James Bond 007: Stirb an einem anderen Tag (GB/USA 2002)

jamesbonddieanotherday„You see Mr. Bond, you can’t kill my dreams. But my dreams can kill you!“ – Ein wahrer Träumer: Graves

Zu Beginn seines vierten und zugleich letzten Auftritts als Meisterspion James Bond vergeht sogar dem unkaputtbar scheinenden Pierce Brosnan das Lachen. Nachdem er in Nordkorea den Sohn von Militärführer Moon (Kenneth Tsang, „The Killer“) unschädlich gemacht und dabei eine Menge Sachschaden angerichtet hat, wird er gefangen genommen und über Monate gefoltert. Doch dann lässt man ihn plötzlich frei, im Austausch gegen Moons brandgefährlichen Gefolgsmann Zao (Rick Yune, „The Fast and the Furious“). MI6-Oberin M (Judi Dench) ist wenig begeistert. Schließlich ist der Verdacht aufgekommen, Bond sei zum Feind übergelaufen und habe wertvolle Informationen preisgegeben.

So beginnt „Stirb an einem anderen Tag“, der insgesamt 20. offizielle Teil der Serie, deutlich ambivalenter als die drei übrigen Missionen mit Brosnans Beteiligung. Aber macht ihn das besser? Nicht unbedingt. Denn nach überzeugender erster Hälfte erschöpft sich die ernstere Note in zunehmend überkandidelter Action. Dabei hat 007 wieder ausreichend Zielwasser getrunken, um es auch mit Feinden in Armeestärke aufzunehmen. Der Einsatz von Surfbrettern oder einer Autoverfolgung im unsichtbaren Aston Martin auf Eis bringen zwar frischen Schwung, mäßig gelungene Computertricks und Bonds lächerliche Kitesurf-Einlage, um einen Gletscherbruch unbeschadet zu überstehen, trüben das Vergnügen bisweilen jedoch merklich.

Dafür bereichert Oscar-Preisträgerin Halle Berry („Monster’s Ball“) die Bond-Girl-Fraktion als amerikanische Agentin Jinx. Die darf zur Einführung wie einst Ursula Andress aufreizend dem Meer entsteigen und 007 fachgerecht den Kopf verdrehen, ehe sich die beiden in Bett und Kampfgetümmel näher kommen. Zuvor aber muss der unter Arrest gestellte Bond ausbrechen und ohne Doppelnull-Status und entsprechender Hilfe nach Kuba reisen, wo sich der ihn diskreditierende Kontaktmann Moons aufhalten soll. Vor Ort trifft er neben Jinx auch auf Zao, dessen Spur zum prominenten Jung-Unternehmer Gustav Graves (Toby Stephens, „Severance“) führt.

Der hat in Island Diamanten entdeckt und will die Welt mit einem Satelliten verbessern, der Sonnenlicht bündeln und in beliebiger Stärke auf die Erde reflektieren kann. Doch natürlich hat der vermeintliche Wohltäter Übles im Sinn und dass sich hinter Graves eigentlich der operativ unkenntlich gemachte Sohn Moons verbirgt, ist nur eine mäßig gelungene Wendung. Die öffentliche Präsentation des Satelliten vor dem eigens errichteten Eis-Hotel, in dem Bond mit Graves dem MI6 Informationen zuspielender Sekretärin Miranda Frost (Rosamund Pike, „Surrogates“) absteigt, gibt ausreichend Raum für Reibereien (mit Zao). Zum feurigen Showdown aber steht für Bond und Jinx die Rückkehr nach Nordkorea auf dem Plan.

Lee Tamahori („Auf Messers Schneide“) inszeniert das Spektakel mit Tempo, aber eben auch akutem Hang zu maßloser Übertreibung. Neben Brosnan war es auch für Moneypenny-Darstellerin Samantha Bond und Q-Ersatz John Cleese der letzte Einsatz. Erhalten blieb lediglich die Dench, die fortan in Daniel Craigs Präsenz mürrische Gesichter aufzog. Erwähnenswert ist, abseits des Auftritts von Michael Madsen („Reservoir Dogs“) als Jinx’ Vorgesetzter Damian Falco, der ungewöhnlich tanzflächenaffine Titeltrack von Pop-Star Madonna, die als Fechtlehrerin auch gleich noch einen Cameo-Auftritt absolviert. Hinter der pompösen Fassade allerdings zerfällt „Stirb an einem anderen Tag“ in zu viele belanglose Einzelteile. Brosnans Abschied blieb also durchaus verschmerzbar.

Wertung: (6 / 10)

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