Inbred (GB/D 2011)

inbredAhnungslose und Genre-bedingt oft unsympathische Stadtbewohner brauchen sich nicht mehr allein in den weiten Gefilden der amerikanischen Wildnis zu verirren, um von degenerierten Hinterwäldern abgemurkst werden zu können. Mittlerweile wird auch die britische Peripherie von mordlüsternen Zurückgebliebenen regiert, die ihren transatlantischen Brüdern im degenerierten Geiste in Nichts nachstehen. Auch wenn sie immerhin davon absehen, ihre Beute zu verspeisen.

Vier jugendliche Straftäter – schenkt man diversen Genrebeitragen Glauben, scheint auf der Insel beinahe jeder Juvenile kriminell zu sein – verschlägt es nach Yorkshire in das verschlafene Nest Mortlake. Unter Aufsicht der Pädagogen Jeff (James Doherty) und Kate (Jo Hartley) sollen der distanzierte Feuerleger Tim (James Burrows), die introvertierte Sam (Nadine Rose Mulkerrin), Rabauke Dwight (Chris Waller) und Kumpane Zeb (Terry Haywood) ein marodes Haus auf Zack bringen. Zur Feier des Tages begibt sich die Gruppe in einen bezeichnenderweise „The Dirty Hole“ genannten Pub. Und in dem zeigt Besitzer Jim (Seamus O’Neill) bald sein wahres Gesicht und amüsiert seine inzestuös verunstaltete Sippschaft als clownesker Moderator mit einer Zirkus-Show der etwas anderen Art.

Der Namen Alex Chandon dürfte dem gelegentlichen (Horror-)Filmzuschauer nicht unbedingt auf Anhieb bekannt sein. Nach seinem persönlichen Opus Magnum „Cradle of Fear“ von 2001 brauchte es zehn Jahre, ehe sich der gebürtige Londoner erneut hinter die Kamera wagte. Dass „Inbred“ natürlich nichts für Zartbesaitete ist, beweist schon der blutige Prolog, doch die wirklich derben Schweinereien kommen erst im letzten Drittel auf. Dabei schimmert hier und da sogar etwas Innovation durch, etwa wenn eines der Opfer am, oder besser gesagt im eigenen Leib erfahren muss, welche Auswirkung ein in den Rachen gerammter Schlauch hat, aus dem literweise Scheiße geschossen kommt. Wer bei der Beschreibung dieser Unappetitlichkeit von Niveaubissen geplagt wird, der ist hier offenkundig im falschen Film.

Herschell Gordon Lewis’ „2000 Manicas“ (1964) und Tobe Hoopers „Texas Chainsaw Masacre“ (1974) haben über die Jahrzehnte unzählige Nachahmer angespornt – die meisten davon bekanntermaßen mit eher bescheidenem Auskommen. Zwar ist „Inbred“ nicht der schlechteste Beitrag zu dieser nicht totzukriegenden Filmgattung, aber auch weit davon entfernt, in die Annalen selbiger einzugehen. Dass hier ein unzurechnungsfähiger Dorfbewohner mit der Kettensäge durch die Luft fuchtelt, kann wohlwollend als Hommage betrachtet werden und der Rest der Belegschaft ist sowieso standesgemäß schlecht möbliert im Oberstübchen. Mehr als das Warten aufs nächste Schlachtfest bleibt allerdings nicht übrig. Backwood Terror as usual.

Wertung: (5 / 10)

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