Hellsongs – Minor Misdemeanors (2011, Tapete Records)

hellsongs-minor-misdemeanorsWie langlebig ist das Konzept der stilfremden Coverversion? Mit ihrer famosen ersten Platte „Hymns in the Key of 666“ etablierten HELLSONGS den Lounge-Metal und übersetzten mit ihm populäre Klassiker des Schwermetalls in die zart melancholische Ader des geschmeidigen Indie-Pops. Singer-/Songwriter-Charme inklusive. Der Nachfolger „Minor Misdemeanors“ knüpft nahezu nahtlos an den Erstling an. Mit dem Unterschied, dass Sängerin Harriet Ohlsson in der Zwischenzeit von Siri Bergnéhr ersetzt wurde – und die Band mit „Rubicon Crossings“ sogar einen eigenkomponierten Song präsentiert. Der gefällt, rückt als Exot ohne Rückendeckung durch die metallene Vorgeschichte aber etwas in den Hintergrund.

Hinter „Hymns…“ bleibt der zweite Streich, das wird schnell klar, zurück. Das liegt nicht unbedingt daran, dass sich das Konzept der einschneidenden Neuinterpretationen bereits erschöpft hätte. Vielmehr ist das qualitative Ungleichgewicht des zarten musikalischen Überbaus größer geworden. Das zeigt sich vor allem an „Welcome to the Jungle“ (GUNS N` ROSES) und „School’s Out“ (ALICE COOPER), die überraschend banal wirken und den ohnehin abgeschmackten Hits auch durch die instrumentale Verkleidung keine neuen Reizpunkte verleihen können. Auch das munter poppige „Heaven Can Wait“ (IRON MAIDEN) fällt trotz hoher Eingängigkeit in diese Sparte.

Ganz anders der folkig angehauchte Opener „Skeletons of Society“ (SLAYER), der so auch hätte auf dem Erstling Einzug halten können, das angenehm reduzierte „Walk“ (PANTERA) oder das beschwingt jazzige „I Wanna Be Somebody“ (WASP). Emotional zu Hochform laufen die Göteborger auf, wenn sie den ausgelutschten Evergreens „United“ (JUDAS PRIEST) und „Youth Gone Wild“ (SKID ROW) mit Feingefühl und dramatischer Zuspitzung eine neue Seele verleihen. Solche Höhepunkte machen auch „Minor Misdemeanors“ zum echten Erlebnis. Gemessen am Vorgänger aber sind es der in relativer Wirkungslosigkeit verpuffenden Beiträge einfach zu viele. Wie lange HELLSONGS das Interesse des Publikums noch wecken können bleibt abzuwarten. Aber ungeachtet manch verzichtbarer Ausschläge kann das Fazit nur lauten: Lang lebe der Lounge-Metal!

Wertung: (7 / 10)

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