James Bond 007: Goldeneye (GB/USA 1995)

jamesbondgoldeneye„What, no small-talk? No chit-chat? That’s the trouble with the world today. No one takes the time to do a really sinister interrogation anymore. It’s a lost art.“ – Beliebt auch in neuer Personalie zu scherzen: Bond

Mit Pierce Brosnan wurde James Bond zur emotionslosen Action-Marionette. Rein äußerlich war er eine Idealbesetzung, ernsthaft, aber unterschwellig verschmitzt und damit dem unerreichten Sean Connery näher als die drei zwischen ihnen liegenden Nachfolger. Allerdings wirkt der Ire meist wie eine Hülle, eine Idee des klassischen Spektakel-Kinos, die allein auf Klischees und unbeirrbarem Vorwärtsdrang fußt. Unterhaltsam ist das sicher und unbestritten mit einigen Schauwerten versehen. Aber eben auch seltsam steril und akut spannungsarm, weil es diesem Supermann im Auftrag des Weltfriedens doch stets gelingt, jeder Gefahr im Handstreich zu entgehen.

Seinen Einstand gab Brosnan in „GoldenEye“ (oder auch „Goldeneye“), der sechs Jahre nach „Lizenz zum Töten“ einen Neuanfang markierte. Wenn auch einen, der sich als lose Verknüpfung bewährter Formeln entpuppte. Aber die wurden immerhin ansprechend und mit gehöriger Feuerkraft serviert. Dafür Sorge trug Martin Campbell, der 11 Jahre später auch Daniel Craigs Einstand in „Casino Royale“ auf die Leinwand brachte. Er inszeniert Brosnan als überlebensgroße Ein-Mann-Armee mit bemüht spitzbübischem, aber ebenso dezent hölzernem Charme. Unter ihm schwingt Bond das Maschinengewehr wie einst der große politische Rechtsaußen John Wayne den Colt und nietet ohne je nachladen zu müssen haufenweise gesichtslose Russen um.

Damit nicht genug, holt 007 in einer der spektakulärsten Sequenzen des Films zu einer zerstörungsfreudigen Panzerfahrt durch Moskau aus. Aber alles der Reihe nach: Zum Auftakt verliert Bond den Doppelnull-Kollegen Alec Trevelyan alias 006 (Sean Bean, „Die Stunde der Patrioten“), als sie gemeinsam eine Chemiewaffenfabrik der Sowjets in die Luft jagen. Bond entkommt, Alec wird vom schurkischen General Ourumov (läutete eine Phase konstanter deutscher Beteiligung ein: Gottfried John, „Der Unhold“) hingerichtet. Wer in der Besetzungsliste allerdings an zweiter Stelle steht, dem ist so leicht wohl nicht beizukommen. Jahre später ist der Kalte Krieg Geschichte, der Argwohn gegenüber der gefallenen Supermacht Russland allerdings ungebrochen. Zumindest auf West-Seite.

In Monaco stellt Bond der russischen Pilotin Xenia Onatopp (klasse: Famke Janssen, „The Faculty“) nach, einem Zigarillo rauchenden Flintenweib mit sadistisch-sexueller Ader, die für die Verbrecherorganisation Janus tätig sein soll. Verhindern kann er jedoch nicht, dass sie mit einem Komplizen einen hochtechnisierten Hubschrauber stiehlt. Mit diesem entwenden Onatopp und Ourumov in Sibirien das Waffensystem GoldenEye, das elektromagnetische Pulswellen auslösen kann, die an beliebiger Stelle sämtliche elektronischen Geräte zerstören. Dabei hinterlassen sie Tod und Zerstörung, der einzig Programmiererin Natalya Simonova (Izabella Scorupco, „Vertical Limit“) entrinnt.

Über den CIA-Kontaktmann Wade (in „Der Hauch des Todes“ noch als Bösewicht unterwegs: Joe Don Baker) und den Ex-KBG-Agenten Valentin Zukovsky (wiederholte die Rolle in „Die Welt ist nicht genug“: Robbie Coltrane) kommt Bond Janus – und Drahtzieher Alec – auf die Spur. Dessen Motivation allerdings ist mit schnöder Rache am englischen Königreich recht dünn gestaltet und nachdem Bond mit Natalya auf Kuba die Geheimbasis des vernarbten Fieslings aufgespürt hat, steht einem explosiven Showdown nichts mehr im Wege. Aber wirklich aufregend ist nur die perfekt gestylte Action. Aber Brosnan, dem vor allem die Janssen die Schau stiehlt, behält trotz Steifheit stets die Oberhand. An den Charme früherer Bond-Filme knüpfte er damit nicht an.

Wertung: (6 / 10)

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