Hellphone (F 2007)

hellphoneUnter den Jugendlichen von heute ist das Handy mehr als nur ein Kommunikationsmittel. Es dient der Unterhaltung, der Medialisierung, nicht zuletzt als Statussymbol, das über sozialen Einfluss oder Ausschluss entscheiden kann. Aus diesem Grundstock gewinnt Filmemacher James Huth („Serial Lover“) die Essenz von „Hellphone“, einer munteren Mischung aus Teen-Komödie und Fantasy-Horror. Den Tod aus dem Telefon kannte man bislang nur aus Japans Mystery-Thrillern. Doch geht es hier nicht um rachsüchtige Frauenleichen, sondern den vom Teufel in der Technik geplagten durchschnittlichen (französischen) Heranwachsenden.

Die Mischung streift also eher „Christine“ und „Die Killerhand“, wobei die Verortung selbstredend im Pennälermilieu erfolgt. Beeinflussungen durch etwaige US-Produktionen äußern sich bereits in üblichen Schulfilmklischees und streng formalisierten charakterlichen Zuordnungen. Da ist der sympathische Underdog, der Rowdy und die Herzensdame des ersten, die natürlich mit dem zweiten liiert ist. Das simple Schema wird nach bekanntem Muster abgespult. Mit Witz zwar, aber ohne ironische Beugung. Zumal auch diverse Jugendsubkulturen überdreht wie geradezu anbiedernd dargestellt werden.

Für Sid (Jean-Baptiste Maunier, „Die Kinder des Monsieur Mathieu“), jenen gebeutelten Teenager, scheint die neue Klassenkameradin Angie (Jennifer Decker, „Flyboys – Helden der Lüfte“) unerreichbar. Er besitzt ja nicht mal ein Handy. Das Glück aber scheint ihm hold, als er für wenig Geld ein sonderbar geformtes Mobiltelefon ersteht. Das erfüllt ihm wundersam seine Wünsche, bewahrt ihn vor dem Nachsitzen und verbindet ihn gar mit der Angebeteten. Vom teuflischen Eigenleben des Objekts ahnt er dabei nichts. Denn der manipulative Apparat verfährt rücksichtslos mit den Widersachern seines Eigners und schreckt auch vor Mord nicht zurück.

Für minderjährige Zuschauer werden die Schauwerte gleich Dutzendfach aufgefahren, wenn der sehenswert getricksten Genre-Melange auch der nötige Biss fehlt. Das jugendliche Publikum wird sich an der fehlenden Originalität des weitgehend harmlosen Films sicher nicht stören. Für Identifikationsmöglichkeiten ist schließlich gesorgt, Action und (schwarzer) Humor kommen ebenfalls nicht zu kurz. Auch die unterschwellige Moral ist nicht fern, wenn sich Sid von den Möglichkeiten seiner Neuerung geblendet mit dem besten Freund überwirft. Bis zum gelungenen Finale ist es ein weiter, ein turbulenter Weg. Der bietet kaum neues, überzeugt auf formaler Ebene dafür vollends. Kurzum: Solide Unterhaltung für Junggebliebene.

Wertung: 6 out of 10 stars (6 / 10)

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