Im Schatten des Mörders (E 1976)

im-schatten-des-moerdersDie Wiederentdeckung des Belanglosen: Epix veröffentlicht „Im Schatten des Mörders“, Jesus ´Jess´ Francos („De Sade Eugenie“) Ausflug in die Gepflogenheiten des Grusel-Krimis, erstmals ungeschnitten in deutscher Sprache auf DVD. Für den Freund des schwelgerischen Blicks auf vergessene Werke des altmodischen europäischen Kinos wahrlich eine freudige Nachricht. Besser wird der Film dadurch jedoch nicht. Im Vergleich zu vielen anderen der fast 190 Produktionen des unerschöpflichen Fließbandregisseurs ist der 1976 inszenierte Streifen aber dennoch einen Blick wert, weist er doch zumindest manch inszenatorische Finesse auf.

Basierend auf einer Erzählung von Edgar Allan Poe, obwohl die Parallelen zu Edgar Wallace und klassischen Giallos weit auffälliger erscheinen, erzählt Franco von der Jagd auf einen grausamen Mörder. Dessen erstes Opfer ist, natürlich während stürmischer Nacht, Lord Marian Percibal. Erst niedergeschlagen und anschließend lebendig verscharrt, findet ihn Gattin Cecilia. Der zuständige Inspektor Bore (Vicente Roca, „Der Hexentöter von Blackmoor“) ahnt schreckliches, drängen die Hinterbliebenen doch mit Nachdruck auf die Eröffnung des Testaments. Für die Reisen weitere potenzielle Erben an, darunter der zwielichtige Baron Simon Tobias (Italo-Western-Star William Berger, „Sabata“). Ein vermehrtes Aufkommen an Leichen lässt da nicht lange auf sich warten.

Behäbig zieht die Mörderhatz ihre Kreise. Gedreht wurde vorzugsweise Nachts, was eine wirkungsvolle Lichtdramaturgie ermöglicht, im Gegenzug aber keine wirkliche Spannung bringt. Zu schleppend spinnt sich der Plot fort, um den Zuschauer wirklich an das Geschehen zu fesseln. Dazu kommt das zum Teil hölzerne Spiel der Akteure. Da ist zum Beispiel Francos Gattin Lina Romay („Eine Jungfrau in den Krallen Frankensteins“), die den Part von Percibals unehelicher Tochter Rita füllt. Die wird von ihrer Stiefmutter im Suff gern mal verdroschen, wurde nie als Mitglied der wohlhabenden Familie anerkannt und muss obendrein die Dienstmagd für die bucklige Verwandtschaft geben. Ihre Rolle böte so viel tragisches Potenzial. Aber es verpufft, weil Romay sich in akuter Ausdruckslosigkeit suhlt.

Mit der Figur des Scotland Yard-Ermittlers Oliver Brooks (Alberto Dalbés, „Die Nacht der offenen Särge“) soll Licht ins Dunkel gebracht werden. Denn dem Killer mit der Totenkopfmaske scheint an der Auslöschung der gesamten Erbgemeinschaft gelegen. Für vereinzelt morbide Spitzen sorgen die Entsorgungstechniken des Täters. So wird Cecilia an die unweit des geräumigen Anwesens gelegenen Klippen gebunden und von der Brandung langsam zu Tode gebracht. Insgesamt aber bleibt „Im Schatten des Mörders“ zu ermüdend, um die Kopie klassischer Kriminal- und Gruselfilme der sechziger Jahre nachhaltig aus der Lethargie zu führen. In Anbetracht der Einzug haltenden Lächerlichkeit während der finalen Aufdröselung scheint es dabei nur umso erfreulicher, dass der altbackene Spuk nach knapp 80 Minuten bereits zum Abspann bläst.

Wertung: (4 / 10)

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