Der Herr der Ringe – Die Gefährten (NZ/USA 2001)

der-herr-der-ringe-die-gefaehrtenEndlich ist es soweit, das Warten hat ein Ende! Nach einer etwa fünf Jahre dauernden Vorbereitungsphase, einer Drehzeit von zwei Jahren und einem Budget von über 600 Millionen D-Mark präsentiert Peter Jackson die Verfilmung von J.R.R. Tolkiens Fantasy-Epos „Der Herr der Ringe”. Versuchen wollten es viele und sogar der geniale Stanley Kubrick kapitulierte vor der Komplexität des Werkes, das eigentlich als unverfilmbar galt. Underground-Comicfilmer Ralph Bakshi („Feuer und Eis”) adaptierte Teile der ersten beiden Bände von Tolkiens Trilogie 1977 für einen gleichnamigen Trickfilm. Der schusterte relevante Handlungsfetzen grob aneinander, konnnte der gigantischen Vorlage jedoch in keinster Weise genügen.

Die Nachricht einer geplanten Realverfilmung stieß gemeinhin auf Wohlwollen, aber auch Skepsis. Die hing insbesondere an der Personalie Peter Jackson. Doch scheint er genau der richtige Regisseur zu sein, um sich Tolkiens Epos anzunehmen. Denn immerhin hatte Jackson die Gratwanderung vom Macher fantasievoller wie blutrünstiger Gore-Streifen („Braindead”) zum Mainstream-Regisseur („The Frighteners”) mit Zwischenstopp in den Gefilden anspruchsvoller Unterhaltung („Heavenly Creatures”) mit achtbarem Erfolg gemeistert. Das Ergebnis der Umsetzung des von vielen Fans als „Fantasy-Bibel” bezeichneten Buches prasselt nun als fast dreistündiger Bildersturm von der Leinwand auf das Publikum hernieder. Der ewige Kampf Gut gegen Böse präsentiert sich hier in immens ausgestattetem Gewand, dargestellt von mitunter perfekt an der Vorlage agierenden Darstellern.

Zu ihnen gehören Ian McKellen („Gods and Monsters”) als weiser Magier Gandalf oder Elijah Wood („The Faculty”) als Ringträger Frodo. Der Film beginnt mit der Erzählung der Vorgeschichte und begibt sich in Zeiten des Krieges und des Falls des dunklen Herrschers Sauron. Es wird berichtet, wie der Ring der Macht, abgetrennt von Saurons Hand, über zwei Jahrtausende seinen Besitzer wechselt, bis er beim Hobbit Bilbo Beutlin (Ian holm, „Time Bandits”) landet, der ihn mehr als 60 Jahre verwahrt und an seinem 111. Geburtstag an seinen Neffen Frodo weitergibt. Er ist es, der dazu veranlasst wird, den einen Ring mit Hilfe einer Schar auserkorener Gefährten im Schicksalsberg im Lande Mordor zu vernichten. Anlass dafür gibt das Erstarken Saurons, der ganz Mittelerde mit Krieg überzieht, um jenen Ring zurückzubekommen, der ihm uneingeschränkte Macht verleihen würde.

Mit viel Liebe zum Detail wird der (eigentliche) Anfang der Geschichte, das pompöse Fest anlässlich Bilbos Geburtstag, erzählt. Auch wird das Verhältnis der Figuren zueinander gut ausgearbeitet und die Macht des Ringes auf seinen Träger hervorragend dargestellt, dazu Kürzungen an den richtigen Stellen durchgeführt. Als sich Frodo auf Gandalfs drängen hin mit seinen Hobbit-Getreuen Sam (Sean Astin, „Die Goonies”), Merry (Dominic Monaghan) und Pippin (Billy Boyd) nach Bruchtal aufmacht, dicht gefolgt von den Nazgul, Saurons Häschern, häufen sich die Streichungen von Passagen der Vorlage. Die Hobbits entkommen ihren Verfolgern mit Hilfe des Waldläufers Streicher (Viggo Mortensen, „Daylight”), der sie zu einer Versammlung im Hause des Elbenfürsten Elrond (Hugo Weaving, „Matrix”) führt. Auf dem Weg dorthin wird Frodo bei einem Angriff der Nazgul schwer verwundet und nur durch die Hilfe der Elbin Arwen (Liv Tyler, „Armageddon”) gerettet. In Elronds Haus bildet sich nach Frodos Genesung die Schar der Gefährten und es wird der Entschluss gefaßt, den Ring zu zerstören. Der Beginn einer beschwerlichen und verlustreichen Unternehmung.

Peter Jackson hat einen Film geschaffen, der einem des öfteren den Mund vor Erstaunen offen lässt. Man merkt dem Werk das Bemühen jederzeit an, der Vorlage gerecht zu werden. Das gelingt über weite Strecken, wenn der durchweg langsame Erzählstil Tolkiens und der gemächliche Handlungsaufbau, im Buch stark stimmungserzeugend, durch Hollywoods Verlangen nach Tempo und einem Vorantreiben der Handlung auch ein Stück wegrationalisiert wird. Ebenso bleiben die Anfangs gut herausgearbeiteten Beziehungen der Charaktäre untereinander im Verlauf der Geschichte ein wenig auf der Strecke. Das betrifft insbesondere die simplifizierten Rollen von Gimli dem Zwerg (John Rhys-Davies, „Indiana Jones”) und Legolas dem Elb (Orlando Bloom, „Black Hawk Down”). Dafür wird mehr Augenmerk auf den abtrünnigen Zauberer Saruman (Christopher Lee, „Dracula”) gelegt, der sich Saurons Zielen unterworfen hat.

Natürlich fällt die richtige Gewichtung einer derart komplexen Geschichte schwer. Der Besuch in Elronds Haus, verbunden mit der anschließenden Beratung und vor allem der Aufenthalt der Gefährten in der Elbenregion Lothlorien etwa werden recht schnell abgehandelt. Dafür entschädigen die Durchreise der unterirdischen Zwergenstadt Moria und das finale Scharmützel mit den Orks am großen Strom samt Zerfall der Gruppe durch Detailverliebtheit und inszenatorische Perfektion. Ausstattung und Schauspieler, darunter Sean Bean („James bond – GoldenEye”) als Boromir, überzeugen auf ganzer Linie. Trotzdem könnte man stundenlang darüber sinnieren, ob die Visualisierung eines der meistgelesenen und beliebtesten Bücher gelungen ist oder nicht. Fest steht, dass Peter Jackson einen großen Film geschaffen hat, der den Geist Tolkiens packend auf die Leinwand bringt. Dass die Millionen Fans der Bücher kritischen Blickes an die Sache herangehen, war sowieso von Beginn an klar.

Wertung: (8,5 / 10)

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