Howard – Ein tierischer Held (USA 1986)

howard-the-duck„Hätte Gott gewollt, dass wir fliegen können, dann hätte er uns unsere Flügel nicht genommen!“ – Howard the Philosopher

Vor nicht allzu langer Zeit in einer dafür weit, weit entfernten Galaxis: Howard ist ein ganz normaler Kerl in den besten Jahren. Er hat einen guten Job, er schreibt in seiner Freizeit Rocksongs, und darüber hinaus liebt er Zigarren, Bier und Frauen. Ach, nur mal so nebenbei – Howard ist ein humanioder Enterich und seine Heimat ist die eiförmige Duck World! Doch eines Tages, als er nach der Arbeit im neuen Playduck herumblättern möchte, wird sein geruhsames Leben plötzlich aus der Bahn geworfen. Der ehrgeizige Wissenschaftler Walter Jennings (grandios: Jeffrey Jones, „Sleepy Hollow“) experimentiert auf unserem blauen Planeten mit dem neuartigen Laserspektostrop (was auch immer das sein mag) und befördert Howard durch einen verirrten Energiestrahl von Duck World mitten nach Cleveland!

Dort trifft er auf die aufstrebende Rocksängerin Beverly Switzler (Lea Thompson, „Zurück in die Zukunft“), die gerade von zwei aufdringlichen Fans belästigt wird. Nachdem Howard sie durch sein Quack-Fu (!) retten kann, entwickelt sich zwischen den beiden eine enge Freundschaft (mit Aussicht auf mehr). Doch die vorlaute Ente weiß, dass diese Welt nicht die ihre sein und bleiben darf. Beverly versucht daraufhin gemeinsam mit Doc Jennings und ihrem Bekannten, dem dusseligen Laborassistenten Phil Blumburtt (ja, tatsächlich: Oscar-Preisträger Tim Robbins, „Mystic River“) die Ente auf ihren Planeten zurück zu beamen. Doch zuvor müssen sie die Erde von einem dämonischen Herrscher der Dunkelheit (er nennt sich in der Tat so) befreien, der von Jennings Körper Besitz ergriffen hat und seine nicht minder diabolischen Kumpels aus dem Nexus von Sominus (!) auf die Erde holen will. Um, natürlich, einfach mal alles und jeden zu zerstören, wie es sich eben für sauroneske Diktatoren mit Allmachtsphantasien gehört.

Eine auf zwei Beinen stehende, dauerqualmende und Bier trinkende Ente, die ständig mit sarkastischen Bemerkungen um sich schmeißt und auch mal Ärsche tritt? Was der Marvel Verlag als kurzweilige Persiflage auf Superhelden- und besonders auf Kindercomics andachte, funktionierte in den 1970ern plötzlich besser als erwartet, so dass die Serie allen Erwartungen entgegen Erfolg verbuchen konnte. Dass da nebenbei ein gewisser Megakonzern, der neben einer international bekannten Mausfigur auch eine Entenfigur sehr erfolgreich etablieren konnte, bald mit einer Klage ankam, so dass Marvels Enterich Hosen tragen musste, um Verwechslungen aus dem Weg zu gehen, dürfte keinen verwundern. Doch die Tatsache, dass sich George Lucas, der größte der Jedis und der Initiator der Kaste der Film-Merchandisingmilliardäre, höchstpersönlich für Howards Einstieg ins Kinouniversum verpflichtete, hätte wohl nicht einmal Obi-Wan persönlich erahnen können.

Mitte der 1980er kam der ewige Bartträger Lucas trotz der Megaerfolge um die Sternen- und Indiana Jones-Sagen wegen den Unsummen, die der Bau der Skywalker Ranch verschlang, in gewaltige finanzielle Nöte. Welche Mächte ihn allerdings mit der nicht mehr so populären Comicfigur „Howard the Duck“ (die Serie wurde schon fünf Jahre zuvor, 1981, eingestellt) zusammen brachten, wird die Welt sicherlich nie erfahren dürfen, da Schorsch heutzutage auf die Frage nach dem ungewöhnlichen Comicflop seeehr allergisch reagiert. Der Rest hat aber fast so etwas wie ein Happy-End: nachdem Howard an den Kinokassen böse unterging, musste Lucas seine noch junge ILM Animationsabteilung für grade mal 10 Mille an den Apple-Mitgründer Steve Jobs abtreten, der sie kurzerhand in Pixar umbenannte und damit selbst Kinogeschichte schrieb.

