Interview mit Run, Melos! (Mai 2015)

run-melos-badezimmerbildWie wäre es zum Auftakt mit einer kurzen Vorstellung? Also wer seid ihr, was treibt ihr und… ach ihr wisst schon.

Klar, gerne. Wir sind RUN, MELOS! aus Hannover und Hildesheim, spielen Pop-Punk mit genau soviel Rumms dahinter, dass einige zartbesaitete Arbeitskollegen die Musik schon als „Geschrei” bezeichnen, aber auch soviel Melodie dabei, dass uns Fans von Hard- oder Metalcore noch als „Musik für kleine Mädchen” abtun würden. Das Schlimmste aus zwei Welten sozusagen.

Vielleicht ist es ein Vorurteil, aber Pop-Punk erwartet man nicht zwingend, wenn eine Band im DIY-Segment um die Ecke kommt. Ist RUN, MELOS! euer Beitrag zur Entkommerzialisierung des Genres?

Um ehrlich zu sein, war es bei uns nicht einmal eine bewußte Entscheidung, wirklich Pop-Punk zu spielen. Wir hatten uns ursprünglich das Ziel gesetzt, deutlich stärker in den Post-Hardcore-Bereich zu gehen. Allerdings ist im Songwriting immer mehr oder weniger Pop-Punk herausgekommen, so dass wir die Richtung einfach beibehalten haben. Man könnte jetzt positiv sagen, es hat sich organisch gefunden oder negativ, unser Stil sei eigentlich ein Unfall gewesen. Vielleicht liegt es allerdings auch daran, dass wir die Band nach nur einem Jahr Gitarrenunterricht gegründet haben und wir nur poppige, simple Melodien auf die Reihe bekommen haben.

Die eher unkommerzielle Grundhaltung kommt bei einigen von uns aus der musikalischen Sozialisation im Punkrock und aus der Tatsache, dass wir es auch an anderen Bands schätzen, wenn sie etwas unbehauen und authentisch klingen. In der Hinsicht sind wir dann vielleicht doch näher an den TOUCHÉ AMORÈs und NOFXes dieser Welt als an den ONE DIRECTIONs.

Habt ihr euch bewusst für die komplette Eigenverantwortlichkeit entschieden, um bei allen Entscheidungen den Hut aufzuhaben, oder ist es eher das Prinzip, aus der Not eine Tugend zu machen?

Bislang hat sich die Option nicht ergeben, wirklich irgendwo einen Vertrag zu unterschreiben oder Ähnliches, allerdings haben wir auch nicht bewußt danach gesucht, beziehungsweise uns irgendwo „beworben”. Grundsätzlich haben wir allerdings auch nicht die geringste Lust, uns von welcher Seite auch immer in unsere Musik reinquatschen zu lassen. Wie man sicher hören kann, sind wir keine Berufsmusiker und werden es, solange nicht ein Wunder geschieht, auch nicht werden. Und da wir Musik nur als Hobby, also aus Leidenschaft und Spaß an der Sache betreiben, steht eigentlich alles ausser Frage, was uns irgendwie einschränken würde. Zum anderen haben wir teilweise auch Verpflichtungen, etwa was Familie oder Beruf angeht, so dass die große Südostasientour ohnehin erst einmal warten müsste.

run-melos-for-realsiesMit „For Realsies” habt ihr kürzlich eure zweite EP präsentiert. Wie lange hat die Arbeit daran gedauert?

Die Songs sind alle in der Zeit nach den Aufnahmen zu unserer Debüt-EP „Whateverest” im Sommer 2013 entstanden, wir haben also für elf Minuten neue Musik über ein Jahr gebraucht, was zugegebenermaßen nicht unbedingt für unsere Produktivität spricht. Die Aufnahmen selbst mit unseren guten Freunden von 1408 Productions aus Hannover haben allerdings nur drei sehr unterhaltsame Wochenenden in Anspruch genommen.

Um noch ein bisschen auf dem DIY-Thema herumzureiten: Wie schwer ist es, sich als “kleine” Band mit einem in Eigenregie produzierten Output Gehör zu verschaffen und eine möglichst breite Öffentlichkeit zu erreichen?

Im Prinzip ist es so gut wie unmöglich, wenn man nicht so oft es geht auf der Bühne steht. Viele (Online-)Magazine interessiert der Output von unbekannten Bands grundsätzlich schon einmal gar nicht, weil es einfach nicht so viele Klicks generiert wie das neueste Release von COLDPLAY, GREEN DAY oder was weiß ich wem. David Hasselhoff. Der ist noch relevant, oder? Natürlich gibt es einige Ausnahmen und wir möchten in unserem Fall gern rockszene.de, bierschinken.net und natürlich auch HandleMeDown positiv hervorheben, der Tenor ist aber doch eher, das Augenmerk auf große Releases zu legen. Vielleicht sollte man statt Pay-to-Play auf der Bühne im Internet Pay-to-get-Feedback für kleine Bands betreiben. Du spendest 10 Euro an das Rote Kreuz und dafür schreibt dir jemand ein Review. Das wäre doch mal eine Idee, oder?

