James Bond 007: Octopussy (GB/USA 1983)

jamesbondoctopussy„Mr. Bond is indeed of a very rare breed… soon to be made extinct.“ – Wunsch statt Wirklichkeit: Kamal Khan

Im 13. von Albert R. Broccolis Eon Productions in die Kinos gebrachten Einsatz macht sich James Bond zum Clown. Und das gleich in doppelter Hinsicht. Im Zirkus der mysteriösen feministischen Schmugglerin Octopussy (trat in anderer Rolle bereits in „Der Mann mit dem goldenen Colt“ in Erscheinung: Maud Adams) schmeißt er sich für die Weltsicherheit zum Finale ins Spaßmacherkostüm – und klopft den Rest des Films am laufenden Band derart kalauernde Sprüche, dass man dem in die Jahre gekommenen Schelm Roger Moore in seinem vorletzten Einsatz für Krone und Vaterland glatt parodistische Absichten unterstellen könnte.

Aber wenn die Reihe doch sonst schon von jedem Realitätsgehalt befreit ist, kommt es auf den letzten Funken Ernsthaftigkeit eigentlich auch nicht mehr an. Dabei ist der von John Glen flott abgehandelte „Octopussy“ in Sachen Bedrohung für die (westliche) Welt einer der zahmeren Beiträge. Denn alles beginnt mit einem Fabergé-Ei aus der Zarenzeit, genauer einer Replik, die ein Kollege Bonds (009) aus besagtem Zirkus schaffte. Den Einsatz zahlt er am Ende einer wonnig inszenierten und grotesk angehauchten Menschenjagd (der Agent wird im Clownskostüm von einem Messerwerfer-Zwillingspaar durch den Wald gehetzt) aber mit dem Leben.

Bond spürt dem Ei nach und stößt schnell auf den afghanischen Kriminellen Kamal Khan (Lousi Jourdan, „Gigi“). Der macht für den durchtriebenen russischen General Orlov (durfte auch in „Rambo II“ den bösen Sowjet-Schurken geben: Steven Berkoff) Staatsschätze zu Geld und ersetzt diese durch Fälschungen. Mit dem so angehäuften Vermögen will der Kriegstreiber im Alleingang den Kalten Krieg erhitzen und mit einem vernichtenden Streich Europa einnehmen. Zunutze macht er sich dafür den Zirkus Octopussys, in deren Diensten auch Khan steht.

Nachdem Bond in Indien die Aufmerksamkeit des Unholds geweckt und sich u.a. während einer irren Verfolgungsjagd mit Tuk Tuks dessen Schergen gestellt hat, stattet er der allein von Frauen bewohnten Insel Octopussys einen Besuch ab. Die ist von Bond (natürlich) ganz hingerissen, so dass Khan vorerst klein beigeben muss. Doch die größte Gefahr lauert im geteilten Deutschland, wo Orlov durch die nichts ahnende Octopussy eine Atombombe auf eine US-Militärbasis schaffen und im Zirkus zünden will. Aber wo ein Bond ist, ist auch diesmal ein Weg. Wenn auch ein inhaltlich äußerst platter.

Denn der Plot ist so beliebig wie das Schurkenduo Khan und Orlov. Ihnen gegenüber steht aber ein Roger Moore, dem konstant der Schalk im Nacken sitzt. An seiner Statt sollte eigentlich James Brolin besetzt werden. Am Ende entschloss sich der amtsmüde Moore aber doch dazu, der Reihe die Treue zu halten. Ob es am direkten Duell mit Vorgänger Connery lag, der zeitgleich im inoffiziellen „Feuerball“-Remake „Sag niemals nie“ toupiert in seine Paraderolle zurückkehrte? Kommerziell hatte der Ur-Bond jedenfalls das Nachsehen. Ein Trost mag ihm sein, dass Kollege Moore die Klasse seiner ersten Auftritte kaum erreichte. Erst recht nicht in der unbestritten unterhaltsamen, im Gesamtkontext der Serie jedoch nur allzu banalen Kalauerparade „Octopussy“.

Wertung: (6 / 10)

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