Ironclad (GB 2011)

ironcladDie menschliche Historie ist mit Blut geschrieben. Das Erscheinungsbild der heutigen Welt ist einer Vielzahl meist gewaltsamer Umstürze und Umbrüche geschuldet. Von der Antike über das Mittelalter und die Renaissance bis in die Gegenwart verschoben und verschieben sich Machtverhältnisse und territoriale Grenzen. In der Zeit von Weltwirtschaft und globaler Abhängigkeit zwar nicht mehr flächendeckend, darüber aber gewiss nicht weniger kriegerisch. Das heute im gestern beschwören gern auch Filmemacher. Ob in Kino oder TV, der Rückblick in die Geschichte hat eigentlich immer Konjunktur.

Waren es früher häufig Aufbereitungen der (Welt-)Kriege des 20. Jahrhunderts, hat zu Beginn des dritten Jahrtausends die Betrachtung früherer Epochen an Marktwert gewonnen. Im Fernsehen sind es Formate wie „Rome“, „Tudors“ oder „Borgias“, die die Vergangenheit über Ränkespiele und Intrigen im Schatten der Macht nach dramaturgischem Muster der Moderne zu neuem Leben erwecken. Im Kino hingegen geht es oft archaischer und weniger elegant zu, wobei edlen Kostümdramen wie „Elizabeth“ spekulativ actionbetonte Männerspektakel wie „Centurion“ gegenüber stehen.

In die Kerbe des Letztgenannten schlägt auch Jonathan Englishs („Minotaurus“) wuchtiges Schlachtengemälde „Ironclad“, das mit namhafter Besetzung und wenig ausgeprägtem Hang zu historischer Genauigkeit ein unterhaltungsbetontes und offensiv blutrünstiges Abenteuer präsentiert. Dessen Wurzeln liegen in der teilweisen Entmachtung King Johns begründet, der mit Implementierung der Magna Carta im Jahre 1215 in seiner Machtbefugnis zugunsten einer einheitlichen Gesetzgebung beschnitten wurde. Den Aufstand der Barone, die sich seiner Willkürherrschaft erfolgreich widersetzten, ließ der König aber nicht auf sich sitzen.

Im Film wird der gnadenlose Regent von Paul Giamatti („Sideways“) zwar ohne britischen Akzent, dafür mit beeindruckend sardonischer Ader verkörpert. Mit Segen des Vatikans und Unterstützung eines dänischen Söldnerheeres (angeführt von Vladimir Kulich, „Der 13. Krieger“) vernichtet John jeden, der ihn zwang die Magna Carta zu unterzeichnen. Zufällig in den Kampf verstrickt wird (Ex-)Templer Thomas Marshal (James Purefoy, „Solomon Kane“), der sich Baron De Albany (Brian Cox, „Braveheart“) und einer eilig zusammengetrommelten Gruppe furchtloser Krieger (u.a. Jason Flemyng, „Kampf der Titanen“) anschließt, die den Vormarsch des Königs durch die Verteidigung der strategisch bedeutsamen Festung Rochester aufhalten soll.

Mit 20 Mann gegen eine Armee. Der Plot wirkt altbekannt, aber Englishs straffe Regie und die ansehnlichen Darstellerleistungen gestalten das wuchtige Mittelalter-Spektakel konstant packend. Mit der zögerlichen Romanze zwischen Thomas und Isabel (Kate Mara, „127 Hours“), der jungen und seltsam emanzipierten Gemahlin des alten Burgherren, wird allerdings etwas bemüht auf Emotion gepocht. Die Figuren, die selbst nach Monaten der Belagerung keine Zeichen von Ausmergelung zeigen, bleiben bestenfalls grob gezeichnet und stehen hinter den selbstzweckhaft grausamen Schlachtgetümmeln deutlich zurück. Aber selbst wenn die Charaktere blass bleiben und die Erzählung keine Neuerung bietet, so bleibt „Ironclad“ doch ein kraftvoller historisch angelehnter Blutrausch.

Wertung: (6,5 / 10)

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