Hell (D/CH 2011)

DAS STUDIO Torsten Hegner GmbH - PDF_X3_Certified_DSDie Apokalypse wird heiß. 2016 hat die Sonne die Erdoberfläche verbrannt. Ressourcen sind erschöpft, der staubige Grund ist ausgedörrt. Verendetes Vieh lässt einst blühende Landschaften nur noch erahnen. Vor allem fehlt es an Wasser. Die meisten Menschen sind tot. Diejenigen, die den erbarmungslosen Überlebenskampf angenommen haben, bleiben im Schatten verborgen. Einer von ihnen ist Phillip (Lars Eidinger, „Alle Anderen“), der sich mit Marie (Hannah Herzsprung, „Der Vorleser“) und ihrer jüngeren Schwester Leonie (Lisa Vicari, „Hanni & Nanni“) in einem alten Kombi auf den Weg in die Berge gemacht hat. Dort vermutet er Wasser.

Die Scheiben des Wagens sind zum Schutz vor der gleißenden Sonne mit Zeitungspapier abgeklebt. An jeder Tankstelle wird Halt gemacht. Die Hoffnung auf Benzin und Nahrung ist gering. Selbst in den Spülkästen der Toiletten und Heizungsrohren wird nach Wasser gesucht. Von der Zivilisation übrig geblieben scheinen lediglich Dosenpfirsiche, PET-Flaschen und Nenas „99 Luftballons“. Bei einem Zwischenstopp stößt Tom (Stipe Erceg, „Der Baader Meinhof Komplex“) zu ihnen, der mehr als einmal zum Retter in der Not wird. Doch auch er kann nicht verhindern, dass sie auf ihrem Weg in einen Hinterhalt geraten.

Der in Deutschland so sträflich vernachlässigte Genrefilm erhält durch Tim Fehlbaums packenden Endzeit-Thriller „Hell“ endlich wieder Gewicht. Unterstützt wurde der junge Schweizer von Produzent Thomas Wöbke, der mit Werken wie „23“, „Anatomie“ oder „Krabat“ wiederholt versuchte, das heimische Kino auf ungewohntem Terrain zu verorten. Durch ihn wurde Hollywood-Regisseur Roland Emmerich („2012“) auf das Projekt aufmerksam, fungierte als ausführender Produzent und stand Fehlbaum mit Rat und Tat zur Seite. Ein Effektgewitter im Geiste der Blockbuster des Schwaben-Spielbergs ist der Film dabei nicht geworden. Selbst wenn er vor allem von der Kraft der abgründigen Bilder lebt.

Abseits der blendenden Überbelichtung und dem Kontrast grobkörnigen Dämmerlichts wird die stark gespielte Geschichte von glaubhaften Figuren getragen. Der Anfang, eine wacklig gefilmte Menschenjagd durch kahle Wälder, nimmt den finalen Schwenk Richtung (Backwood-)Horror aber bereits vorweg. Die Fahr- und Überlebensgemeinschaft gerät auf ihrem Weg in eine Falle. Leonie wird entführt, eine verzweifelte Rettung scheitert. In Anlehnung an „The Road“ oder auch „Blutgericht in Texas“ verschlägt es Marie auf den Hof einer gottesfürchtigen Bäuerin (Angela Winkler, „Die Blechtrommel“), die sie in den Schoß ihrer Familie aufnimmt. Doch hinter der hilfsbereiten Fassade lauert das Grauen.

Zwingend neu sind die erzählerischen Komponenten nicht. Aber Fehlbaum, der auch am Drehbuch mitschrieb und die Kamera bediente, zerrt mit großem Geschick an den Nerven des Zuschauers und verzichtet auf allzu offensive oder gar blutige Schockmomente. Die Wirkung schöpft sich aus der zurückhaltenden Beobachtung des suggestiven Szenarios und der Perspektive Maries, deren Blickwinkel den menschlichen Abgrund andeutet, ohne ihn dem Zwang expliziter Details zu unterwerfen. Der doppeldeutig betitelte Thriller ist damit mehr Reflexion als Exploitation. Denn des Menschen größter Feind ist immer noch der Mensch selbst. Nicht allein gemessen an deutschen Kinostandards ein verdammt beachtlicher Film.

Wertung: (7,5 / 10)

scroll to top