Allerdings ist auch die Aufmerksamkeitsspanne der Zuhörer inzwischen deutlich kürzer. Früher hat man sich halt hingesetzt und ein Album am Stück durchgehört, vielleicht sogar noch mit dem Booklet in der Hand um die Texte mitzulesen. Inzwischen werden Bands bei Spotify schon weggeklickt, wenn man nur das Intro scheiße findet. Das soll natürlich nicht heißen, dass früher alles besser war – auch wenn wir mit einem Altersdurchschnitt von fast 30 schon bei der Entdeckung des Feuers dabei waren – es konkurriert halt einfach viel mehr um den Zuhörer, der ja nach wie vor leider nur zwei Ohren hat. Vielleicht kann da ja irgendwann die Gentechnik helfen. Live ist das Ganze natürlich noch einmal etwas anderes, da sind die Zuhörer ja mehr oder weniger gezwungen, sich auf das einzulassen, was man sich auf der Bühne gerade zusammenklöppelt.

Wie waren die bisherigen Reaktionen auf „For Realsies”?

Bisher haben wir ein 7-Punkte-Review von einem extrem gutaussehenden deutschen Punkrock-Onlinezine und eine handvoll Likes bei Facebook vorzuweisen. Und Mutti hat gesagt, den einen Song findet sie nicht so schlimm wie das, was wir sonst machen.

Und wie wichtig ist euch die Meinung anderer im Hinblick auf eure musikalischen Schöpfungen?

Wenn uns die Meinung anderer wirklich interessieren würde, hätten wir wahrscheinlich schon längst aufgehört. Nicht, weil wir nun regelmäßig von der Bühne gebuht würden, sondern eher weil es wie gesagt, einfach unheimlich schwierig ist, überhaupt Feedback zu bekommen. Aber es wäre natürlich glatt gelogen, wenn wir nun sagen würden, wir freuen uns nicht darüber, wenn jemand nach dem Konzert unsere CD mitnimmt oder uns mit einem „hat mir gefallen” auf unsere verschwitzten Schultern haut.

run-melos-poserbildVon welchen Bands und Künstlern seht ihr euch beeinflusst?

Das ist je nach Bandmitglied sehr unterschiedlich. Einige von uns sind zum Beispiel mit den ÄRZTEN, MILENCOLIN, LAGWAGON oder THE OFFSPRING aufgewachsen, inzwischen reichen die persönlichen Favoriten aber von BRAND NEW und THRICE über FINGER ELEVEN bis zu ARCHITECTS und UNDEROATH. Kollektiver Favorit sind aber natürlich für immer die BACKSTREET BOYS. Wirklich beeinflusst hat uns aber eigentlich niemand, im Prinzip haben wir uns mit der Gitarre hingesetzt und geguckt, was dabei rauskommt, wenn wir einfach anfangen, darauf rumzuhauen. Und das gibt’s jetzt auf CD.

Wie regelmäßig habt ihr die Möglichkeit, euch vor Publikum zu präsentieren?

Leider nicht so häufig, wie es einigen in der Band lieb wäre. Im Schnitt versuchen wir, einmal pro Monat auf einer Bühne in oder um Hannover zu stehen, viel mehr ist leider wegen Studium, Beruf oder Familie nicht drin.

Welche Frage wollt ihr in tiefschürfenden Interviews wie diesem unbedingt einmal gestellt bekommen?

Darf ich euch ein Bier anbieten? Klar, gerne! Ne Currywurst dazu? Na, sichi!

Wer sich von euren Talenten überzeugen will, in „For Realsies” reinhören möchte oder den Kontakt zu euch sucht, der sollte…

Von unseren Talenten überzeugen? Das wird schwierig. In „For Realsies” und die Vorgänger-EP „Whateverest” kann jeder gerne auf unserer Facebook-Seite reinhören oder sich beide EPs gratis runterladen. Was den Kontakt angeht, sind wir total unkompliziert und freuen uns eigentlich über jede Nachricht. Gerne auch über Facebook oder persönlich auf einem Konzert, am Besten mit einem frischen Bier für uns. Oder mit Kuchen. Oder ohne alles, egal, wir sind nett.

Nach einem Blick in die Glaskugel, was wird euch das Jahr 2015 noch so alles bringen?

Den blitzschnellen Aufstieg zum Weltruhm mit nachfolgender Arroganz, öffentliche Streits bei Joko und Klaas über Drogen, Goldketten und schnelle Autos und den kometenhaften Abstieg zurück in den Proberaum. Das Ganze wird allerdings so rasant von Statten gehen, dass die Meisten glauben werden, wir hätten einfach die ganze Zeit weiter an neuen Songs gebastelt, fünf, sechs Konzerte gespielt, unsere neue Sängerin eingearbeitet und vielleicht EP Nummer drei aufgenommen.

Und ja, auch die letzten Worte gehören euch:

Irgendwie sind wir bei sowas furchtbar unkreativ. Wie wäre es mit: Hört unsere Musik, kommt zu unsern Shows, bringt Bier mit?

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