Inside Deep Throat (USA 2005)

inside-deep-throatWieder einmal erfreut eine äußerst gelungene Dokumentation die Programmkinogänger der Nation. Und auch diesmal handelt es sich um ein amerikanischen Phänomen, das genauer betrachtet wird. Anders jedoch als bei den Michael Moore’schen Polemiken oder dem ähnlich gestalteten Opus Magnum eines ehemaligen MTV-Moderators für ein moralisch doch angreifbares Format, nehmen sich die Macher in „Inside Deep Throat“ völlig zurück. Entstanden ist eine sehr ansprechende Kollage aus Interviews, Archivmaterial – und natürlich dem profitabelsten Film aller Zeiten.

„Inside Deep Throat“ ist dabei deutlich mehr als ein Making-Of für einen ursprünglich kleinen Porno von 1972. Doch genau so beginnt der Streifen. Der Weg des Regisseurs Gerard Damiano vom Damenfriseur in New York zum Pornoimpressario wird ebenso beschrieben wie die eigentlich traurige Geschichte der Hauptdarstellerin Linda Lovelace, die allein durch ihr außergewöhnliches Talent für Oralsex besonders auffiel. Doch der Film geht auch deutlich weiter. Neben der Geschichte des außergewöhnlichen Erfolgs des Rammelfilmchens, das mit einem Budget von 25.000 Dollar gedreht wurde und nach mehrjähriger Laufzeit über 600 Millionen eingespielt hatte, behandelt „Inside Deep Throat“ vor allem die kulturellen und moralischen Umbrüche in den USA der 60er und 70er Jahre.

Es geht um die sexuelle Revolution und Emanzipation. Äußerst Unterhaltsam wird so beschrieben, wie „Deep Throat“ von einem Porno zum Politikum wurde. Auf der einen Seite vom liberalen Gedanken der Gegenbewegung zur Nixon-Administration flankiert, auf der anderen vom Konservativismus und der religiösen Rechten angegriffen. Es wird erzählt, wie Gesetze verschärft wurden, den Porno einzuengen, wie über 20 Staaten „Deep Throat“ verbieten ließen und wie sogar Hauptdarsteller Harry Reems zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde, nur weil er in diesem heftigst angefeindeten Film mitgespielt hatte. Doch „Deep Throat“ wird nicht nur als politisches Phänomen verstanden. Die Filmemacher Fenton Bailey und Randy Barbato führen auch die sexualisierte Gesellschaft der Gegenwart auf den Film über eine Frau, die ihre Klitoris im Hals hat, zurück, im positiven wie im negativen. Zugegeben, eine gewagte These, die durch die Industrialisierung der Pornoindustrie durch den Erfolg von „Deep Throat“ aber durchaus gestützt wird.

„Inside Deep Throat“ ist eine kurzweilige Dokumentation geworden, die durchaus von einer Reihe von Absurditäten lebt. Wenn beispielsweise ein Verbotsantrag gegen „Deep Throat“ damit begründet wird, der Film propagiere den klitoralen Orgasmus, der aber völlig unnatürlich sei und der Film deshalb Frauen verdumme, muss man schon mal mehr als nur schmunzeln. Das pubertäre Kichern kann einem jedoch auch mal im Hals stecken bleiben, wenn man bedenkt, dass die Gesetze, die gegen „Deep Throat“ erlassen wurden, auch heute noch gültig sind und einige der Akteure auch heute noch Fäden ziehen. Den Film macht das freilich höchstens besser. Wer Dokumentationen etwas abgewinnen kann, wird auch an „Inside Deep Throat“ seinen Spaß haben.

Wertung: (7,5 / 10)

scroll to top