Herbie: Fully Loaded – Ein toller Käfer startet durch! (USA 2005)

herbie-fully-loadedWem haben die Filme mit dem kleinen Käfer Herbie nicht in seiner Kindheit unzählige schöne Stunden vor dem Fernseher beschert? Dies haben sich wohl auch die spitzfindigen Bosse bei Disney gedacht, die kurzerhand etliche Millionen vom prall gefüllten Bankkonto abhoben und ein zeitgemäßes, wenn auch irgendwie überflüssiges Remake des 70er Jahre Kinospaßes auf die Beine stellten.

Natürlich ist auch Maggie Peyton (Lindsay Lohan) mit einem Rennfahrer-Gen behaftet, schließlich ist ihr Vater Ray Senior (Michael Keaton) ein ehemals erfolgreicher Rennfahrer gewesen und auch ihr Bruder Ray Junior (Breckin Meyer) sitzt mehr in einem Auto denn woanders. Allerdings bemüht sich das Familienoberhaupt Ray Senior weitgehend, seine schützende Hand über seinen kleinsten Sprössling zu halten, die seiner Meinung nach mit Rennfahrern möglichst wenig zu tun haben soll. Nach ihrem bestandenen College-Abschluss bekommt Maggie aber ein Geschenk und darf sich für kleines Geld ein schmuckes Auto kaufen.

Ihre Wahl fällt letztlich auf einen kleinen weißen Käfer, der nur knapp der Schrottpresse entgangen ist und einen „Mitbewerber“ unsanft entsorgt. Die Skepsis von Maggie ist zu Beginn groß und vor allem, nachdem das Auto ein gewisses Eigenleben entwickelt, würde sie dieses am liebsten umtauschen. Doch mit ihrem alten Schulfreund Kevin (Justin Long) schraubt sie fleißig am Auto herum und nimmt auch an Autorennen teil, nachdem sie bemerkt, wie viel Power hinter ihrem Gefährt eigentlich steckt. Zuerst belächelt, kann sie aber schnell den amtierenden wie überheblichen NASCAR-Champion Trip Murphy (Matt Dillon) in seine Schranken weisen. Dieser sieht seinen guten Ruf mehr als gefährdet und beide stehen sich, gegen den Willen ihres Vaters, bei einem offiziellen NASCAR-Rennen gegenüber.

Nur weil man früher auf die lustigen Abenteuer des ungewöhnlichen VW-Käfers abgefahren ist, sollte man sich diesen vornehmlich für die jüngeren Zuschauer konzipierten Film nicht zwingend antun. Kinder werden an diesem völlig harmlosen Spaß ihre helle Freude haben, schließlich blinkt und kracht es an allen Ecken und Kanten und wenn Matt Dillon von hinten eine Tür ins Kreuz schlägt, hält sich alles zwischen fünf und zehn den Bauch vor lachen. Sicherlich ist dieser Neuaufguss des damals niedlichen Themas recht nett in Szene gesetzt, doch fehlt es „Herbie: Fully Loaded“ einfach an Charme und der nostalgische Aspekt kommt definitiv zu kurz.

Mit Lindsay Lohan („Freaky Friday“, „Girls Club“), die sich zuletzt auch recht erfolgreich als Sängerin versuchte, hat der Film die richtige Hauptdarstellerin, die die Mischung aus kindlicher Naivität und Draufgängertum hervorragend mit ihrem sympathisch unschuldigen Teenagergesicht paart. Dass sie auch anders als die kleine von nebenan kann, zeigt sie dann an anderer Stelle in ihren Musikvideos. Michael Keaton („Batman“, „Vier lieben Dich“) als ihr Vater hat eine recht unspektakuläre Rolle, agiert aber wie so häufig wie der nette Onkel von nebenan. Matt Dillon („Wild Things“, „Verrückt nach Mary“) ist in den letzten Jahren ein wenig untergetaucht und auch wenn ihn diese Rolle als „Bösewicht“ sicherlich nicht nach oben spülen wird, überzeugt er als überheblicher Rennfahrer. Justin Long („Jeepers Creepers“, „Voll auf die Nüsse“) wirkt ein wenig deplaziert, ist aber letztlich auch ein „Netter“, da lässt man nichts drankommen. Öfter, weil auch immer nett, hätte ruhig Breckin Meyer („Clueless“, „Road Trip“) in Erscheinung treten können, hier agiert er beinahe teilnahmslos neben dem Rest der ordentlichen Darstellerriege.

Ein Kinobesuch, der guten alten Zeiten zuliebe, ist wohl nur angebracht, wenn auch Kinder mit im Spiel sind. Ansonsten dürfte man sich schon sehr verloren im Kino vorkommen. Irgendwie ganz nett, doch eben ohne den Charme der Originale und irgendwie auch nur leidlich amüsant.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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