Hot Rod Circuit – Reality’s Coming Through (2004, Vagrant Records)

hot-rod-circuit-realitys-coming-throughÄhnlich wie bei meinem Schreiber-Kollegen Thomas bei der letzten Platte von HOT ROD CIRCIUT ist „Reality’s Coming Through“ mein erster Kontakt mit der Band. Natürlich kam man nicht um den Namen umher, denn bei Vagrant ist man nicht unbedingt auf einem Underdog-Label unter Vertrag, aber bewusst zu Ohren kam mir die Band bisher nicht. Und so überrascht mich der erste Eindruck beim Hören des Albums auch nicht sonderlich, es geht sehr melodisch zu, das meist mehrstimmig, bester Label-Sound also. Was sich hartnäckig im Hintergrund hält, ist der positive und erfrischende Eindruck der 11 Songs, der sich beim Hören einstellt. Das war beim Vorgänger „Sorry About Tomorrow“ nicht immer der Fall, schenkt man den Kritiken Gehör. Diese schoben die Band in die Emo-Ecke, wo sie angeblich mangels Eigenständigkeit und ausgelatschten Genre-Plattitüden nicht sonderlich herauszustechen wussten.

Das kann man „Reality’s Coming Through“ nicht unbedingt anlasten, denn dazu bieten HOT ROD CIRCUIT in der Richtung nicht genügend Angriffsfläche. Von typischem Emo kann hier auch keine Rede sein, eher geht es in Richtung melodischem Punkrock, mit Gefühl, aber ohne Jammerei, sondern verpackt und arrangiert in vorwärts blickenden und positiv klingenden Stücken. Textlich drehen sich die meisten Stücke um Männlein und Weiblein, die großen und kleinen zwischenmenschlichen Gefühle und innere Konflikte. Wo jedoch so mancher Scheitelträger in Tränen ausbrechen würde, habe ich ein „Should have never happened that way, I made a mistake that changed forever, I don’t know what I’m supposed to say“ („Cheap Trick“) noch nie so beschwingt und frohlockend gehört. Wo andere sogenannte Emo-Bands sich in den Einheitsbrei aus einer Mischung von verzweifelten Schreien und hoffnungslosen, herzerweichenden Melodien stürzen, machen HOT ROD CIRCUIT ein schönes Album, das zur Abwechslung mal Spaß macht und doch nicht aufgesetzt wirkt. Sie erzählen keine famosen Neuigkeiten, erfinden das Rad nicht neu, machen aber eine ordentliche Platte.

Wertung: (6,5 / 10)

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