Jack and the Giants (USA 2013)

jackandthegiantsMit „Jack the Giant Slayer“ wird das klassische – in unseren Breiten als „Hans und die Bohnenranke“ bekannte – britische Märchen in einen zeitgemäßen Blockbuster übersetzt. Der deutsche Verleih änderte den Titel der Verständlichkeit halber in „Jack and the Giants“. Wer will seinen Kindern schon einen Film zumuten, der den Helden gleich als Riesentöter ausweist? Eine Eindeutschung (etwa „Jack und die Riesen“) schien womöglich zu zahm. Denn Bryan Singers effektreiches Fantasy-Abenteuer, an dessen Drehbuch auch Singers Freund Christopher McQuarrie (gemeinsam arbeiteten beide bereits bei „Die üblichen Verdächtigen“ und „Operation Walküre“) schrieb, ist mehr Jugend- als Familienfilm und für jüngere Semester eine Spur zu brutal geraten.

Der Spagat ist eben kein leichter – und in diesem Falle wohl auch mitverantwortlich für das kolossale Scheitern an den Kinokassen. Bei rund 200 Millionen Dollar Produktionskosten spielte der Film in den USA kaum mehr als 65 Millionen wieder ein. Aber die Qualität eines reinen Unterhaltungsvehikels sollte nicht an kommerziellem Erfolg oder Misserfolg festgemacht werden. Denn obwohl die im Titel verankerten und mit Hilfe des Motion Capture-Verfahrens allesamt am Rechner entstandenen Giganten – deren zweiköpfiger Anführer wird im Original von Bill Nighy („Radio Rock Revolution“) und John Kassir, der Stimme des Crypt Keepers aus den „Tales From the Crypt“ gesprochen – recht künstlich wirken, sorgen die mit manchem Aha-Effekt versehenen Tricks für einiges Erlebnispotenzial.

Die Story hinkt diesen Schauwerten fast zwangsläufig hinterher. In deren Mittelpunkt steht Bauernspross Jack (Nicholas Hoult, „A Single Man“), der in der Stadt eigentlich ein Pferd verkaufen soll, dieses jedoch gegen ein paar Zauberbohnen eintauscht. Der Ärger ist groß, noch größer ist allerdings die gewaltige Ranke, die aus einem der beim nächsten Wolkenbruch ausreichend benetzten Samenkörner wächst. Zusammen hängt alles mit einem über den Wolken hausenden Riesenvolk, das von einem tapferen König dereinst besiegt wurde und einzig durch eine magische Krone in Schach gehalten wird. Da Isabelle (Eleanor Tomlinson, „Alice im Wunderland“), Tochter des aktuellen Regenten Brahmwell („Deadwood“-Fiesling Ian McShane), aber mit dem Riesengewächs in die Höhe geschossen ist, wird rasch ein Rettungstrupp zusammengestellt, dem auch Jack beiwohnt.

Der hatte Isabelle in der Stadt gegen eine Gruppe Wüstlinge beigestanden und damit ihre Neugier geweckt. Dass sie in jener stürmischen Nacht ausreißt – schließlich soll sie den heimlich am Sturz des Königs feilenden Lord Roderick (Stanley Tucci, „Die Tribute von Panem“) heiraten – an Jacks Tür klopft, ist jedoch purer Zufall. Aber so ist das im Märchen. Aus der Bohne wird die Ranke, aus dem Bauernsohn ein Prinz. Dafür gilt es aber erst ins Reich der Riesen vorzudringen, was Jack bald den Respekt von Elmont (Ewan McGregor, „Beginners“), Anführer der königlichen Leibgarde, einbringt. Durch Roderick gelangen die barbarischen Giganten bald in den Besitz der magischen Krone – und schicken sich an, die unter ihnen liegende Welt zu erobern.

Wer sich da am Ende zum Retter von Reich und Königstochter aufschwingt, ist sonnenklar. Aber anders als manch anderer Blockbuster (siehe „Lone Ranger“) der Saison versucht „Jack the Giant Slayer“ nicht mehr vorzugaukeln, als die klassische Geschichte hergibt. Actionreich und kurzweilig, dazu mit humorigen Einschüben versehen, nimmt der Film seinen absehbaren Lauf und vertreibt über zwei Stunden auch Erwachsenen gut die Zeit. Darstellerisch ist abseits der Jungstars weitgehend Routine angesagt (McShane, Tucci), nur der durch „Star Wars“ Bombast-erprobte McGregor geht seine Nebenrolle mit sichtlicher Entspannung an. Groß wie die Riesen ist der Nachklang dieses munteren Fantasy-Märchens zwar nicht, beachtlichen Unterhaltungswert weist der gescholtene Mega-Flop trotzdem auf.

Wertung: (6 / 10)

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