Doch ist die erste hochbudgetierte Marvel-Kinoadaption tatsächlich so mies, dass man sie 1987 für sieben Goldene Himbeeren nominierte (vier davon wurden „gewonnen“) und 1990 gar zum zweitschlechtesten Film der 80er Jahre Dekade wählte? Es liegt mal wieder, wie so oft, an der Perspektive aus der man die wohl merkwürdigste Lucas-Produktion betrachtet. Das Problem von Howards filmischem Einstand ist unübersehbar der Fakt, dass er nicht Geflügel und nicht Fisch ist, da er den höchst zynischen Ton der Comicvorlage nur anstreift und möglichst oft mit kindgerechten Späßen vermischt. Den Spagat zwischen Slapstick-Kinderfilm und bösartigen Erwachsenenunterhaltung zu wagen ist gewiss nur auf den Umstand zurückzuführen, dass man möglichst verschiedene Altersgruppen ins Kino locken wollte.

Wie sonst sind Absurditäten á la Howards Jobsuche beim Arbeitsamt zu erklären, als er aus Beverlys Bude auszieht? Anfangs wundert sich der eine oder andere, dass er mit einer aufrecht laufenden und sprechenden Ente konfrontiert wird, später scheint es aber das Selbstverständlichste von der Welt zu sein. Howard bekommt schlussendlich einen Job im Bordell (!), wo er gebrauchte Handtücher und sonstige Ingredienzien, die man da noch so benötigt, auswechseln muss. Doch damit nicht genug der ach so anstößigen sexuellen Witzchen: Gleich zu Beginn sieht man zweimal entkleidete Entendamen mit großen gefiederten Brüsten (!!). Im wilden Mix mit dem im letzten Drittel wirklich furchteinflößend mutierten Jennings/Overlord ist an der Prämisse einer Familienunterhaltung demnach mehr als nur knapp vorbei geschossen worden. Wer allerdings ein großes Herz für Trashproduktionen hat, wird von dem bunten Treiben tierisch gut amüsiert.

Howards Kostüm soll übrigens zwei Millionen Dollar gekostet haben, doch sieht man es dem putzigen Kerlchen keine Sekunde an. Eher vermutet man ein Kindersuit aus dem Kostümverleih um die Ecke, doch nichtsdestotrotz ist der 70cm große Rabauke um Welten sympathischer und gar ernstzunehmender als die noch kommende galaktische Pixel-Nervensäge Jar-Jar Binks. Apropos verhassteste „Star Wars“-Figur ever: Sie könnte bei ihrer Entstehung eventuell von Tim Robbins Performance inspiriert gewesen sein, denn was der zukünftige Oscar-prämierte Mime von Welt hier als Schauspielerei verkaufen möchte, muss man einfach gesehen haben, um es glauben zu können. Lea Thompson, die in den 80ern so etwas wie ein Jugendidol war, hat trotz monströser Dauerwelle verdammt viel Sympathie unter dem gigantischen Berg von Haaren vorzuweisen, so dass man ihr ihre Sodomie-Vorliebe gerne mal verzeiht. Und Jeffrey Jones darf im letzten Drittel im wirklich überzeugenden Make-Up als herrlich bösartiger Megalomane die Sau rauslassen, ohne dabei lächerlich zu erscheinen.

Zumindest ist das in der englischsprachigen Originalversion so, da man sich bei der deutschen Synchronisation für eine brand´sche Vertonung entschieden hat, welche den Trash-Appeal natürlich noch mehr steigert. Ob der Großteil der Dialoge in der transatlantischen Fassung mehr Sinn ergeben, sei mal so dahingestellt, in der deutschen Fassung bekommt man hingegen wirklich viel groben Unfug zu hören, der aber wirklich viel Spaß macht. Bei seiner Erscheinung mächtig verpönt, heutzutage in gewissen Kreisen zu Recht mit der allseits beliebten Kult-Etikette versehen, darf sich der aufmüpfige Enterich einer kleiner Fangemeinde erfreuen. Lucas, der den Film am liebsten wie das ominöse „Star Wars“-Christmas-Special verschwinden lassen würde, hat ungewollt eine der eigensinnigsten und amüsantesten Comicverfilmungen überhaupt produziert, die bisher übrigens nur in Deutschland auf DVD erschienen ist und das sogar in der ungeschnittenen Fassung! Amüsantes zum Schluss: 1997 gab es bei den Comichäusern Marvel und DC ein Mega-Crossover, bei dem jeweils ein Held aus einem Haus mit einem anderen aus dem Konkurrenzuniversum zusammenschmolz. Unser Howard durfte – natürlich – mit dem verrücktesten Massenmörder der (DC-)Galaxis fusionieren: Lobo!

Wertung: (6 / 10)

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