Hush – Still (USA 2016)

hush-still„I can come in anytime I want. And I can get you anytime I want. But I’m not going to. Not until it’s time. When you wish you’re dead, that’s when I’ll come inside.“ – der namenlose Killer

Das Problem von Horrorfilmen sind meist die Dialoge. Wenn sich dummbratzige Klischeecharaktere vor der Ausmerzung in zähes Schwadronieren über konstruierte Problemhorizonte ergehen, kann die substanzlose Zeitschindung meist achtlos übersprungen werden. Eine wohltuende Ausnahme ist „Hush“. Denn die von Co-Autorin Kate Siegel gespielte Hauptfigur ist taubstumm. Das Katz-und-Mausspiel mit einem psychopathischen Killer in der Abgeschiedenheit des Waldes kann sich somit aufs Wesentliche beschränken.

Durch eine bakterielle Hirnhautentzündung hat die junge Autorin Maddie (Siegel) in ihrer Jugend Sprach- und Hörvermögen verloren. Für die Arbeit an ihrem neuen Buch hat sie sich ins Hinterland zurückgezogen und ein geräumiges Haus zwischen Bäumen bezogen. In der unweit residierenden Sarah (Samantha Sloyan, „Grey’s Anatomy“) hat sie eine Freundin gefunden, mit der sie sich über Gebärdensprache verständigt. Als die eines Abends vor Maddies Verandatür von einem weiß maskierten Mann (John Gallagher Jr., „The Newsroom“) massakriert wird, bleibt die Tat aufgrund ihrer Behinderung unbemerkt.

Der mit Messer und Armbrust bewaffnete Killer nimmt Maddies vermeintliche Hilflosigkeit zum Anlass für perfiden Psychoterror. Der erreicht einen ersten Höhepunkt, als sie ihm über eine ans Fenster geschriebene Nachricht mitteilt, ihn aufgrund der Maske unmöglich identifizieren zu können – was dazu führt, dass er sein Gesicht entblößt. Ein tiefgreifendes Motiv braucht es dazu nicht. Der Antrieb des namenlosen Fremden ist purer Sadismus. Was Maddies Chancen erhöht, ist der damit verbundene Spieltrieb. Denn um sie zu töten, dringt er nicht einfach ins Haus ein, sondern reagiert zunächst einzig auf ihre Versuche, zu fliehen oder sich bemerkbar zu machen.

Auf dieser Grundlage schafft Regisseur und Co-Autor Mike Flanagan (drehte mit Kate Siegel unlängst auch „Ouija: Ursprung des Bösen“) einen minimalistischen Nervenzerrer mit wohl platzierten Härten. Die Gewalt wird dabei trotz blutiger Spitzen nicht explizit ausgestellt und die Spannung trotz vereinzelter logischer Aussetzer – etwa verbunden mit Maddies Verhalten beim Auftauchen von Sarahs Lebensgefährten John (Michael Trucco, „Battlestar Galactica“) – angenehm konstant gehalten. Die Revolution des Backwood-Slashers ist „Hush“ dabei zwar nicht, als willkommene Abkehr vom Einerlei standardisierter Hollywood-Sequels geht der straff inszenierte und überdurchschnittlich gespielte Low-Budget-Schocker aber leichter Hand durch.

Wertung: (7 / 10)

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