James Bond 007: Leben und sterben lassen (GB 1973)

jamesbondliveletdie„Now you listen to me, trooper boy! We got a swamp full of black Russians drivin’ boats to beat the band down here.“ – Absurdität am Rande: Sheriff J.W. Pepper

Mit Roger Moore kam James Bond endgültig in den Neunzehnsiebzigern an. Die Gesellschaft hatte sich verändert und diesem Wandel sollte auch der tollkühne Doppelnull-Agent des britischen Geheimdienstes gerecht werden. Bevor es aber so weit kommen konnte, musste vorangestellt Ur-Bond Sean Connery ersetzt werden. Neben dem Amerikaner John Gavin, der bereits als Ersatz für George Lazenby in „Diamantenfieber“ verpflichtet werden sollte, waren auch Burt Reynolds und Robert Redford im Gespräch. Die Wahl aber fiel mit Moore letztlich doch auf einen Briten.

Für die Rolle im Gespräch war er bereits mehrfach gewesen. Nachdem er sich mit den erfolgreichen TV-Reihen „Simon Templar“ (1962-69) und „Die Zwei“ (1971-72) einen Namen gemacht hatte, schien sein Einsatz aber auch im Sinne des Publikums die richtige Wahl zu sein. Seinen Einstand gab er in „Leben und sterben lassen“, dessen Vorlage Ian Fleming bereits 1954 geschrieben hatte. Die Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman verordneten Bond eine Frischzellenkur und ließen ihn vor allem humoriger erscheinen.

Von etablierten Zügen, insbesondere dem geschüttelten Martini, wurde Abstand genommen. Statt ihm sollte es 007 plötzlich nach Bourbon verlangen und auch die Vorliebe für Zigaretten zugunsten einer dicken Zigarre ändern. Zudem durfte Bond den Auftrag vom Vorgesetzten M (wie gehabt: Bernard Lee) im eigenen Heim entgegen nehmen und das Mysterium seines Hintergrunds zumindest ein Stück weit offenbaren. Grund zum Eingreifen besteht, weil gleich drei Agenten in New York, Louisiana und auf der Karibikinsel San Monique ermordet wurden.

Auslöser ist Diplomat Kananga (Yaphet Kotto, „Alien“), der Amerika in Persona des mysteriösen Mr. Big mit Rauschgift überschwemmen will. Während er selbst auf die hellseherischen Fähigkeiten von Kartenlegerin Solitaire („Dr. Quinn“ Jane Seymour) setzt, hält er sein Verbrechernetzwerk durch Voodoo-Priester Baron Samedi (Geoffrey Holder, „Doktor Dolittle“) zusammen. Ebenfalls in seinen Diensten ist der mit einer Metallklaue versehen Hüne Tee Hee (Julius W. Harris, „Superfly“), der Bond das Leben wiederholt schwer machen soll.

Mit Unterstützung der unerfahrenen Agentin Rosie Carver (Gloria Hendry) und des altbekannten CIA-Agenten Felix Leiter (hier verkörpert von David Hedison, der die Rolle in „Lizenz zum Töten“ wiederholte) lüftet 007 das Geheimnis Kanangas und nimmt Jungfrau Solitaire ihre Kräfte durch Defloration! Wie auch sonst? Das von Ex-Beatle Paul McCartney und Gattin Linda geschriebene und von ihm auch selbst gesungene Titelstück „Live and Let Die“ wurde ein gigantischer Erfolg und sogar für einen Oscar nominiert. Derart meisterlich ist der von Guy Hamilton (u.a. „Goldfinger“) gedrehte Film als ganzes jedoch nicht.

Wenig rühmlich sind vor allem die Stereotypen, mit denen die Afro-Amerikaner überzogen werden. Und die Gegenüberstellung vom brutalen schwarzen Gangster Kananga und der fragilen weißen Jungfrau Solitaire hinterlässt doch einen bitteren Beigeschmack, den auch die ironisierte Darstellung des Redneck-Sheriffs J.W. Pepper (Clifton James) nicht vollends entkräften kann. Immerhin die Action kann sich sehen lassen. Sei es nun die üppige Bootsverfolgung oder Bonds Sprung über mehrere Krokodilrücken aus einer Reptilienfarm, den körperlichen Anforderungen ist Roger Moore jederzeit gewachsen. Ein zweiter Sean Connery wurde er trotz eigenem Charme jedoch nicht.

Wertung: (6 / 10)

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