I Spit on Your Grave III: Vengeance is Mine (USA 2015)

i-spit-on-your-grave-3-vengeance-is-mine„Forgive me father, for I don’t give a shit.“ – Angela/Jennifer

Im Horrorsegment geht immer eine (weitere) Fortsetzung. Das verdeutlicht auch „I Spit on Your Grave“. Mit dem Remake von Meir Zarchis gleichnamigem Sleaze-Klassiker von 1978 (Alternativtitel: „Day of the Woman“) feierte Stephen R. Monroe 2010 einen von unbequemer Gewalt geprägten Achtungserfolg. Der knüppelharte Rape n‘ Revenge-Thriller übertraf das Original in Sachen Schonungslosigkeit um Längen – und zog drei Jahre später ein eigenständiges Sequel nach sich, das die Formel des Erstlings stur wiederholte. Nichts anderes als das durfte auch vom dritten Teil erwartet werden. Doch die von R.D. Braunstein („100 Degrees Below Zero“) erzählte Geschichte schlägt einen anderen Weg ein.

Für den nötigen Aufmerksamkeitsschub sorgt die Rückkehr von Hauptdarstellerin Sarah Butler, die in Monroes Neuverfilmung zum gepeinigten Racheengel wurde. Ihre Jennifer Hills nennt sich mittlerweile Angela. Die schrecklichen Erinnerungen nagen trotz veränderter Identität noch immer schwer an ihr. Überall sieht sie Männer, die sie bedrängen wollen. Zu sozialen Interaktionen ist sie kaum mehr fähig, stattdessen verliert sie sich in Gewaltfantasien. Um unter Leute zu kommen, empfiehlt ihre Therapeutin (Harley Jane Kozak, „Arachnophobia“) die Teilnahme an einer Selbsthilfegruppe für Vergewaltigungsopfer. Dort freundet sie sich mit der resoluten Marla (Jennifer Landon) an, die Sexualstraftätern am liebsten ans Leder würde.

Der gelungene, überraschend eigenwillige Auftakt rückt Angelas Zerrüttung in den Mittelpunkt. Die allgegenwärtige Gefahr durch die Männerwelt mag dabei etwas übertrieben wirken, folgt aber einem Zweck, der sich erst im Gesamtkontext der Erzählung erschließt. Als sie die Nachricht von Marlas gewaltsamem Tod ereilt, brechen Angelas alte Wunden erneut auf. Die Polizei, vertreten durch Detective McDylan (blass und mit Clark-Kent-Gedächtnisfrisur: Gabriel Hogan, „Heartland“) scheint hilflos. Also nimmt Angela das Gesetz an der Schnittstelle von „Death Wish“ und „Die Frau mit der 45er Magnum“ selbst in die Hand. Bevor sie aber zur Tat schreitet, vergeht rund die Hälfte der Laufzeit. Was folgt, sind vereinzelt krasse Gewaltszenen.

Ein in Großaufnahme aufgeschlitzter (und anschließend aufgerissener) Penis oder die anale Penetration eines Vergewaltigers mit Eisenrohr und Vorschlaghammer folgen dem zu erwartenden exploitativen Selbstzweck. Dass das übergeordnete Interesse der Macher an Angelas Gemütszustand nicht geheuchelt wirkt, verdeutlicht daneben die Zuspitzung des Plots, bei der ihr Opferspektrum zunehmend diffus wirkt und auch die Polizei nicht allzu lange braucht, um sie als Hauptverdächtige ins Visier zu nehmen. Was „I Spit on Your Grave 3“ immer wieder zurückwirft, sind – abseits der grundlegend flachen Plotte – wenig überzeugende Nebendarsteller. Für derartige Schwächen entschädigt jedoch das Ende, das die Grenzen zwischen Wahn und (filmischer) Realität verschwimmen lässt. Von der angestammten Ausrichtung der Reihe ist dies Sequel damit überraschend weit entfernt.

Wertung: (5 / 10)

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