Im August in Osage County (USA 2013)

august-ausage-county„Eat the fish, bitch!“ – Fordernd: Barbara

Von der Theaterbühne auf die Leinwand ist es oft nur ein kleiner Schritt. Die Werktreue zum Original garantiert die Adaption des Urhebers. So auch bei „Im August in Osage County“. Autor Tracy Letts („Bug“) machte sein Stück fürs Kino gangbar und lässt Figuren wortreich übereinander herfallen, für deren Besetzung eine ganze Reihe hochkarätiger Hollywood-Stars und Charakterdarsteller verpflichtet werden konnte. Zusammen bringt es das großartig aufgelegte Ensemble (einschließlich dieses Films) auf fünf Oscars und 21 weitere Nominierungen. Um seinen Job jedenfalls ist Regisseur John Wells („Company Men“) glatt zu beneiden.

Erzählt wird der Zerfall einer Familie. Die stammt aus Osage County, einem idyllischen provinziellen Landstrich im mittleren Westen Amerikas. Im Zentrum steht Violet Weston (grandios und zum 18. Mal (!) Oscar-nominiert: Meryl Streep, „The Iron Lady“), die an Mundkrebs leidet und Tabletten schluckt wie andere Menschen Bonbons. Nicht allein im deliriösen Dämmerzustand wirft sie mit Beleidigungen um sich und beklagt, dass zwei ihrer drei Töchter vor Jahren weggezogen sind. Die Beziehung zum trinkfreudigen Ehemann Beverly (Sam Shepard, „Homo Faber“), einem ehemals gefeierten Dichter, ist angespannt. Als der Gatte spurlos verschwindet, kommt die versprengte Sippe zusammen.

Das famose Drama ist eine einzige Folge bitterer, oft geschliffener Dialoge. Auf die einzelnen Ausprägungen des Plots einzugehen, wäre für das Sehvergnügen kontraproduktiv. Daher nur so viel: Als der durch Selbstmord aus dem Leben geschiedene Beverly aus einem See gezogen wird, beginnt ein Selbstzerfleischungsprozess, bei dem alte Wunden und nie verwundene Konflikte aufbrechen. Vor allem Violet feuert dabei aus allen Rohren, findet in ihrer ältesten Tochter Barbara (ebenfalls Oscar-nominiert: Julia Roberts, „Hautnah“) aber eine Konfliktpartnerin mit kaum weniger Haaren auf den Zähnen.

Als deren in Trennung lebender Mann tritt Ewan McGregor („Beginners“) in Erscheinung, die gemeinsame Filmtochter wird von Abigail Breslin („Little Miss Sunshine“) gespielt. In den Rollen der beiden anderen Schwestern bestechen Julianne Nicholson („Boardwalk Empire“) und Juliette Lewis („Gilbert Grape“). Die von der Erstgenannten verkörperte Ivy hat der Heimat als einzige nicht den Rücken gekehrt und in ihrer Einsamkeit eine Beziehung mit Cousin (Little) Charlie („Sherlock“-Star Benedict Cumberbatch) begonnen. Doch von dieser Liaison darf die Familie, insbesondere seine von Chris Cooper („Adaption“) und Margo Martindale („Million Dollar Baby“) gemimten Eltern nichts wissen.

Komplettiert wird das Ensemble von Dermot Mulroney („The Grey“) als Verlobter von Lewis’ Karen sowie Misty Upham als Violets indianische Haushaltshilfe. Sie bleibt stumme Zeugin der derben Wortgefechte und handgreiflichen Konflikte, bis ihre Schulter am Schluss die letzte bleibt, an der sich Violet noch ausweinen kann. Den Rahmen um die spitzen Dialoge und blank liegenden Nerven bilden in kraftvolle Farben und schwüles Sommerklima getauchte Landschaftspanoramen. Ihnen gegenüber stehen der Wetterlage entsprechend hitzige Dispute, die immer neue Familiengeheimnisse offenlegen und der bitteren Wendungen am Ende fast zu viele in Reihe schalten. Dank grandioser Schauspieler und der Güte der dramatischen Dialoglast aber eben auch nur fast. Für Cineasten ein schieres (Sommer-)Fest.

Wertung: (8,5 / 10)

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