Iron Man 2 (USA 2010)

iron-man-2Superhelden im Licht der Öffentlichkeit sind selten. Meist bleiben die Weltenretter geheime Existenzen im Schatten einer nach Hilfe schreienden Gesellschaft. Iron Man ist anders. Am Ende seines überraschend erfolgreichen Leinwandeinstandes offenbarte der narzisstische Rüstungsmagnat Tony Stark der verblüfften Presse, er sei der Ritter in strahlender High-Tech-Rüstung. Teil zwei des Comic-Spektakels knüpft nahtlos an den Vorgänger an. Regie führte wiederum Jon Favreau („Zathura“), der als Starks Leibwächter/Chauffeur auch vor der Kamera agiert. Gemessen an der Schwierigkeit einer Fortsetzung machen Favreau und Autor Justin Theroux („Tropic Thunder“) vieles richtig. Nur vergessen sie beizeiten die Menschen hinter den Spezialeffekten.

Robert Downey Jr. („Sherlock Holmes“), der im Erstling nach überwundener Alkohol- und Drogensucht ein furioses Comeback feierte, läuft als Exzentriker Tony Stark neuerlich zu Höchstform auf. Im Stile klassischer Screwball-Komödien verstrickt er sich in launige Wortgefechte mit Assistentin Pepper Potts (Gwyneth Paltrow, „Shakespeare in Love“) und lässt sein Ego mit gestriegelter Arroganz (und dem fliegenden Roboter-Anzug) in ungeahnte Höhen vorstoßen. Selbst vor einem Ausschuss, der ihn zwingen will seine bahnbrechende Erfindung mit dem Militär zu teilen, bleibt Stark der smarte Possenreißer und behauptet, er habe erfolgreich den Weltfrieden privatisiert. Seinem Hochmut folgt jedoch zwangsläufig ein tiefer Fall.

Im Bestreben, den Vorgänger nach einem Regelwerk des „höher, schneller, weiter“ zu überbieten, verzetteln sich die Macher. Die angehäuften Probleme sind vielseitig, erzählerisch aber eher ungelenk verknüpft. Neben Waffenproduzent Hammer (herrlich überdreht: Sam Rockwell, „Frost/Nixon“), der die moderne Kriegsführung mit Iron Man-Anzügen in Serie revolutionieren will, tritt ihm der verlotterte russische Physiker Ivan Vanko (Mickey Rourke, „The Wrestler“) entgegen. Dessen Vater wurde von Starks Erzeuger einst um jene Kraftquelle betrogen, die Tony und seiner Rüstung als Antrieb dient. Also schweißt sich Vanko ein Duplikat zusammen und lässt der Zerstörungswut mit elektrischen Peitschen freien Lauf.

Der Diebstahl geistigen Eigentums wird ebenso clever in den Plot eingebracht wie die Verflechtung wirtschaftlicher Interessen. Nur geht der ansprechende Subtext im Getöse bombastischer Action weitgehend unter. Vanko bleibt nur eine Randfigur, in deren Rolle Rourke grimassiert, was das gestraffte Antlitz noch hergibt. Den größten Kampf muss Stark indes mit sich selbst führen. Der hochtechnisierte Herzschrittmacher in seiner Brust hält ihn am Leben und tötet ihn zugleich. Ein Ersatz muss her, für dessen Entwicklung sich der Held mit dem toten Vater versöhnt. Den überflüssigsten Konflikt gilt es schließlich mit Freund Rhodey (als Ersatz für Terrence Howard: Don Cheadle, „L.A. Crash“) auszutragen, der Iron Mans Ersatzrüstung entwendet und sie dem Militär zugänglich macht.

Ohne Frage, „Iron Man 2“ macht Spaß. Doch es bleibt ein Vergnügen mit wohlwollenden Abstrichen. Das Gastspiel von Scarlett Johannson („Die Insel“), die sich an der Seite von Samuel L. Jacksons („The Spirit“) Nick Fury als Black Widow entpuppen und reihenweise Wachmänner aufs Kreuz legen darf, dient lediglich als Vorgeschmack auf weitere Marvel-Adaptionen. Dort zeigt sich auch das größte Problem des Films, der die Vielzahl an Figuren und aufgeworfenen Querelen nur unzureichend in einer flüssigen Geschichte zu bündeln versteht. Im Finale schlägt dann die Stunde der CGI-Roboterkrieger, die den menschlichen Protagonisten den Rang ablaufen und sich mit viel Getöse die Metallkörper verbeulen. Vollends gelungen ist dies zweite Kinoabenteuer nicht. Dank ausreichend Charme und Spielfreude tröstet es jedoch über die inhaltlichen Schwächen hinweg.

Wertung: (6,5 / 10)

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