nicht vollends Stand. Das Psychoduell der Killer bleibt nur angedeutet. Partiell packend, von der Zeit aber sichtlich eingeholt.

Wertung: (7 / 10)

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