Invisible – Gefangen im Jenseits (S 2002)

invisible-gefangen-im-jenseitsGeister sind unter uns. Sie suchen uns heim, klagen ihr Leid und flehen um Erlösung. In Kino und TV sind sie feste Zaungäste, nur will all den Filmschaffenden kaum mehr neues zu ihrem zwischenweltlichen Wirken einfallen. Auch dem Regie-Duo Joel Bergvall und Simon Sandquist („Possession“) nicht, die ihr ambitioniertes Mystery-Drama „Invisible“ an der Schnittstelle von „Ghost“ und „The Sixth Sense“ ansiedeln. Die schwedische Low Budget-Produktion versucht die Klischees eines Genres zu umgehen, das sich durch stete Wiederholung zunehmend der Belanglosigkeit aussetzt. Auf dem Papier geht diese hehre Intention auf. Ein komplett überzeugender Film kommt dabei dennoch nicht heraus.

Den Langfilmdebütanten Bergvall und Sandquist ist kaum ein Vorwurf zu machen. Sie wollen das Besondere im Schlichten, die Verbindung von nachvollziehbaren Alltagsproblemen und Übersinnlichkeit. Das Problem liegt zu gewissen Teilen in ihrer Umsetzung, mehr noch aber in der holprigen Dramaturgie der Skriptadaption von Mats Wahls Buchvorlage, die bei all ihren aufgesetzt wirkenden Verstrickungen nicht selten den Beigeschmack eines trivialen Fernsehspiels verbreitet. So bleibt abseits des guten Willens eines bemüht vielschichtigen Filmwerks nicht viel mehr übrig als kreativer Leerlauf.

Die Geschichte dreht sich um den intelligenten Einzelgänger Niklas (Gustaf Skarsgård, „Evil“), der ins Visier der kriminellen Schulchaotin Annelie (Tuva Novotny, „Die Rückkehr des Tanzlehrers“) gerät. Mit ihrem Geliebten, der sie anonym bei der Polizei verpfeift, hat sie kurz zuvor einen Juwelier überfallen. Sie verdächtigt Niklas der Denunzierung und lauert ihm nachts mit ihren Kumpanen auf. Er wird brutal zusammengeschlagen und, als er sich nicht mehr regt, vermeintlich tot im Wald versteckt. Als er am nächsten Tag die Schule betritt, scheint ihn niemand wahrzunehmen. Zu seinem Entsetzen muss Niklas erkennen, dass er als Geist zwischen den Sphären von Leben und Tod wandelt. Doch würde genau das bedeuten, dass sein geschundener Körper noch Leben in sich trägt. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt

Der Plot hat seinen Reiz, wenn die Figuren auch in weiten Teilen blass bleiben. Gleiches gilt für die Schauspieler, die sich zwar redlich mühen, den Eindruck dramatisierter Darbietungen jedoch kaum entkräften können. Verzweifelt versucht sich Niklas bemerkbar zu machen, doch ist ausgerechnet Annelie die einzige, die seine Rufe zu vernehmen scheint. Er folgt ihr und blickt dabei hinter die Fassade der harten Kleinkriminellen, der die zerrüttete Familie und der Tod der Mutter spürbar zu schaffen machen. Unterdessen bleiben Suchaktionen der Polizei ohne Erfolg. Jemand muss den leblosen Körper an anderer Stelle versteckt haben.

Als Independent-Film macht „Invisible“ durchaus etwas her. Die Regisseure stellen ihr Talent durch eine stimmige Atmosphäre und gemessen an den Produktionsverhältnissen einfallsreiche Optik unter Beweis, versäumen es aber die Mischung aus Mystery und Sozialtragödie so auszubalancieren, dass die zunehmenden Wendungen frei von Klischees bleiben. Das Ende gibt sich bemüht unsentimental, die Erzähltonart bewusst distanziert. Ein Hauch von Kitsch umweht das Finale dennoch, wenn ausgerechnet die verkorkste Annelie die trauernde Mutter und den geisterhaften Sohn versöhnt. Nicht schlecht, aber auch nicht wirklich gut.

Wertung: (5 / 10)

scroll to top