InAlienable (USA 2008)

inalienableWalter Koenig dürfte jedem Science-Fiction-Fan ein Begriff sein. Wenn nicht durch seine Rolle als Psi-Korps-Agent Alfred Bester in „Babylon 5“, dann ganz gewiss als Pavel Chekov, dem Navigator der originären U.S.S. Enterprise. Der Amerikaner mit europäischen Wurzeln hat in seinem Leben aber mehr als nur geschauspielert: Theaterstücke, Romane, Drehbücher und sogar eine eigene Comicreihe („Raver“, Malibu Comics) gehen auf sein Konto. Nebenbei unterrichtet er noch mehrere Fächer an der University of California, Los Angeles (UCLA). Auch Richard Hatch dürfte kein Unbekannter sein: Unvergessen sein Auftritt als Capt. Apollo im Original von „Kampfstern Galactica“. In den Folgejahren tauchte Hatch immer wieder in diversen TV-Serien (von „Baywatch“ bis „MacGyver“) auf. Wenn er nun in der Hauptrolle des von Koenig geschriebenen und produzierten Science-Fiction-Films „InAlienable“ zu sehen ist, dürfte doch eigentlich nicht viel schief gehen. Tut es aber leider.

Der Wissenschaftler Eric Norris (Hatch) wird beim Kontakt mit einem Meteoriten schwanger! Seit Ridley Scotts „Alien“ dürften alle wissen, dass extraterrestrische Entitäten gerne mal den Menschenleib als Brutstätte benutzen. Wenn sich die Inkubationszeit dem Ende entgegen neigt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf den meist ungewollt „Trächtigen“ eine große Schweinerei – etwa eine aufgerissene Bauchdecke – zukommt, recht hoch. Doch die Lebensform, die es sich in Eric gemütlich gemacht hat, ist eine höchst liebenswerte. Das putzige Tentakel-Ding wird von seinem „Vater“ augenblicklich ins Herz geschlossen und mit dem Namen Ben gesegnet. Eric verlor zuvor bei einem Autounfall seinen Sohn und seine Ex-Frau, so dass Ben (abwechselnd die kleinwüchsigen Bradley Laise und Gabriel Pimentel), aber auch seine Assistentin Amanda (Courtney Peldon), die im Laufe der Geschichte seine Liebhaberin wird, den desillusionierten Biologen wieder auf Trab bringt. Als die ganze Sache sogar publik wird, erscheinen Mächte, die sich dem jungen Elternglück in den Weg stellen. Unter anderem Erics Chef Schilling (unglaublich fies: Koenig) höchstpersönlich. Man zieht sogar vor Gericht, um die Vaterschaft Erics für legitim zu erklären. In der zähen Anwältin Crystal Berry (Marina Sirtis, „Star Trek: Next Generation“) finden sie eine nicht zu unterschätzende Widersacherin.

Mit Regisseur Robert Dyke hat Walter Koenig 1989 schon den Science-Fiction-Film „Moontrap“ abgedreht. Auch ihre zweite Zusammenarbeit hat ein großes Problem, nämlich das sichtbar knappe Budget. Dass man auch mit sehr wenig Etat eine faszinierende SF-Geschichte erzählen kann, hat unter anderem der Filmemacher Richard Schenkman mit dem kammerspielartigen „The Man from Earth“ bewiesen. Die fesselnde Story, die mehrere Jahrtausende (!) umfasst, wird vom Protagonisten erzählerisch vorgetragen, ohne dabei auch nur eine Sekunde lang bombastische Mainstream (oder sonstige) Kinobilder zu zeigen. Auch „InAlienable“ geizt nicht mit Dialogen, speziell in der zweiten Phase des Films, die nur noch im Gerichtssaal spielt. Doch geht es hier, wie soll es anders sein, sehr juristisch (also trocken) zu. So zeigt sich ein weiterer Schwachpunkt, denn trotz des interessanten Hintergrunds für den Rechtstreit kommt schnell Langeweile auf.

Witzig, wenn auch leider unfreiwillig, sind im Film immer die Szenen, die die demonstrierende Menschenansammlung (etwa 20 Leutchen) zeigt. Die Verhandlung zieht sich über längere Zeit, aber dennoch sind es immer dieselben Statisten, die vor dem Gerichtsgebäude viel zu theatralisch rumschreien. Amüsant auch die Tatsache, dass die Pro-Ben-Fraktion („He’s not an animal!“) Schulter an Schulter mit den Kontra-Leuten skandieren („Kill the monster!“). Sehr putzig ist auch Bens Äußeres geraten. Wenn der kleine Fühlermann herumrennt, ist er einfach nur knuddelig anzusehen. Auf der Habenseite haben wir Richard Hatch, der seine Figur glaubwürdig und zeitgleich sehr sympathisch rüberbringt. Trotz des hohen Altersunterschiedes nimmt man ihm und der 1981 geborenen Courtney Peldon jederzeit ihre Romanze ab. Marina Sirtis sieht man(n) immer gerne, auch wenn sie eine zugeknöpfte, skrupellose Rechtsvertreterin darstellt. Einzig Walter Koenigs Direktor Schilling ist ein Tick zu ruchlos geworden.

Auch in Filmen wie „Der 200 Jahre Mann“ oder einem Teil der „It’s Alive!“-Trilogie kämpfen außergewöhnliche Individuen – oder ihre gesetzlichen Vertreter – vor Gericht um ihr Recht. Einmal ist es ein Androide, der trotz seiner Schaltkreise als Mensch deklariert werden möchte, im zweiten Fall streitet der Vater des monströsen Killerbabys für dasselbe Ziel. Doch nimmt dort die Gerichtsphase nicht ein gutes Drittel der gesamten Laufzeit ein, wie es bei „InAlienable” der Fall ist. Wer also mit Gerichtsfilmen wenig anfangen kann und bei Science-Fiction an Weltraumschlachten á la „Star Wars” denkt, sollte einen großen Bogen um Dykes Film machen. Richard Hatch-Fans können sicherlich einen Blick riskieren, da ihr Liebling seine Sache routiniert über die Bühne bringt.

Wertung: (3,5 / 10)

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