John Carter – Zwischen zwei Welten (USA 2012)

john-carterTrivialheld John Carter mag „Zwischen zwei Welten“ stehen, sein Einstand als Leinwandfigur bleibt aber absolut irdisch. Bisweilen sogar unterirdisch. Das von Disney produzierte Fantasy-Abenteuer hat rund 250 Millionen Dollar verschlungen. Für ein klassisches Hollywood-Großprojekt sicher keine astronomische Marke, angesichts der überraschenden Qualitätslosigkeit des vorgestellten Endprodukts aber doch eine respektable Herausforderung. Denn um es kurz zu machen: Der immense Aufwand dieser verzichtbaren Blockbuster-Banalität steht in keinem Verhältnis zum verschwindend geringen Nachklang.

Nach der Jahrtausendwende wollte eigentlich Paramount die angestaubte Romanreihe von „Tarzan“-Erfinder Edgar Rice Burroughs verfilmen. Verschiedenen Skriptentwürfen und erfolglosen Regie-Neubesetzungen folgte schließlich die Veräußerung der Rechte an Disney, wo man bereits in den Achtzigern an einer Adaption gefeilt hatte. Als Regisseur drängte sich Andrew Stanton auf, der mit „Findet Nemo“ und „WALL•E“ zwei Animations-Meisterwerke für Pixar gedreht hatte. Der bekennende Fan der Vorlage wollte sein Realfilm-Debüt möglichst eng an der Vision Burroughs ausrichten. Im Wege standen ihm hölzerne Schauspieler und die altbackene Dramaturgie aus der Mottenkiste der Genre-Konfektionen.

Die 1912 eingeführte „John Carter of Mars“-Saga mag maßgeblicher Inspirationsquell für klassische Science-Fiction des Kalibers „Flash Gordon“, „Star Wars“, „Dune“, „Stargate“ oder „Avatar“ gewesen sein. Aber rechtfertigt das eine klischeeversetzte Standard-Mär, in der Bürgerkriegsveteran Carter (ausdruckslos: Taylor Kitsch, „The Bang Bang Club“) im späten 19. Jahrhundert vor Indianern in eine Höhle flieht und sich unverrichteter Dinge auf dem Mars wiederfindet? Die erzählerische Klammer braucht es nicht, sie bremst die Geschichte in ihrer Herleitung nur unnötig aus. Kaum besser wird es auf dem Mars, den die Einheimischen ehrfürchtig „Barsoom“ nennen.

Carter, der durch die veränderte Schwerkraft in Riesensätzen durch die unbekannte Welt springt, gerät erst an die Tharks, ein vierarmiges grünhäutiges Kriegervolk. Ein Wundertrank lässt ihn fremde Sprachen sprechen, ehe er sich wagemutig in den Kampf der schönen Prinzessin Dejah (bloß reizende Staffage: Lynn Collins, „X-Men Origins: Wolverine“) gegen Unterdrücker Sab Than (dürftig: „The Wire“-Star Dominic West) stürzt. Höhepunkte sind dabei rar gesät. Selbst das visuelle Brimborium der sich auf metallenen Beinen vorwärtsschleppendem Maschinenstadt oder den auf Sonnen- und Mondlicht gleitenden Fluggeräten werden nur bedingt eindrucksvoll in der Geschichte verankert.

Hier und da lädt Stanton dennoch zum Staunen ein, wenn riesenhafte Ungetüme aufeinander losstürmen oder die Panoramen des Mars in epischer Breite vor den Augen des Zuschauers auftauchen. Die mäßigen 3D-Effekte bleiben davon allerdings ungerührt. Da der Regisseur 2D bevorzugt, wurde nachträglich konvertiert. Ein weit kapitaleres Problem sind aber die lachhaften Dialoge, die selbst den durch Magier Matai Shang (Mark Strong, „Sherlock Holmes“) transportierten Schuss Rest-Mystik konterkarieren. So sehr Burroughs „John Carter“ das phantastische Genre auch beeinflusst haben mag, die weitgehend seelenlose Verfilmung wirkt mehr wie eine Resteverwertung namhafterer Epigonen. Mit solch einer Hypothek wird das Einspiel der Kosten sicher nicht leichter.

Wertung: (4 / 10)

scroll to top