J.D.’s Revenge – Rache aus dem Jenseits (USA 1976)

„Ain’t nothing wrong with my soul.“ – Ike
Die Blaxploitation-Welle der 1970er hat auch den Horrorfilm ergriffen. Dabei sind „Blacula“ (1972) und „Blackenstein“ (1973) nicht allein deutliche Anlehnungen an die Klassiker der Universal-Ära, sie bedienen mit „Die schwarzen Zombies von Sugar Hill“ (1974) zudem trashige Unterhaltungsbedürfnisse. „J.D.’s Revenge“ – oder in der deutschen Variante: „Rache aus dem Jenseits“ – ist anders. Der von Blaxploitation-Veteran Arthur Marks („Friday Foster“, „Bucktown“) produzierte wie gleichwohl inszenierte Mystery-Grusler bleibt insgesamt ernster und nimmt in seinen Grundzügen den ein Jahr später gefertigten „Ruby“ vorweg.
Den Weg in die Besessenheit durch einen rachsüchtigen Geist ebnet ein verschwommener Prolog: 1942 wird die Schwester (Alice Jubert, „Friday Foster“) von Gangster J. D. Walker (David McKnight, „Alarmstufe: Rot“) in einem Schlachthof ermordet. Als er die Leiche findet, wird er für den Täter gehalten und erschossen. Diesem durchaus stilvoll bebilderten Auftakt mit seinem leuchtenden Ketchup-Blut folgt der Sprung in die Gegenwart. In New Orleans will der sportliche Ike (Glynn Turman, „The Wire“) Anwalt werden. Während eines Amüsierabends mit Lebensgefährtin Christella (Joan Pringle, „The White Shadow“) gerät er auf die Bühne einer Hypnotiseurin. Dabei fährt der rachsüchtige Geist Walkers in ihn.
In der Folge überkommen Ike verstörende Erinnerungsfragmente des Toten aus der Mordnacht. Damit nicht genug, beginnt er sich zu verändern. Zunächst überkommt ihn der Drang, sich wie Walker zu kleiden; breitkrempiger Hut inklusive. Dazu wirkt er immer leichter reizbar und mehr noch gewalttätig. Das bekommt auch Christella zu spüren. Ein Arzt rät ihm zwecks Stressbekämpfung den Konsum von Marihuana. Solch gut gemeinte Ratschläge finden ihren zum Stirnrunzeln einladenden Höhepunkt, wenn Ike, nachdem er Christella misshandelt hat, Lob von einem Freund erhält:
„I think it’s a good thing to go upside of a woman’s head when she starts handing you lip. Believe it or not, they like that. … You have got to go into your nigger act on ‚em once in a while.“
Dass Ikes Betragen zunehmend extreme Züge trägt, fällt in seinem Umfeld erst spät auf. Aber so kann er, als J.D. mehr und mehr die Oberhand gewinnt, unbemerkt ins Leben der Bliss-Familie eintauchen. Dass die unmittelbar an den einleitenden Morden beteiligt war, erfährt das Publikum gleich zu Beginn. Nur in welchem Maße Ex-Gangster Theotis (Fred Pinkard, „Rocky II“) und sein als Prediger zur Religion gefundener Bruder Elija (Oscar-Preisträger Louis Gossett Jr., „Ein Offizier und Gentleman“) in die Angelegenheit verstrickt sind, klärt sich erst am Ende, zu dem J.D. passenderweise in den alten Schlachthof lädt. Dabei spielt auch Roberta (ebenfalls Jubert) eine Rolle, die Tochter von J.D.s Schwester.
Handwerklich rangiert „J.D.‘s Revenge“ merklich über dem Schnitt der übrigen Blaxploitation-Horrorausflüge. Dank dem ausdrucksstarken Turman und der momentweise intensiv aufspielenden Pringle bleibt der Besessenheitsplot auch schauspielerisch sehenswert. Allerdings löst das Drehbuch die unheilige Verbindung von Ike und J.D. am Ende doch überraschend zahm auf. Selbst Polizist Carl (James Louis Watkins alias Julian Christopher, „McQ“), Christellas Ex-Mann, der Ike für einen brutalen Schläger hält, schluckt die übersinnliche Rachegeschichte ohne echte Zweifel. Ein Juwel ist der Streifen damit insgesamt kaum. Gute Unterhaltung nach altschulischer Machart ist trotzdem garantiert.
Wertung:
(6 / 10)
