Hoboken Hollow (USA 2005)

hoboken-hollowGern rühmen sich Horrorfilme mit der Basis realer Ereignisse. Die Behaftung barbarischer Gräueltaten im Schatten der alltäglichen Wirklichkeit schockiert. Der Mensch als Bestie übt eine weit erschreckendere Wirkung auf das Unterbewusstsein des Publikums aus, als die offenkundig fantasiegeborene Monstrosität. Glen Stephens „Hoboken Hollow“ basiert auf Tonbandaufnahmen, die in der Vergangenheit auf einer Ranch im Westen Texas´ sichergestellt wurden. Die Bänder sind Zeugnisse brutaler Folterungen.

Provinzielle Barbarei ist seit „Blutgericht in Texas“ fester Bestandteil des Genres. Der kulturkritische Subtext des Horrors in den Siebzigern hat sich der Unterhaltungsfunktion graphischer Gewalt unterworfen. Splatter ist zum integralen Bestandteil des Mainstream geworden. Von dem ist „Hoboken Hollow“ nicht nur thematisch weit entfernt. Stephens Beitrag zum Thema Terrorfilm ist ein klassisches B-Movie, ein qualitätsloser Exploiter im Stile von Robert Martin Carrolls „Satanic“.

Die Gewalt steht im Vordergrund, im Zentrum eine Ranch im amerikanischen Niemandsland. Menschen werden dort als Sklaven gehalten, misshandelt, getötet. Ihr Fleisch wird geräuchert als lokale Delikatesse angeboten. Das Szenario ist grotesk, die Bluttaten lächerlich. Gefoltert werden keine Menschen, sondern Schauspieler. Schlechte Schauspieler. Sie zucken, sie zappeln, sie bluten. Aber sie vermitteln nicht das Gefühl, etwas anderes zu sein als Treibgut eines lausigen Filmprojekts.

Aus der vagen Theorie möglicher Ereignisstränge versuchen die Macher Profit zu saugen. Zum Interesse heischenden Zwecke konnten sie namhafte Darsteller für meist unbedeutende Kleinstrollen gewinnen. Dennis Hopper („Texas Chainsaw Massacre 2“), Robert Carradine („The Big Red One“), Michael Madsen („Kill Bill”) und C. Thomas Howell („Soulman”) erweitern ihre Filmografie um ein weiteres Machwerk kreativer Trübnis. Howell ist als White Trash-Sadist mit akuter Zahnfäule noch der akkurateste Akteur.

Inhaltlich bleibt alles ohne Belang oder Zweckmäßigkeit. Sklaven fliehen, Sklaven werden eingefangen. Einer wird mit dem Wagen überfahren, dass sein Augapfel vom Scheibenwischer über das Glas geschleift wird. Der Film ist um verstörenden Fragmentarismus bemüht, fördert aber einzig Unverständnis. Nichts will einen Sinn ergeben. Vor allem nicht die Handlungsmuster der Figuren. Die überflüssigen Off-Kommentare nähren eine Schlusspointe, die nur aus Sicht der Peiniger witzig ist. „Hoboken Hollow“ ist der Hohlraum zwischen den Ohrlappen seiner Hersteller. Ein dummes Machwerk.

Wertung: (3 / 10)

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