Der Herr der Ringe – Die zwei Türme (NZ/USA 2002)

der-herr-der-ringe-die-zwei-tuermeEin langes Jahr bitterer Wartezeit geht zu Ende und gibt endlich den Weg frei für Teil zwei von Peter Jacksons famoser Adaption des J.R.R. Tolkien-Monunmental-Werkes „Der Herr der Ringe”. Und das ultimative Fantasy-Abenteuer „Die zwei Türme” steht dem begnadeten Auftakt der Saga wahrlich in nichts nach. Aber alles der Reihe nach… Wir erinnern uns, am Ende von „Die Gefährten” zerfiel die Gemeinschaft des Ringes an den Furten des Anduin. Ringträger Frodo Beutlin (Elijah Wood, „The Faculty”) und sein treuer Weggefährte und Gärtner Sam Gamdschie (Sean Astin, „Die Goonies”) sind bemüht, sich auf eigene Faust Richtung Mordor durchzuschlagen. Ziel der Reise bleibt der Schicksalsberg, in dessen loderndem Feuer der eine Ring endgültig vernichtet werden soll, um Mittelerde von Saurons Joch zu berfreien. Doch Eile ist Geboten, denn der Dunkle Herrscher formiert seine Truppen zu einem alles entscheidenden Schlag gegen die freien Völker Mittelerdes. Tatkräftig unterstützt wird er vom abtrünnigen Zauberer Saruman (Christopher Lee, „Star Wars: Episode 2″).

Dieser greift von seinem mächtigen Turm in Isengard aus nach der Macht über das angrenzende Königreich Rohan. Zu diesem Zweck wird dem dortigen Herrscher Theoden (Bernhard Hill, „Titanic”) der durchtriebene Berater Grima Schlangenzunge (Brad Dourif, „Der Wüstenplanet”) gesandt. Und während Theoden dem Banne Sarumans verfällt, rüsten sich die eigens herangezüchteten Super-Orks in Isengard zum Angriff auf Rohan. Unterdessen passieren auch die Gefährten Aragorn (Viggo Mortensen, „G.I. Jane”), Legolas (Orlando Bloom, „Fluch der Karibik”) und Gimli (John Rhys-Davies, „Sliders”) die Grenzen Rohans, auf der Jagd nach den Uruk-Hais, die die Hobbit-Gefährten Pippin (Billy Boyd) und Merry (Dominic Monaghan) verschleppt haben. Doch die garstigen Orks werden von Eomer (Karl Urban) und seinen Kriegern zu Pferde im Schutze der Nacht zur Strecke gebracht. Im Verlaufe des Scharmützels gelingt Merry und Pippin die Flucht in den angrenzenden Wald von Fangorn, wo sie schon bald die Bekanntschaft des Ents Baumbart, einem wandelnden und sprechenden Baumwesen, machen.

Auf der Suche nach den versprengten Hobbits begegnen Aragorn, Legolas und Gimli dem nach seinem vermeintlichen Tode in den Minen Morias wiedergeborenen Zauberer Gandalf (Ian McKellen, „X-Men”), der sie an den Hofe König Theodens begleitet. Gandalf gelingt es, Sarumans Bann zu brechen und den König Grimas Einfluss zu entreißen. Der drohenden Gefahr entgegenblickend, ziehen sich Theoden und seine Untergebenen in die Hornburg bei Helms Klamm zurück. In der Zwischenzeit hat sich Frodo und Sam das schizophrene Geschöpf Gollum (Andy Serkis) als Verfolger offenbart. Nach einem gescheiterten Versuch, den Ring an sich zu reißen, erklärt sich die deformierte Kreatur bereit, die Hobbits über unbewachte Pfade nach Mordor zu schleusen. Doch der erhoffte Weg durch das dunkle Tor ins innere der zerklüfteten Gebirgsmassive Mordors stellt kein überwindbares Hindernis dar, so dass Frodo, Sam und Gollum nach Ithilien aufbrechen.

Dort werden sie von Faramir (David Wenham), dem Bruder des gefallenen Boromir, als vermeintliche Spione gefangen gesetzt. Der Waldläufer führt mit seinen Mannen einen fast aussichtslosen Guerillakrieg gegen Saurons Heer und erhofft sich durch den Einsatz des einen Ringes wie einst sein Bruder die entscheidende Wende im Kampf um das Königreich Gondor. In den Trümmern von Osgiliath jedoch offenbart der Ring seinen wahren Charakter. Unterdessen rüsten sich die Mannen um König Theoden in Helms Klamm für den unausweichlichen Kampf gegen die übermächtig erscheinenden Heerscharen der Orks. In Fangorn wollen Merry und Pippin die Ents zum Eingreifen in den Krieg bewegen. In der Schwere dieser Zeit kommen sich Eowyn (Miranda Otto), Nichte des Königs, und Aragorn näher, doch ist dessen Herz längst an die unerfüllte Liebe zur unsterblichen Elbin Arwen (Liv Tyler, „Eine Nacht bei McCools”) gebunden. Gandalf, dem strategischen Rückzug Theodens wenig Vertrauen entgegenbringend, zeigt sich in der Zwischenzeit bemüht, die Hilfe von Eomer und seinen Mannen einzuholen. Jedoch sinkt die Hoffnung in der eingeschlossenen Hornburg Stunde um Stunde.

