Humans (F/LUX/CH 2009)

humansBackwood-Horror in Fellkleidung: In „Humans“ versuchen Jacques-Olivier Molon und Pierre-Olivier Thevenin dem Grauen im Hinterwald ein neues Gesicht zu geben. Mit den drastischen Schockeffekten zum Hardgore-Thriller „Inside“ hatte das Duo für Aufsehen gesorgt. Wie so häufig zeigt sich aber auch beim Wechsel vom Schmink- auf den Regiestuhl der qualitative Abfall. Denn vom Fleck weg mangelt es dem Film an Atmosphäre und überzeugenden Figuren. Im Gegenzug tischen Molon/Thevenin ein ganzes Säckel abgegriffener Klischees auf – und halten sich in Sachen Wundzeichnung obendrein überraschend bedeckt.

Anthropologie-Professor Schneider (Philippe Nahon, „High Tension“) bricht mit Doktorandin Nadia (Sara Forestier, „Hell“) und Sohn Thomas (Loránt Deutsch, „Everybody is a Killer“) in die Schweiz auf. In einem schwer zugänglichen Teil des Lötschentals glaubt er die menschliche Evolutionslehre durch den Fund eines weiterentwickelten Neandertalers revolutionieren zu können. Unterwegs lesen sie Sportlehrer Gildas (Dominique Pinon, „Alien: Resurrection“) auf, der nach einer Autopanne mit Freundin und Tochter in der Einöde gestrandet ist.

Wie üblich darf ein jede Zivilisation aussparender Kameraflug durch unwirtliches Gelände Isolation vorgaukeln. Der absehbare Unfall lässt nicht lange auf sich warten und katapultiert die Gruppe geradewegs in eine düstere Schlucht. Der Professor ist gleich hin, der Rest versucht sich durch bewaldetes Gebiet zur nächsten Siedlung durchzuschlagen. Rasch macht sich jedoch das Gefühl breit, dass sie in diesem abgelegenen Winkel nicht allein sind. Tatsächlich haben sich zottelige Urmenschen an ihre Fersen geheftet, die über die Jahrtausende von der menschlichen Entwicklung unbehelligt blieben. Die Männer sind ihnen egal, zwecks Fortpflanzung interessieren sich die urtümlichen, vom Aussterben bedrohten Wilden nur für die Frauen.

Ein Alptraum ist das vor allem für den Zuschauer. Denn der spaß- wie einfallslose B-Horror nimmt sich und seine hanebüchene Story derart ernst, dass sich mit den zunehmend blank liegenden Nerven der Gejagten unfreiwillige Komik einstellt. Schuldzuweisungen machen die Runde, an deren Ende Gildas von allen zum Trottel gestempelt wird. Insbesondere dessen Teenagertochter, gespielt von Manon Tournier („The Snake“), nervt zwischen den monotonen Fluchtszenarien durch Wald und Flur gewaltig. Gegen Ende darf auch eine unweit beheimatete Schweizer Familie nach den Regeln des Terrorfilms eingreifen. Doch selbst die plötzliche Zugabe an Blut und Gewalt können diesen lahmen, spannungsfreien und vorhersehbaren Pseudo-Schocker nicht vor dem nahezu ganzheitlichen Scheitern bewahren.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

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