I, Robot (USA/D 2004)

i-robotEin Mann sah es voraus. Bedauerlich nur, dass es sich bei diesem in weiser Voraussicht badenden Manne nicht um Regisseur Alex Proyas gehandelt hat. Sonst hätte womöglich ein verschmitzter Blick in die Zukunft seines jüngsten Projektes „I, Robot“ diverse Plotlöcher und zerfahrene Unausgegorenheiten ausgemerzt, bevor die halbgare Sci-Fi-Ausgeburt in archetypischer Hollywood-Manier über die Leinwände des Erdenrunds stolpert. Aber es ist, wie es war, und somit bildet auch „I, Robot“ lediglich einen weiteren durchwachsenen Genrevertreter zwischen Popcornlust und Pixelfrust.

Dabei hätte der futuristische Thriller unter der Direktion des neben Ridley Scott vielleicht virtuosesten Jongleurs visueller Raffinessen der Moderne zur schillernden Lichtgestalt der Gattung düsterer Zukunftsvisionen gereifen können. Auf diesem Wege jedoch krankt „I, Robot“, wie auch Paul Verhoevens „Hollow Man“ oder Tim Burtons „Planet der Affen“, an der Exkavierung schier überbordender Schaffenskraft innovativer Ausnahmeregisseure durch klassisch kommerzielle Unterhaltungsschattierungen.

Wir schreiben das Jahr 2035. Im Besitz beinahe jedes Hausstandes befindet sich ein Robot. Technisch bis zur Perfektion ausgereift, erleichtern die Maschinenwesen den Menschen das alltägliche Leben in beträchtlichem Maße. Die friedliche Koexistenz zwischen Mensch und Maschine wird durch eine ausgefeilte Sicherheitsprogrammierung in den Schaltkreisen der Robots gewährleistet. Jene verbietet es den mechanischen Untertanen, gegen ihre Schöpfer zu rebellieren, ihnen Schaden zuzufügen oder zuzulassen, dass ihnen Schaden zugefügt wird. Einzig der dezent paranoide Cop Del Spooner (Will Smith, „Wild, Wild West“) misstraut dem technisierten Segen und hegt die Befürchtung einer drohenden Gefahr durch die Robots.

Als Spooner den vermeintlichen Selbstmord des für die Entwicklung der elektronischen Zeitgenossen verantwortlichen Wissenschaftlers (James Cromwell, „L.A. Confidential“) aufklären soll, scheint für ihn die Schuldfrage schnell geklärt: Der mit humanoiden Wesenszügen ausgestattete Roboter Sonny ist für den neurotischen Ordnungshüter das lang erwartete Zugpferd seiner Vorurteile. Zusammen mit der Roboterpsychologin Dr. Susan Calvin (Bridget Moynahan, „Der Einsatz“) bemüht sich Spooner um die Enträtselung der mysteriösen Hintergründe des tödlichen Vorfalls. Doch die Ergebnisse der Ermittlungen fördern eine Wahrheit ans Tageslicht, die den Fortbestand der gesamten Menschheit bedroht.

Vage basierend auf der Kurzgeschichtensammlung des Autors Isaac Asimov spinnt Kultregisseur Alex Proyas („The Crow“, „Dark City“) eine erschreckend seelenlose Utopie über den Gefahrquell moderner Technologien. Die von Beginn an transparente Auflösung der Geschichte erstickt aufkeimende Spannung und atmosphärische Stringenz fortwährend und lässt den Plot über weite Strecken als bloßes Vehikel für Will Smiths Popularitätsgrad erscheinen. Das vorwiegend affektierte Gebaren des charismatischen Mimen wirkt dabei ebenso fehl am Platze wie der Versuch, charakterliche Defizite durch klischeeüberfrachtete heroisch humoristische Tonalität zu übertünchen. Hinzu gesellen sich geradezu aufdringliche Produktplatzierungen, die zwar zum unverzüglichen Kauf von Schuhen der Marke Converse und Automobilen des Fabrikates Audi animieren, über die Impression eines auf Spielfilmlänge ausgedehnten Werbeblocks jedoch kaum hinausragen.

Das Potenzial der Geschichte versiegt in Vorhersehbarkeit und uninspirierten Actionszenarien, erinnerungswürdige Lichtblicke bleiben im Refugium von „I, Robot“ bedauerlicherweise rar gesät. Einzig die souveräne Kameraführung und die opulente Schlusssequenz dispensieren die dröge Dauerberieselung aus den grobschlächtigen Untiefen formelhaften Genrekinos. Die schiere Flut computeranimierter Effekte weiß zwar grundlegend zu überzeugen, doch beanspruchen selbige in ihrer frappant generierten oder durch Blue-Screen optimierten Machart kaum die Krone ihrer Zunft.

So dümpelt „I, Robot“ auf dem Grund eines zerfahrenen Skripts durch hinlänglich bekannte Versatzstücke, einzig reduziert auf den größtmöglichen Unterhaltungswert. Jener zumindest scheint der altbackenen Mixtur aus „Minority Report“, „Runaway – Spinnen des Todes“ und „Die Eroberung vom Planet der Affen“ sicher. Aber was nützt die launigste Inszenierung, wenn das überstilisierte Resultat nicht minder leblos und mechanisch anmutet als die blechernen Protagonisten im Angelpunkt der Geschichte?

Wertung: (5 / 10)

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