Into the Badlands (Season 1) (USA 2015)

So schlimm sehen die Badlands gar nicht aus. Überall grünt es, die Sonne scheint und Fliegen summen friedlich um tote Körper herum. Na gut, der letzte Punkt steht der idyllischen Anmutung des US-amerikanischen Südens einer unbestimmten Zukunft eher hinderlich entgegen. Aber wir befinden uns in der Post-Apokalypse und da regiert bekanntlich das (Faust-)Recht des Stärkeren. Was den Kollaps von Rechtsstaat und Demokratie in „Into the Badlands“ bewirkt hat, bleibt offen. Dafür erörtert die einleitende Off-Erzählung in wenigen – und einmal mehr wenig sinnstiftenden – Sätzen die Komplexität der neuen Ordnung.

Die Macht über die Badlands teilen sich sieben Barone, die ihren Stand durch elitäre Kämpfer, sogenannte Clipper, wahren. Schusswaffen sind aus dieser Welt verbannt worden. An ihrer statt traten Martial-Arts und Schwerter. Bereits daran lässt sich ermessen, woher die von Alfred Gough und Miles Millar („Smallville“) geschaffene Serie ihre hauptsächliche Inspiration erhält: aus dem asiatischen Kino der 70er bis 90er Jahre. Neben dem fernöstlichen Filmfundus, der von Swordsplay- über Karate- bis hin zu Manga-Motiven reicht, vereint der wilde Stilmix auch Anleihen beim Western- und (natürlich) Endzeit-Genre. Das lässt Actionlast und akute Flachheit vermuten. Der zu gleichen Teilen von David Dobkin („Shanghai Knights“) und Guy Ferland („The Shield“) gedrehten sechsteiligen Auftaktstaffel würde man mit dieser (nicht vollends falschen) Einschätzung jedoch kaum gerecht werden.

Zu Beginn darf Sunny (auch Produzent: Daniel Wu, „The Man With the Iron Fists“) beweisen, warum er der gefürchtetste Clipper seiner Zeit ist. Im Niemandsland spürt er eine Gruppe ungewaschener Nomaden auf und zerlegt sie mit Handkante und scharfer Klinge. Die Kampfszenen erscheinen – insbesondere für US-amerikanische Verhältnisse – temporeich und visuell betont stilisiert, wobei die Härte der hochglänzend comichaften Gewalt streckenweise überrascht. In einer Kiste entdeckt Sunny den jungen M.K. (Aramis Knight, „Ender’s Game“), den er mit ins Fort von Baron Quinn (Marton Csokas, „The Equalizer“) nimmt. Ein Medaillon, das der Junge bei sich trägt, erregt die Aufmerksamkeit des Clippers. Denn er besitzt einen Kompass, der dieselbe in Metall gefasste Anmutung einer Stadt aufweist. Sie verheißt ein freies Leben außerhalb der Badlands, fernab der zersetzenden Loyalität zum Herrschaftssystem der Barone.

Was Sunny nicht ahnt: M.K. verfügt über besondere Kräfte.  Eine ihm beigebrachte blutende Wunde führt dazu, dass sich seine Augen schwärzen und er zu einer emotionslosen Kampfmaschine mutiert. Diese Fähigkeiten will sich die Witwe (Emily Beecham, „28 Weeks Later“) zunutze machen, um das männliche Patriarchat auszumerzen. Sie hat ihren Mann, selbst Baron, getötet und ringt um die Anerkennung der anderen Anführer. Deren mächtigster ist Quinn, der vor den Toren seiner Festung mit Plantagen-Charme Mohn für die Opiumproduktion anbauen lässt. Nur ist er dafür auf Öl angewiesen, dass ausgerechnet von der Witwe und ihrer Gefolgschaft geliefert wird. Entsprechend zögert er, die offene Konfrontation zu suchen. Sein unerfahrener Sohn Ryder (einziger Besetzungsschwachpunkt: Oliver Stark, „Underworld: Blood Wars“) sieht das anders und beschwört durch eigenmächtige Versuche, die Witwe auszuschalten, einen Krieg herauf.

Ergänzt wird das Figurengeflecht durch Quinns erste Gattin Lydia (Orla Brady, „American Odyssey“), Ryders Mutter. Sie sieht ihren Einfluss schwinden, als der Baron die junge Jade (Sarah Bolger, „Once Upon a Time“) zur zweiten Frau nimmt. Sunny wird in Gewissenskonflikte gestürzt, als seine Geliebte, die Ärztin Veil (Madeleine Mantock, „Edge of Tomorrow“), schwanger wird. Da Clippern die Gründung einer Familie untersagt ist, plant er mit ihr die Flucht aus den Badlands. Der Schlüssel dazu ist M.K., der seinerseits Gefühle für Tilda (Ally Ioannides, „Parenthood“) hegt, eine der kampferprobten „Töchter“ der Witwe. So streben die verschiedenen Fehden ihrer blutigen Eruption entgegen, die jedoch lediglich als Weichenstellung für die zweite Staffel fungiert. Nebendarsteller wie Stephen Lang („Don’t Breathe“), Lance Henriksen („Harbinger Down“) oder Cung Le („Dragon Eyes“) runden das Geschehen mehr oder weniger gehaltvoll ab. Doch auch wenn „Into the Badlands“ keine Maßstäbe setzt, bietet die Amerikanisierung des Easterns ansprechend erzählte und ansehnlich retrofuturistisch gestaltete Actionunterhaltung, bei der genug dramaturgisches Potenzial gegeben ist, um auch ein breiteres Publikum anzusprechen.

Wertung: (7,5 / 10)

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