Hellboy: The Crooked Man (USA/BG 2024)

„It is dark down there. Dark as the Devil's asshole.“ – Blind, aber umsichtig: Reverend Watts
Comic-Verfilmungen sind bisweilen eine delikate Angelegenheit. Das Problem liegt im schwierigen Spagat zwischen profitorientierter Umsetzung und Befriedigung der skeptischen Fanbasis. Gerade bei düsteren Stoffen wie „Hellboy“. Die beiden Kino-Adaptionen von Guillermo del Toro (2004 und 2008) waren nicht unbedingt werkgetreu, in ihrer gezügelten Blockbuster-Umsetzung aber sehr erfolgreich. Neil Marshalls dritte Verfilmung (2019) gab sich zwar abgründiger, ließ im Vergleich aber die erzählerische und vor allem visuelle Qualität vermissen. „The Crooked Man“, der vierte Filmeinsatz des Höllenjungen, treibt diese Entwicklung (vorläufig) auf die Spitze.
Die wiederum von Millennium Films („The Expendables“) – dem Cannon des neuen Jahrtausends – produzierte Interpretation rangiert nah am Comic-Ursprung. Ein Grund dafür ist „Hellboy“-Schöpfer Mike Mignola, der auch am Drehbuch mitarbeitete. Anders als bei del Toros Kinoversionen bedeutet das die Reduktion auf das Wesentliche. Die Geschichte fußt maßgeblich im Mystery-Horror und gewinnt durch das effektive Sounddesign samt unbehaglichem Soundtrack sowie dem physisch weit unauffälligeren Titeldarsteller Jack Kesy („12 Strong“) an Profil. Die positiven Aspekte sind damit allerdings bereits weitgehend umrissen.
Das größte Manko offenbart bereits die anfängliche Zugreise, bei welcher der junge feuerrote Quasi-Dämon Hellboy im Jahr 1959 mit Parapsychologin Bobbie Jo Song (Adeline Rudolph, „Mortal Kombat II“) Probleme mit einer von ihnen transportierten Riesenspinne bekommt. Denn einerseits fallen die Computertricks überwiegend mäßig aus und andererseits reichen Look & Feel kaum über B-Niveau hinaus. Mehr noch erweisen sich auch die darstellerischen Leistungen als durchwachsen. Während die im Original auch mal deutschsprachige Beschwörungsformeln murmelnde Rudolph solide agiert, steht die als unflätige Hexe Effie Kolb in Erscheinung tretende Leah McNamara („Vikings“) für zügelloses Overacting.
Nachdem Hellboy und seine junge Begleiterin die Spinne im Wald der Appalachen (gedreht wurde in Bulgarien) verloren haben, werden sie mit dem folkloristischen Schrecken des Crooked Man (Martin Bassindale) konfrontiert. Der hässliche Untote mit Zylinder sammelt in höllischer Mission Seelen und weiß die bösen Hexen der Region, eben solche wie Kolb, auf seiner Seite. In Heimkehrer Tom Ferrell, überzeugend gespielt von „Yellowstone“-Regularie Jefferson White, finden Hellboy und Bobbie aber einen Verbündeten mit ebenfalls hexerischer Neigung – und magischem Katzenknochen, den man auf Zuschauerseite durchaus albern finden darf. Von Kintopp und Spektakel kann auf diesen Wegen einfach keine Rede sein.
Für Hellboy, der Tom in die Berge folgt, um sich dem Crooked Man zu stellen, birgt die ungeplante (Neben-)Mission aber noch eine persönliche Dimension. Denn der Seelensammler konfrontiert ihn in düsteren Visionen mit dem Schicksal seiner Mutter. Das Problem hinter Brian Taylors („Crank“) betont actionarmer Inszenierung ist, dass „The Crooked Man“ nie richtig in Fahrt kommt. Die mit dem blinden Geistlichen Watts („Der Prinz von Bel-Air“-Butler Joseph Marcell) auszufechtende Kirchenbelagerung samt dezentem „Demon Knight“-Anklang erhöht punktuell zwar das Tempo, im Fokus steht aber eindeutig das schleichende Unbehagen. Dabei hat der Streifen fraglos seine Momente. Nur braucht es für deren Würdigung nicht allein Geduld, sondern auch erhöhte Toleranz gegenüber einer Produktionsgüte, die mehr nach Fan-Film denn Kinoerzeugnis aussieht. Die Werktreue hilft da am Ende auch nicht weiter.