In 80 Tagen um die Welt (USA/GB/IRL/D 2004)

in-80-tagen-um-die-welt-2004Die Geschichte des Phileas Fogg, der sich aufmacht, in 80 Tagen den Erdball zu umrunden, kennt quasi jedes Kind aus der Literatur oder – der Bildungsmisere geschuldet – zumindest dem Fernsehen. Von der überschaubaren Anzahl verfilmter Adaptionen gilt gemeinhin Michael Andersons 1956 entstandene und mit dem unübertrefflichen David Niven als weltbereisender Abenteurer auftrumpfende Version als die gelungenste. Einen höchst eigenwilligen Anstrich des Jules Verne-Klassikers von 1873 beschert der Filmwelt nun der strauchelnde Disney-Konzern. Unter der Direktion des versierten Komödienregisseurs Frank Coraci („Eine Hochzeit zum verlieben”, „Waterboy”) eint sein überproportionierter Blockbuster „In 80 Tagen um die Welt” ein kurioses Sammelsurium bekannter Stars unter der Prämisse kindgerechter Unterhaltungsformen.

Um endlich das Ansehen der geschätzten britischen Akademie der Wissenschaften zu erlangen, lässt sich der verschrobene Erfinder Phileas Fogg (Steve Coogan, „Coffee and Cigarettes”) auf eine Wette mit dem verschlagenen Lord Kelvin (Oscar-Preisträger Jim Broadbent, „Iris”) ein. In nicht mehr als 80 Tagen soll Fogg die Erde umrunden oder sein Lebenswerk verspotteter Erfindungen und Entdeckungen, etwa die Elektrizität, das Fliegen oder gar das Inlineskaten, als gescheitert betrachten. Zusammen mit seinem Diener Passepartout (Jackie Chan, „Rush Hour”) und der lebenslustigen französischen Künstlerin Monique (Cécile De France, „L´Auberge Espagnole”) begibt sich Phileas Fogg auf eine abenteuerliche wie gefahrvolle Reise um den Globus. Doch nicht nur der tumbe Inspektor Fix (Ewen Bremner, „Trainspotting”) bleibt dem ungleichen Gespann dicht auf den Fersen, sondern auch die arglistigen Häscher Lord Kelvins.

Mit weniger Substanz als frühere Verfilmungen des Themas ausgestattet, doch im Gegenzug umso mehr Budenzauber, wird bei Frank Coracis „In 80 Tagen um die Welt” über zwei bis zum bersten gefüllte Stunden an die Sinne appelliert und der Verstand rigoros abgeschaltet. Imposant gestaltete und in Detailverliebtheit schwelgende Bilderwelten rauschen am Betrachter vorüber, erzeugen jedoch einen spürbaren Kontrast zur unzureichenden Charakterzeichnung der Protagonisten. Die Figuren bleiben blass, gefangen zwischen den klischeegetünchten Eckpfeilern minimalistischer Wesenszüge. Selbiges überträgt sich auch auf das humoristische Kontingent. Der bemühte Wortwitz und die oft vorhersehbaren Slapstickeinlagen, bei denen Hauptakteur und Produzent Jackie Chan wie gewohnt Reminiszenzen an Buster Keaton streut, ragen kaum über die Grenzen infantilen Klamauks hinaus.

Gespickt mit zahlreichen Gastspielen renommierter Darsteller des Standes John Cleese („Ein Fisch namens Wanda”), Luke und Owen Wilson („Die Royal Tenenbaums”), Rob Schneider („50 erste Dates”), Ian McNeice („From Hell”) und Sammo Hung („Powerman”) fungieren die aberwitzigen Auftritte von Oscar-Preisträgerin Kathy Bates („Misery”) als Queen Victoria und „Gouvernator” Arnold Schwarzenegger als geckenhafter Prinz Hapi als amüsanter Zierrat. Heimlicher Hauptakteur des bunten Spektakels bleibt jedoch der routinierte Jackie Chan. Allerdings bleibt dies weniger den schauspielerischen Qualitäten seiner Mitstreiter, als vielmehr dem verbissen um Originalität buhlenden Skript zu Schulden. Dabei verliert sich der Plot zusehends in turbulenten Actionszenarien, welche Dank guter Choreographie und anvisierter Rasanz die Qualitäten Jackie Chans adäquat auszuschöpfen wissen.

Die jüngste Verfilmung der klassischen Verne´schen Weltreise ist familienfreundliches Abenteuerkino im technischen Gewand der Moderne. Ausgestattet mit einer soliden Portion Witz und Tempo, reißt der oft hilflosen Geschichte beim Spagat zwischen Emotion und Unterhaltung alsbald der Hosenboden. Der vornehmlich kindlich-naive Humor steckt die anvisierte Zielgruppe zwar in aller Deutlichkeit ab, doch erweist sich „In 80 Tagen um die Welt” für ältere Zuschauer als anstrengender Entertainment-Overkill. An der Oberfläche durchaus vergnüglich, bleibt Frank Coracis harmlose Komödie darunter letztlich so hohl und unbefriedigend wie beinahe jede Arbeit Jackie Chans in den vereinigten Staaten.

Wertung: (5 / 10)

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