James Bond 007: Die Welt ist nicht genug (GB/USA 1999)

jamesbondworldnotenough„There’s no point in living if you can’t feel alive.“ – Trauer muss Elektra tragen

In seinem dritten Einsatz als James Bond darf Pierce Brosnan endlich auch mal ein überraschtes Gesicht auflegen. Wenn er in Bilbao zum Auftakt einen kriminellen Banker und dessen Gefolgschaft ausschaltet, sieht er sich plötzlich einem Handlanger gegenüber, der seine Waffe auf ihn gerichtet hat. Aber es ist nicht an Bond selbst, sich dieser vermeintlich ausweglosen Gefahrsituation zu entziehen, sondern die Rettung erfolgt durch eine unbekannte Attentäterin. Die ist nach einem folgenschweren Anschlag auf die MI6-Zentrale in London noch für eine Bootsverfolgung auf der Themse gut, bei der standesgemäß einiges zu Bruch geht – und die in ihrer humorigen Übertreibung an die Auftritte Roger Moores erinnert.

Doch ungeachtet dieser leicht übermütigen Note wird Brosnans supraresistente Übermenschlichkeit auch dadurch konterkariert, dass er den Auftakt nicht unbeschadet übersteht. Bei besagtem Attentat auf das Geheimdienstbüro wird der Öl-Industrielle King mit einer perfiden Bombenkonstruktion getötet. Weil Bonds Vorgesetzte M (Judi Dench) auch dessen Tochter Elektra (Sophie Marceau, „Braveheart“) in Gefahr wähnt, soll 007 sie beschützen. Als Urheber des Angriffs wird Terrorist Renard (Robert Carlyle, „Trainspotting“) ausgemacht, dem eine Kugel im Kopf steckt, die ihn langsam tötet, jedoch auch gegen Schmerzen unempfindlich macht.

Für Bond also ein Gegner auf Augenhöhe und mehr noch einer, der ihn für seine Zwecke einzusetzen weiß. Das verdutzte Gesicht am Anfang bleibt also kein Einzelfall. Aber Elektra, die an ihres Vaters statt den Bau einer Pipeline im kaspischen Meer vollendet, denkt nicht an Deckung. So bedarf es erst eines von 007 bewährt abgewehrten Angriffs im Schnee, ehe auch sie den Ernst der Lage begreift. Dabei darf die Marceau beweisen, dass Bond-Girls mehr sein dürfen als hübsche Kleiderständer. Sie verleiht der gebrochenen Elektra charakterliche Tiefe, was von Denise Richards‘ („Wild Things“) überzogener und bescheuert benannter Atomphysikerin Dr. Christmas Jones wahrlich nicht behauptet werden darf.

Deren Shorts sind in etwa so knapp bemessen wie Richards‘ schauspielerisches Talent. Aber eine Frau an des Meisterspions Seite genügt eben nicht. Auf sie trifft Bond in Kasachstan, wo Claude-Oliver Rudolph („Alles nur Tarnung“) in einer Nebenrolle wieder für deutsche Beteiligung sorgen darf. Vor Ort trifft er auch Renard, der einen atomaren Sprengkopf in seine Gewalt bringt und gedenkt, den Bosporus zu verstrahlen. Bis der wahre Drahtzieher enttarnt ist, darf Bond auch mal wieder kaltblütig töten und Waffenmeister Q (Desmond Llewelyn in seiner letzten Rolle) seinen von Monty Python-Gründer John Cleese gespielten Nachfolger vorstellen. Wenn auch mit mehr Slapstick als erforderlich.

Ein Wiedersehen gibt es auch mit Robbie Coltranes schrulligem Russen-Mobster Valentin Zukowsky. Die Nebendarsteller stehlen Brosnan bisweilen die Schau, was auch daran liegt, dass Carlyle eher ein Standard-Bösewicht, wenn auch in ungewöhnlicher Aufmachung, bleibt. Inszenatorisch allerdings übt sich Michael Apted („Halbblut“) in mehr Zurückhaltung als seine Vorgänger, was vor allem beim Showdown im U-Boot verdeutlicht wird. Reibungsfrei fügen sich die vor allem in der Tonalität verschiedenen erzählerischen Elemente trotzdem nicht zusammen. Doch ungeachtet einiger – gemessen an Richards schwacher Performance gar erheblicher – Abstriche bleibt der letzte Bond des alten Jahrtausends dennoch Brosnans bester.

Wertung: (6,5 / 10)

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