Igby! (USA 2002)

igby-goes-downHolden Caulfield, die Zweite…

Bewegende Filme über das Erwachsenwerden gibt es nicht erst seit den großen Tagen von Mike Nichols‘ „Die Reifeprüfung“ (1967) oder der Blütezeit des Hughes‘schen „Breakfast Club“ (1984) zu bewundern. Im noch frischen dritten Jahrtausend gab es mit Peter Cares „Lost Heaven“ (2000) oder Richard Kellys „Donnie Darko“ (2001) bereits vereinzelte Kleinode zu bewundern, welche die Standards moderner Coming-of-Age-Geschichten eigenwillig weiterführten. Jüngster Beitrag im Metier des angehenden Erwachsenenkinos ist Burr Steers‘ Debütfilm „Igby Goes Down“, der nach bescheidener Ausbeute an den internationalen Kinokassen sein Glück nun im medialen Dickicht aus Verleih und Verkauf sucht.

Der 17-jährige Igby Slocumb (Kieran Culkin) ist ein permanenter Quertreiber. Im Fluss des Lebens schwimmt er stetig gegen den Strom und ist obendrein ein notorischer Lügner, der das marode Gefüge seiner wohlhabenden Sippschaft bis aufs Blut verabscheut. Angewidert von der egomanen wie drogensüchtigen Mutter (Susan Sarandon) und dem selbstsüchtigen, erfolgsverwöhnten Bruder (Ryan Phillippe) sucht Igby sein Lebensglück in den Schattenseiten der New Yorker Oberschicht und nistet sich nach dem selbst auferlegten Entzug der verhassten Militärakademie bei der Geliebten (Amanda Peet) seines selbstgefälligen Paten (Jeff Goldblum) ein. In der Einzelgängerin Sookie (Claire Danes) findet der ambitionslose Igby seine erste große Liebe – und wird bitter enttäuscht.

Manche Vorabkritik überschlug sich förmlich, von „genial“ und gar „Meisterwerk“ war die Rede. Und sicher, „Igby Goes Down“ ist eine gut gespielte Tragikomödie, bei der allerdings mit frühzeitiger Ernüchterung festzustellen ist, dass die angebliche Klasse des Films durch mitunter unentschlossene und gewollt hintergründige Passagen und Dialoge zunichte gemacht wird. Die Geschichte, beizeiten stark an Salingers „Der Fänger im Roggen“ angelehnt, wirkt konstruiert, manchmal schwerfällig und fernab inszenatorischer Leichtigkeit angesiedelt. Doch hält Autor und Regisseur Burr Steers die immer ironische und unterhaltsame Balance zwischen Sarkasmus und Tragik über weite Strecken stilsicher und feinfühlig aufrecht, was die episodenartige Handlung zumindest in sich schlüssig gestaltet.

Deutlich zugute gereift dem Film das glaubhaft und durchweg überzeugend aufspielende Darstellerensemble, angefangen bei dem sich merklich zum Charaktermimen entwickelnden Kieran Culkin („Lost Heaven“). Mit Susan Sarandon („Seite an Seite“), Bill Pullman („Während du schliefst“), Jeff Goldblum („Independence Day“), Ryan Phillippe („Studio 54“), Claire Danes („The Hours“), Amanda Peet („Identität“) und Jared Harris („B. Monkey“) sind weitere sehenswerte Darsteller an Bord. Sie machen „Igby Goes Down“ zu einem sehenswerten Debütfilm mit einem passagenweise eher durchwachsenen Skript und einem klaren Übergewicht unsympathischer Charaktere, deren Verbleib der Betrachter zunehmend gleichgültig gegenüber steht.

Wertung: (7 / 10)

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