Meisterlich und in erlesenen Bildern fügt Peter Jackson die drei parallel, im Gegensatz zum ersten Teil nicht chronologisch ablaufenden Handlungsstränge zusammen und zelebriert nach dem eher gemächlichen Auftakt in „Die Gefährten” (vor allem in der Langfassung) mit „Die zwei Türme” den fulminant in Szene gesetzten Auftakt des alles entscheidenden Krieges um Mittelerde. Im Zuge dessen offenbart Jackson erneut ungahnte Fähigkeiten bezüglich des Zusammenhaltes der gigantischen Crew und zeigt einmal mehr, warum er der goldrichtige Verwirklicher von Tolkiens komplexem Fantasy-Epos ist. Von grandioser erzählerischer Dichte weist der Film seine einzigen Schwächen in jenen Sequenzen auf, die von der Vorlage abgewandt ins Geschehen eingefügt wurden. So erscheint Aragorns eingestreuter vermeintlicher Tod etwas fehl am Platze, da man seiner ohnehin zu großer Bedeutung bemessenen Beziehung zur Elbenfrau Arwen auch anders hätte Ausdruck verleihen können. Darüber hinaus wirkt auch Frodos und Sams Ausflug im Gepäck von Faramirs Mannen ins zerstörte Osgiliath zu gewollt.

Doch sind dies nur Kleinigkeiten im Gefüge eines großartigen Films, der gleichermaßen fesselt und fasziniert. Das liegt diesmal noch ein Stück weniger an den guten Darstellern, sondern vielmehr an den brillanten Arbeiten der Maskenbildner und Computerspezialisten. Denn Akzente setzen (auch) die unzähligen Orks, Goblins und Trolle, die furchteinflößenden Flugechsen der Ringgeister, die mächtigen Olifanten der wilden Haradrim oder die liebevoll animierten Ents, vorlagengetreu charakterisierte Waldhüter jenseits des nervigen Jar-Jar Binks-Fiaskos. Und natürlich der den meisten menschlichen Akteuren die Schau stehlende Gollum, ehemaliger Ringträger und Kreatur zwischen abstoßend und mitleiderregend. Gollum bildet das Herzstück der grandiosen Computereffekte und setzt im Bezug auf Animation glatt neue Maßstäbe. Dies ist in der Hauptsache der Arbeit von Darsteller Andy Serkis zuzuschreiben, der Gollum neben der Stimme – durch Motion Capturing – auch den Körper leiht.

Hier wird nicht nur eine fantastische Geschichte erzählt, hier wird der Geist von Tolkiens Mittelerde visualisiert. Zwar unterscheidet sich Jacksons aus finanzieller Sicht verständlicherweise auf ein mitunter rasches Fortschreiten der Handlung bedachter Erzählstilismus von Tolkiens schwelger- wie schwärmerischem Duktus, doch versteht es der Regisseur meisterlich diese Kluft zu überwinden, indem er trotz verändertem Betrachtungswinkel kaum vom wesentlichen Kern der Vorlage abweicht. Der Film schreitet ohne Längen voran, um schließlich in die monumentale Schlacht um Helms Klamm zu münden. Auch im Bezug auf epische Leinwandschlachtgetümmel setzt „Die zwei Türme” neue Maßstäbe. Doch bildet im Gesamtkontext betrachtet die Fülle an grandiosen Effekten lediglich den formalen Kern. Die guten darstellerischen Leistungen und die vorzüglichen Arbeiten am Rechner werden unter Peter Jacksons fulminanter Regiearbeit geeint, zu keiner Zeit wirkt der Mittelteil der Trilogie Effektüberladen oder droht gar unter diesem Bombast zu verschwinden. So ist „Die zwei Türme” die Fortsetzung einer epochalen Geschichte, umgesetzt in eine der Vorlage jederzeit würdigen Verfilmung. Daran hätte todsicher auch Tolkien selbst seine helle Freude gehabt.

Wertung: 8.5 out of 10 stars (8,5 / 10)

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