High School Confidental (USA 2005)

high-school-confidentialFilme über die Schulzeit sind beliebt. Hansi Kraus amüsierte bereits in den späten 60ern ganz Deutschland mit seichtem Humor und auch in der Traumfabrik hat die High School-Zeit einen besonderen Stellenwert. Meist geht es in derlei Filmen recht schamlos zur Sache, der Ekelfaktor bzw. die Peinlichkeitsgrenze will schließlich getoppt werden. Eine kleine Ausnahme stellt „High School Confidental“ dar, der klassische Genre-Muster mit schwarzem Humor paart.

Die fünfzehnjährige Kimberley (Evan Rachel Wood) möchte einmal im Leben groß heraus kommen und ihr größter Wunsch ist es, Schauspielerin zu werden. Ihr Umfeld jedoch unterstützt sie bei ihrem Vorhaben nur bedingt. Mit ihrem Freund pflegt sie mehr eine Art einseitige Zweckbeziehung, zu ihrem Vater Hank (James Woods) hat sie keinerlei enge Beziehung und ihre Stiefmutter ignoriert sie wohlwollend. Einzig mit ihrer besten Freundin Brittany (Elisabeth Harnois) pflegt sie ein normales Verhältnis, die mit Kimberleys Ex-Freund Troy (Stark Sands) zusammen ist. Zudem nimmt sie sich der neuen Schülerin Randa (Adi Schnall) an und bemüht sich, dieser das amerikanische High School-Leben näher zu bringen. Als größten Stolperstein auf ihrem Weg zur Schauspielerei sieht sie ihren Lehrer Mr. Anderson (Ron Livingston) an, der ihr auf Druck des Direktors die Hauptrolle im aktuellen Theaterstück verweigert. Auch ihre Mitstreiterinnen Brittany und Randa haben so ihre Probleme mit dem Lehrer, so dass dieser kurzerhand von allen dreien der sexuellen Belästigung bezichtigt wird. Der Prozess entwickelt sich zum landesweiten Medienspektakel, bei dem die clevere Kimberley alles bis ins kleinste Detail geplant hat.

Als schwarze Komödie wird „High School Confidental“ vom Verleih verkauft, nicht zu ganz Unrecht, denn zart besaitete Gemüter könnten an manchen Stellen schon die Augen verdrehen. Regisseur Marcos Siega – der bislang weitgehend durch TV-Produktionen auffiel – vernachlässigt getrost jedwedes Feingefühl, wenn es um Rassen oder Glaubensrichtungen geht. Sein Film schäumt über von Vorurteilen gegenüber Juden und Arabern, jedes erdenkliche Klischee wird aufgenommen. Vor allem James Woods darf über seine jüdischen Geschäftspartner nach allen Regeln der Kunst herziehen, während seine Filmtochter Evan Rachel Wood („Dreizehn“, „The Missing“) der neuen arabischen Schülerin die große weite Welt erklärt, wenn auch nicht in ganz so verbaler Härte wie Woods.

Ein normaler Teenie-Film ist „High School Confidental“ zwar nicht, allerdings kommt die bös gewollte Satire auch nicht komplett um dieses Genre herum. Ihm fehlt es zwar nicht an vulgären Obszönitäten und sexuellen Anspielungen, doch auf eine Stufe mit flachem Pennälerhumor wie in „American Pie“ oder „Road Trip“ darf man den Film nicht stellen. Er behandelt Teenager-Ängste, verpackt diese nur in teilweise zynischen und völlig übertriebenen Humor. Letztlich geht es um Anerkennung, Geborgenheit und Liebe, was jedoch nicht immer ersichtlich ist und häufig nur beiläufig Erwähnung findet, bspw. wenn Hauptdarstellerin Evan Rachel Wood kurz mit ihrer Mutter telefoniert. Wood bringt als Mini-Vamp alles mit, was man braucht, einzig das unschlagbare Äußere lässt sie ein wenig vermissen. Dahingehend wirkt sie fast zu „normal“, trägt die Geschichte durch ihre Kühle Art aber locker.

Unschlagbar sind die Hasstiraden von James Woods („Getaway“, „Es war einmal in Amerika“), der seine komplette Umwelt binnen Sekunden in die Steinzeit spielt. Dennoch hätte man aus einigen Charakteren mehr herausholen können. Evan Rachel Woods Filmfreund wäre für mehr Spielraum gut gewesen, gleiches gilt für die relativ verschenkte Selma Blair („The Fog“, „Cruel Intentions“), die im Grunde gar nicht stattfindet. Das Motiv für das Handeln der Hauptprotagonistin verwundert gen Ende – trotz aller Offensichtlichkeit –, denn erst dann ergeben Teile des Films einen näheren Sinn und offenbaren ein wahrlich bitteres Finale.

Wertung: (7 / 10)

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