Kafkas – Paula (2010, Domcore)

kafkaspaulaThe Shape of Deutsch-Punk to Come?

Natürlich sind die KAFKAS nicht die ersten aus dem Lager des deutschsprachigen Punks, die dem musikalischen Knüppel abschwören. Vorboten dieser Entwicklung waren …BUT ALIVE, die Bands wie das Folgeprojekt KETTCAR erst möglich machten. Andere, unter ihnen MUFF POTTER, folgten. Die KAFKAS zelebrierten die Freude am Experiment spätestens mit ihrer 2008 vorgelegten „LD 50“-EP. New Wave-Anleihen, Synthie-Orgel, Tanzflächenfeeling – von Konventionen losgelöst waren die Zeichen des Aufbruchs unübersehbar.

Die Bekräftigung bringt „Paula“, das lang erwartete und noch länger angekündigte fünfte Album der Tierschutzaktivisten aus Fulda. „Klatscht in die Hände“, „Wenn es eine Hölle gibt“ oder das generalüberholte „Irgendwas ging schief“ blieben von „LD 50“ übrig. Bleibt ein Dutzend neuer Nummern, die zwischen melancholischer Tempoverweigerung („Deine Lippen Schweigen“) und hymnischem Vorwärtsgang („2000 Hände“) eine beachtliche Bandbreite offenbaren. Die KAFKAS genieren sich nicht bei „Leben ist gut“ die NDW zu streifen oder dem traditionellen Punk mit erwähnter Orgel eine lange Nase zu drehen.

Vorreiter sind sie damit zwar nicht, schließlich zeigten OHL schon in den Achtzigern, wie weit sich der Punk dehnen lässt. Dennoch wirkt „Paula“ erfrischend, mit enormer Spielfreude und beachtlichem Hitpotential. Textlich waren und sind die Osthessen ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Plakativen Parolen stellen sie intelligentes Gedankenschweifen entgegen. Über das Erwachsenwerden des Deutsch-Punk, wie es die oben genannten KETTCAR vorantrieben, reichen die KAFKAS hinaus, weil ihre Wurzeln bei aller Verspieltheit und stilistischen Variabilität oft genug greifbar bleiben. Pionierarbeit leistet die Band letztlich nur für sich selbst. Und doch darf die Platte auch als potentieller Blick in die Zukunft des (deutschsprachigen) Punk verstanden werden.

Wertung: (8 / 10)

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