Hitchcock (USA 2012)

hitchcockHinter jedem großen Mann steht eine starke Frau. Warum sollte das bei Thriller-Maestro Alfred Hitchcock anders gewesen sein? Um die britische Regie-Legende ranken sich diverse Mythen. Sein Faible für blonde Schauspielerinnen ist kein Geheimnis und auch ihre Drangsalierung am Set weitreichend bekannt. Die soll während der turbulenten Dreharbeiten zum Meilenstein „Psycho“ jedoch eine besondere Qualität entwickelt haben. Stephen Rebello hat darüber ein Buch geschrieben, das „Anvil!“-Regisseur Sacha Gervasi als Inspiration für „Hitchcock“ diente. Der jedoch arbeitet sich nicht einfach an Fakten und Spekulationen ab, sondern bedient sich inszenatorischer Werkzeuge des Spannungsspezialisten, die der liebevollen Hommage eine insgesamt wunderbar ironische Note verleihen.

Oscar-Preisträger Anthony Hopkins („Das Schweigen der Lämmer“) spielt den beleibten Virtuosen mit Fatsuit und Gesichtspolsterung. Das wirkt auf den ersten Blick etwas künstlich, doch welcher Schauspieler verfügt schon über Ähnlichkeit zu Alfred Hitchcock? Nicht allein von diesem Standpunkt aus betrachtet ist die Oscar-nominierte Arbeit der Maskenbildner gelungen. Den Rest erledigt der großartige Hopkins, der sich dem Original in Gestik und Mimik sehenswert nähert. Ähnliches leistete er bereits beim Biopic „Nixon“. Aber genug vom großen Mann, denn es soll ja auch um die Frau an seiner Seite gehen, namentlich Alma Reville (nicht minder einnehmend: Oscar-Preisträgerin Helen Mirren, „Die Queen“). Sie ist nicht allein moralische Stütze des naschsüchtigen Hitchcock, sondern auch kreativer Fels in der Brandung.

Und der ist bei den Arbeiten an „Psycho“ erforderlicher denn je. Nach Erscheinen des gleichnamigen Romans von Robert Bloch sicherte sich Hitchcock 1959 die Rechte an einer Verfilmung. Um das Ende der Geschichte geheim zu halten, kaufte er so viele Exemplare wie möglich auf. Er wollte etwas Neues schaffen, etwas nie Dagewesenes. Die Geschichte des mörderischen, von einem stilbildenden Mutterkomplex geplagten Moteliers Norman Bates kam ihm da gerade recht. Das produzierende Studio Paramount jedoch war anderer Meinung und mischte sich aus Angst vor Zensur und Kontroversen ein. Soweit zur Filmhistorie. Die Spekulation dahinter zeigt Hitchcock um eine Affäre seiner Frau mit Drehbuchschreiber Whitfield Cook (Danny Huston, „Children of Men“) besorgt, was zu absurden Psycho-Spielchen führt.

Während er selbst den Leidenden mimt, gibt er den Druck während der Dreharbeiten an Janet Leigh (Scarlett Johansson, „Wir kaufen einen Zoo“) weiter, deren Filmpartnerin Vera Miles (Jessica Biel, „Total Recall“), Star aus Hitchcocks „Der falsche Mann“, ein Lied davon singen kann. So geht es hin und her, bis Dreh und Film in Gefahr geraten und Alma zur Rettung ausholt. Das ist insgesamt angenehm verschroben und mit beachtlichem ausstatterischem Detailreichtum serviert. Die Zelebration der berühmten Duschszene, erst beim Dreh und letztlich bei der mit großem Marketing-Geschick befeuerten Filmpremiere, ist nur ein Beispiel für die Verschmelzung von Fakt und Hommage auf Meta-Ebene, der „Hitchcock“ mit seinen eigenen Mitteln Tribut zollt. Das mag insgesamt etwas flüchtig und obendrein vornehmlich auf den Geschmack eines filminteressierten Nischenpublikums zugeschnitten sein, an der Qualität von Intention, Darstellerleistungen und Unterhaltungswert ändert das jedoch nichts.

Wertung: (7 / 10)

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