Humanity and Paper Balloons – Die Ehre des Samurai (J 1937)

humanity-and-paper-balloonsDer japanische Regisseur Sadao Yamanaka fiel 1938, im Alter von nur 29 Jahren, im Zweiten Weltkrieg. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits 23 Filme inszeniert. Die meisten davon gelten heute als verschollen, lediglich drei – „Sazen Tange and the Pot Worth a Million Ryo“, „The White Hood“ und „Humanity and Paper Balloons“ – als überhaupt bekannt. Das letztgenannte, nur ein Jahr vor seinem Tod gedrehte Werk ist zugleich sein Vermächtnis. Ein Großteil der vor dem Krieg in Japan produzierten Filme blieb später unauffindbar. Umso mehr bilden die überlieferten für die cineastische Nachwelt ein kulturelles Erbe von unschätzbarem Wert.

Yamanakas finaler Film berichtet vom Schicksal der Einwohner eines ärmlichen Distriktes im Tokio des 18. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt der Erzählung stehen der herrenlose Samurai Matajuro Unno (Chojuro Kawarasaki, „Die 47 Samurai“) und der aufrührerische Barbier Shinzu (Kanemon Nakamura, „Kwaidan“), deren Leben am versuchten Ausbruch aus Mittel- und Respektlosigkeit zu zerschellen drohen. Der erste versucht in den Dienst eines einflussreichen Geschäftsmanns zu gelangen, dem sein Vater einst zu Ehre verhalf, blitzt ungeachtet seiner Mühen aber immer wieder ab. Der zweite hält sich mit Gaunereien und Glücksspiel über Wasser, die ihn wiederholt in Konflikt mit kriminellen Kreisen stürzen.

„Humanity and Paper Balloons“, in Deutschland unter dem Titel „Die Ehre des Samurai“ wiederaufgeführt, ist ein meisterhaft schlichtes Melodram, das trotz seiner emotionalen Ladung Distanz zu den Figuren wahrt. Die Akteure begeistern durch unspektakuläre Darbietungen, bei denen Gesten mehr sagen als Worte. Überhaupt scheint die schwindende Hoffnung nicht nur den Lebensmut, sondern auch die Sprache abzuschneiden. Die schlichten schwarz-weißen Bilder lesen in den Gesichtern mehr als die aus ihnen kommenden Worte offenbaren würden. Unweigerlich auf seinen bitteren Ausklang zusteuernd, endet der Film wie er beginnt – mit einem Suizid.

Für die einfachen Menschen ist der Selbstmord die Konsequenz eines Lebens, in dem kein Ausweg aus Armut und Verzweiflung führt. Die einflussreichen, die wohlhabenden Bürger sind über Menschlichkeit und Mitgefühl längst erhaben. Sie horten und mehren ihren Besitz, das Schicksal anderer ist ihnen gleichgültig. Denn es betrifft sie nicht. Yamanaka verbindet eine tiefsinnige Lektion in Sachen Demut mit punktiert beobachteten Milieu- und Charakterstudien. Die haben bis heute nicht an Kraft eingebüßt, so dass sich die hoch anspruchsvolle Sozialparabel auch problemlos auf moderne Gesellschaften übertragen lässt.

Wertung: (10 / 10)

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