Hochzeiten und andere Katastrophen (F/BE 2004)

hochzeiten-und-andere-katastrophenLola (Héléne de Fougerolles, „Fanfan der Husar“) liebt Arthur (Jonathan Zaccaï, „Der wilde Schlag meines Herzens“). Und weil zwei befreundete Paare den Bund fürs Leben schließen wollen, bewegt der Zugzwang sie zu gleichem Entschluss. Doch eigentlich ist Arthur am Heiraten gar nicht viel gelegen. Der Treueschwur gerät ins wanken, es folgt die vorläufige Trennung. Als sich die beiden aber auf einer Hochzeit wieder begegnen, entbrennt die Liebe erneut. So geben sie ihre Verlobung bekannt und machen sich an die Bewältigung des steinigen Weges Richtung Traualtar.

„Hochzeiten und andere Katastrophen“ ist ein Lustspiel auf dem formalen Niveau einer Fernsehproduktion. Quasi die Pro Sieben-Eigenproduktion der Woche, nur eben aus Frankreich. Julie Lipinskis Inszenierung ist ansehnlich und wirkt dem Stoff angemessen, bleibt aber relativ profillos und gerade bei den überflüssigen computergetricksten Einschüben ohne rechten Pfiff. Die unverbrauchten Darsteller spielen mit viel Sympathie gegen die Schwächen des grob geschnitzten Plots an. Bei dem folgt Irrung auf Wirrung, worauf sich noch ein schierer Berg gewichtiger Probleme türmt.

Das Geld für eine adäquate Feierlichkeit fehlt. Also muss Arthur den wohlhabenden Vater anpumpen. Das ist ihm peinlich, zumal die Vorstellung der Braut im elterlichen Heim zum Debakel wird. Und dann drängt der Erzeuger auch noch auf einen Ehevertrag. Als würde das nicht reichen, ist Lola noch aus unvernünftigeren Tagen verheiratet, ihr Vater (François Berléand, „The Transporter“) nistet sich vorzeitig bei ihnen ein und der Junggesellenabschied des Bräutigams – nur echt im Frauenfummel – endet, wie auch der sich parallel zuspitzende Damenabend Lolas, im Fiasko.

Die witzig wortreiche Liebeskomödie bedient weitgehend den Standard, hält durch das frische Ensemble aber stets bei Laune. Die Konvention wird nur selten durchbrochen, meist auf erzählerischer Ebene. Inmitten der emotionalen Berg- und Talfahrt richten die Protagonisten das Wort auch schon mal direkt an den Zuschauer. Das sorgt, wie auch manch nicht ganz vorhersehbare Wendung, für Abwechslung im Einerlei der romantischen Posse. Gegen Ende, allen voran in den Turbulenzen des Abends vor der Vermählung, wirkt das Chaos etwas dick aufgetragen, doch versöhnt das Finale mit einem Ausrufezeichen für Freigeister. Die werden denn auch rundum solide bedient, ohne das größeres bereit stünde.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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