Hide and Seek – Kein Entkommen (ROK 2013)

hide-and-seek-2013Zuhause fühlen sich Menschen sicher. In der Geborgenheit der eigenen vier Wände ist man – soweit das subjektive Empfinden – vor allen negativen äußeren Einflüssen abgeschottet. Entsprechend verstörend ist das Eindringen anderer in die Privat- und Intimsphäre. Aus dieser Urangst destilliert der südkoreanische Psycho-Thriller „Hide and Seek“ ein hohes Spannungsmaß und variiert den Home Invasion-Ansatz zwischen Familiendrama und radikalem Mietnomadentum. In seinem Heimatland landete Regisseur und Autor Jung Huh damit einen Kassenschlager. Es sollte schon schwer wundern, wenn dem nicht bald ein Hollywood-Remake folgt.

Café-Betreiber Seong-soo (Hyeon-ju son, „Devil’s Game“) lebt mit Frau Min-ji (Mi-seon Jeon, „Mother“) und den beiden gemeinsamen Kindern in einem bewachten Seouler Wohnkomplex. Viele sorgen treiben den Familienvater nicht um. Höchstens sein Reinlichkeitstick. Allein die Vorstellung von Schmutz setzt ihm zu und führt zu Alpträumen. Entsprechend schwer fällt es ihm, eine marode Mietskaserne außerhalb der Stadt zu besuchen. In der liegt die Wohnung von Seong-chul Baek, dessen Eltern Seong-soo als Kind adoptierten. Nur zogen die ihn dem leiblichen Sohn vor, den durch falsche Schuldzuweisungen seitens Seong-soo die familiäre Entwurzelung ereilte. Es wäre nach Jahren, in denen einzig Seong-chul die Kontaktaufnahme versuchte, die erste Begegnung der beiden.

Doch Seong-chul ist verschwunden und da der heruntergekommene Plattenbau am Hafen abgerissen werden soll, muss Seong-soo die Wohnung auflösen. Dass es in dem Gebäude wenig gastlich zugeht, unterstreicht bereits der Auftakt, bei dem eine junge Frau in ihrer Wohnung von einem Unbekannten mit Motorradhelm erschlagen wird. Viele Mieter sind nicht geblieben. Eine ist die alleinerziehende Joo-hee (Jung-Hee Moon, „Troubleshooter“), die bei Seong-soos Fragen nach dem Verbleib des Bruders panisch reagiert. Das Gefühl der Bedrohung bleibt aber nicht allein auf das ärmliche Viertel beschränkt. Denn kurz darauf wird die Familie im Umkreis der eigenen Wohnung zum Ziel perfider Attacken. Für Seong-soo kommt als Täter nur einer in Frage.

Die Hintergründe sind in ihrer dramatischen Ausprägung schnell aufgezeigt. Doch die gesamte Dimension des Terrors erschließt sich erst am Ende, wenn der behelmte Mörder ein Gesicht erhält. Damit fällt die Anspannung zwar einmal mehr ab, der Weg zum bösen Finale wird aber durch falsche Fährten und mit Mottenkugeln in Plastikfolie eingeschlagene Leichen geebnet. Die Herangehensweise ist fraglos konventionell und auch ein wenig konstruiert, wenn der auswärtige Schrecken ins behütete Milieu eindringt. Die Ausarbeitung aber ist höchst effektiv, was Kamera und Schauspielerleistungen mit einschließt. Im Aufbau ruhig, in der bedrohlichen Zuspitzung zunehmend nervenzerrend – ein sehenswerter Thriller.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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