Ich – Einfach unverbesserlich (USA 2010)

ich-einfach-unverbesserlichAuch Super-Verbrecher haben es schwer. Der Erfolgsdruck, immer neue sinistre Pläne auszuhecken und diese mit wahnwitzigen Erfindungen Realität werden zu lassen, können manch kriminelles Meisterhirn an den Rand einer handfesten Sinnkrise treiben. In einer solchen steckt auch Dru (im englischen Original mit der Stimme von Starkomiker Steve Carell, „Date Night“), der von der Nachricht überrascht wird, dass es einem Konkurrenten gelungen ist, eine komplette Pyramide aus Ägypten zu stehlen.

Aber Dru, der gern Kinder erschreckt und die Schlange im Kaffeeladen mit einem Eisstrahler zu überwinden weiß, hat schon wieder ein neues, ein noch viel gigantischeres Ziel: Mit Hilfe des senilen Erfinders Dr. Nefario will er den Mond schrumpfen und mit dessen Entwendung zum größten Verbrecher aller Zeiten aufsteigen. Dumm nur, dass die Bank für Bösewichter ihm aufgrund mangelnden Erfolges keinen Kredit gewähren will. Doch so schnell steckt Gru nicht auf und plant die Entwendung eines Verkleinerungsstrahlers. Durchkreuzt wird das Vorhaben allerdings vom jungen Emporkömmling Vector.

Bedauerlicherweise ist dessen Domizil schwer bewacht und gesichert. Die Lösung versprechen die drei Waisenmädchen Margo, Edith und Agnes, die von Haus zu Haus ziehen und Kekse verkaufen. Ihnen gewährt Vector Einlass und bestellt gar eine Lieferung Plätzchen. Der verblüffte Gru adoptiert die Kinder kurzerhand und verschafft sich mit ihrer Hilfe Zugang zum Haus des Kontrahenten. Bevor er seinen Plan allerdings in die Tat umsetzen kann, erweichen die Gören sein Herz und verwandeln den grantigen Bösewicht in einen fürsorglichen Pflegevater.

So situationskomisch sich das von Pierre Coffin und Chris Renaud gedrehte Animationsdebüt des Studios Universal auch präsentiert, die absehbare moralische Läuterung des sympathischen Anti-Helden Gru vollzieht sich nur allzu vorhersehbar. Die Kohlen aus dem Feuer holen da einmal mehr die Nebenfiguren, hier Grus kleine groteske gelbe Helfer, die unverständlich brabbelnden Minions. Sie haben die Lacher stets auf ihrer Seite, dienen aber zu offensichtlich der Kaschierung inhaltlicher Austauschbarkeit. Gut amüsieren können sich zweifelsohne auch erwachsene Zuschauer. Nur gibt es gerade für sie in diesem optisch gelungenen Abenteuer einfach zu wenige Überraschungen.

Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

 

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