Hellsongs – Hymns in the Key of 666 (2008, Despotz Records)

hellsongs-hymns-in-the-key-of-666Der Name HELLSONGS klingt abgründig, geradezu teuflisch. Tatsächlich spielt die schwedische Band Metal. Das heißt, eigentlich spielt sie lediglich populäre Metal-Songs und arrangiert diese nach eigenem Gusto neu. Von Tempo und Härte befreit, erstrahlen die Hits in oft reduziertem Indie-Pop-Gewand neu. Lounge-Metal nennen die Urheber ihren Stil selbst. Neu ist das Konzept nicht, man denke allein an APOCALYPTICA und ihre Näherung an klassische Kaliber des Rocks. Doch neu wollen HELLSONGS auch gar nicht sein. Eher eigenwillig, sympathische Wanderer zwischen den Welten. Das kommt an. Auch bei denen, die den Originalversionen und ihren Interpreten die Treue halten.

Sie, die langhaarigen Jeansjackenträger mit sorgsam aufgenähtem Patch-Repertoire, findet man auf HELLSONGS-Konzerten in den vorderen Reihen, wo die bekannten Stücke mitgesungen und das wallende Haupthaar standesgemäß geschüttelt wird. Es kommt nicht auf die Verpackung an, entscheidend ist der Inhalt. Ihm, respektive den Texten, verleihen die Cover-Musiker neuen Ausdruck und potenzieren nicht selten die aus ihnen schreiende Verzweiflung. „Hymns in the Key of 666”, das Debütalbum der Göteborger, vereint Evergreens von IRON MAIDEN („The Trooper”, „Run to the Hills”) über SLAYER („Seasons in the Abyss“), TWISTED SISTER („We’re Not Gonna Take It”) bis hin zu AC/DC („Thunderstruck”).

Ohne Kenntnis der Lyrics ist es auf Anhieb allerdings nur schwer möglich, die originäre Kreativkraft hinter den einzelnen Nummern zu erkennen. Zart und fragil nehmen sich HELLSONGS den Stücken an und verleihen ihnen emotionales Gewicht. Die Stimme von Sängerin Harriet Ohlsson (mittlerweile ersetzt durch Siri Bergnéhr) schmiegt sich perfekt an die desperaten Stimmungslagen der düsteren Geschichten an und interpretiert sie auf betörende Weise neu. Sicher funktioniert das Album auch ohne Kenntnis der adaptierten Hits. Doch macht erst das Wissen um die eklatante Veränderung den eigentlichen Reiz dieses sympathischen musikalischen Unterfangens aus. Großes Kino also für aufgeschlossene Menschen aller Haarlängen!

Wertung: (8 / 10)

scroll to top